Europäischer Tag der jüdischen Kultur

Hereinspaziert

»Nein, vom Europäischen Tag der Jüdischen Kultur habe ich noch nicht gehört«, sagt Benzion Wieber von der Synagogen-Gemeinde Köln überrascht. Was sich durchaus geographisch erklären läßt, denn der zum elften Mal begangene Kulturtag ging ursprünglich von einer elsässischen Initative aus. Inzwischen beteiligen sich 30 Länder an dem Projekt. Hierzulande haben den Kulturtag jedoch hauptsächlich süddeutsche Gemeinden übernommen.
Die diesjährigen Veranstaltungen am 3. September stehen unter dem Motto »Europäische Wege jüdischen Erbes«. Geboten werden Führungen durch Synagogen und Gemeindehäuser oder über Friedhöfe wie in Meisenheim, Könen und Ingelheim, oder zu anderen historischen Stätten, wie in Kaiserslautern zur mittelalterlichen Mikwe.
Dies brachte dem Europäischen Kulturtag in der Vergangenheit öfter den Vorwurf der Rückwärtsgewandheit ein. Janusz Kuroszczyk, Geschäftsführer der Jü- dischen Gemeinde Mainz, mag dies nicht gelten lassen. »Dies ist eine gute Gelegenheit, unsere Geschichte und Kultur zu zeigen«, betont er. Das Interesse sei jedesmal sehr groß, zumal auch in der Regionalpresse regelmäßig über das jeweilige Angebot berichtet werde. »An einem solchen Tag«, sagt Kuroszczyk, »fällt es vielen Menschen eben leichter, mal einen jüdischen Friedhof oder eine Synagoge zu besuchen als an Gedenktagen wie dem 9. November.« Zudem könne man durchaus kreativ mit dem Motto dieses Tages umgehen, sagt er.
Bei Janusz Kuroszczyk in Mainz gibt es neben einem Konzert zugunsten der renovierungsbedürftigen Trauerhalle einen Vortrag zum Thema »Deutsche Juden in Israel«.
Der für Deutschland zuständige Koordinator des jüdischen Kulturtags, Konrad Pflug, wünscht sich, daß im kommenden Jahr noch mehr Gemeinden an dem Projekt teilnehmen. »Wir können zwar nicht finanziell helfen, aber stellen unser Know-how gern zur Verfügung.« Elke Wittich
www.jewisheritage.org

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