Eliot Spitzer

Heiße Kartoffel

von Eva C. Schweitzer

Eliot Spitzer, bis vor einer Woche Gouverneur von New York, war der große Hoffnungsträger der jüdischen Gemeinde. Der frühere Generalstaatsanwalt wurde als erster jüdischer Präsident der USA gehandelt; er soll auf Hillary Clintons »Shortlist« als Vizepräsident gewesen sein. Was bedeutet Spitzers tiefer Fall über eine Prostituierte für die Juden?
Spitzer, der in Harvard und Princeton ausgebildete Jurist, stammte von Wiener Immigranten ab. Sein Vater Bernard wuchs in ärmlichen Verhältnissen in der Lower East Side auf. Er brachte es zum Immobilienmillionär, Eliot wurde an der vornehmen Fifth Avenue groß. Als Gouverneur hatte der ohnehin mit Zweidrittel-Mehrheit gewählte Demokrat die meisten New Yorker Juden hinter sich.
Religiös war Spitzer nie. Er wurde nicht Barmizwa, heiratete Silda Wall, eine blonde Protestantin, seine drei Töchter wurden nicht jüdisch erzogen. Er besuchte sogar Nascar-Autorennen, die klassische Freizeitbeschäftigung von Rednecks. Spitzer: »Ich versuche eben, alle kulturelle Barrieren zu überqueren.«
Nun fragen sich jüdische Zeitungen: Wie jüdisch ist Spitzer eigentlich? Nicht sehr, meinen viele. Die Medienwebsite Gawker. com erklärte den Spitzer-Skandal zur »Shanda fur die Goyim«. Immerhin sei der »Kreuzzügler« über eine »Shiksa-Prostituierte« gestolpert. Und der Forward meint: »Er hat weder den folkloristischen Charme von Joseph Lieberman, noch bewegt er sich so ungezwungen unter Juden wie Michael Bloomberg.« Selbst der italo-amerikanische Gouverneur Mario Cuomo habe eine »ethnische Kredibilität«, die jüdischer sei als die von Spitzer. Und Hank Sheinkopf, ein Wahlhelfer Spitzers, sattelte noch eins drauf: »Er ist mehr ein WASP« – ein weißer, angelsächsischer Protestant – »als ein Jude.«
Aber obwohl sich Spitzer niemals als »Teil des Klans« gefühlt habe, so der Forward, habe er stets den reformierten Liberalismus repräsentiert, der das Rückgrat jüdischer Politik seit mehr als einem Jahr- hundert gebildet habe. »Trotz seines privilegierten Hintergrunds hat er sich den Eifer des Außenseiters bewahrt, gegen die Korruption des politischen Systems vorzugehen.« Spitzer hatte auch keine Angst, sich mit mächtigen jüdischen Organisationen anzulegen. Seine Ermittlungen als Staatsanwalt gegen den World Jewish Congress (WJC), der Schwarzkonten auf Schweizer Banken unterhielt, brachten dessen Chairman Israel Singer zu Fall, und es endete damit, dass auch WJC-Präsident Ed Bronfman seinen Posten räumen musste, für Ronald S. Lauder. Und Spitzer ermittelte auch gegen den National Council of Young Israel.
Ironischerweise stolperte Spitzer über einen Prostituiertenring, den international operierenden »Emperor’s Club«, der von einem Israeli betrieben wurde, von Mark Brener (der im Gefängnis sitzt, da Prostitution in den USA verboten ist). Und so kursieren bereits erste Verschwörungstheorien, ob Spitzer womöglich eine Falle gestellt worden sei. Der Skandal flog nämlich auf, nachdem die Steuerbehörde und das FBI Barabhebungen von einigen tausend Dollar auf Spitzers Konto registriert hatten, das wiederum steckte jemand der New York Times. Feinde hat Spitzer genug, von den New Yorker Republikanern bis zu den Wall-Street-Bankern und Börsenmaklern, die er als Staatsanwalt mit Millionenstrafen belegte.
Verteidigt wird Spitzer nur noch von dem Anwalt Alan Dershowitz, der meint, Prostitution solle legal sein. Ansonsten herrscht Schweigen. Nicht einmal die Anti-Defamation-League erhebt ihre Stimme. Derweil begrüßten prominente jüdische New Yorker – darunter Ruth Messinger, die Präsidentin des American Jewish World Service, Rabbi Marc Schneier und Diane Steinman, die New Yorker Direktorin des American Jewish Committee – Spitzers Nachfolger David Paterson, den ersten afroamerikanischen Gouverneur. Er habe sich immer für die jüdische Gemeinschaft eingesetzt, erklärte Paterson bei seiner Antrittsrede. Er habe seine DNA testen lassen und festgestellt, auch er habe jüdische Vorfahren. »Wir sind alle miteinander verbunden und verwandt.«

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

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