Bielefeld

Heilige Blockade

von Heide Sobotka

Der Kauf der Paul-Gerhardt-Kirche durch die Jüdische Gemeinde Bielefeld bleibt weiter aufgeschoben. Seit Ende März hält eine Bielefelder Bürgerinitiative das Gebäude besetzt (vgl. Jüdische Allgemeine vom 5. April). Ob der Kauf überhaupt noch zustande kommt, ist ungewiss. Die jüdische Gemeinde sei nach wie vor an dem Kirchengebäude interessiert, werde aber keinen Kaufvertrag unterschreiben, solange die Kirche besetzt ist, sagte Rabbiner Henry G. Brandt. Er und der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, haben jetzt an die Besetzer appelliert, ihren Protest aufzugeben. Alle Voraussetzungen für den Kauf seinen erfüllt, erklärte Buß am vergangenen Freitag. Allein die Besetzung verhindere einen Abschluss. Eine polizeiliche Räumung schloss Buß jedoch kategorisch aus.
Auch Brandt, der die Jüdische Gemeinde in Bielefeld seit fast fünfzehn Jahren betreut, betonte, er appelliere als Rabbiner und als Mensch, die Besetzung aufzugeben. Die Übergabe einer Kirche an eine jüdische Gemeinde bezeichnete Brandt als Brückenbau über die Gräben einer jahrhundertelangen verhängnisvollen Geschichte.
Das Grünen-Ratsmitglied Klaus Rees bekundete ebenfalls Solidarität mit der Kultusgemeinde. »Wir unterstützen die jüdische Gemeinde nachdrücklich bei ihrem Vorhaben zur Errichtung einer Synagoge in Bielefeld.« Das Gebäude an der Detmolder Straße eigne sich dafür offensichtlich und sollte möglichst bald auch zur Verfügung gestellt werden, sagte der Fraktionsgeschäftsführer. 70 Jahre nach der Zerstörung der alten Synagoge an der Turnerstraße solle man jetzt der jüdischen Gemeinde bei der Errichtung einer neuen behilflich sein.
Die Kirchenbesetzung zieht derweil auch im Internet weitere Kreise. Der Bielefelder Soziologe Heinz Gess betonte in einem Gastkommentar des Weblogs Politically Incorrect, das Gebäude werde ja schließlich nicht an irgendwen übergehen, sondern in die Hände der jüdischen Gemeinde kommen. »Sie will damit ein Zeichen setzen für die besondere Verbundenheit zwischen Christentum und Juden- tum«, schrieb Gess. In weiteren Kommentaren wird darüber spekuliert, ob die Besetzer dem linksextremen Spektrum angehören oder die Polizei anders agieren würde, wenn ein Moscheebau besetzt würde.
Nach einer Kirchenfusion vor einem Jahr soll die Paul-Gerhardt-Kirche verkauft werden, weil sie finanziell nicht mehr zu tragen ist. Die Jüdische Gemeinde ihrerseits sucht seit Jahren nach einem geeigneten Gebäude, das Platz für ihre inzwischen 250 Mitglieder bieten kann. Nach dem Abschlussgottesdienst Ende April dieses Jahres waren die Gegner des Verkaufs der Paul-Gerhardt-Kirche im Gebäude geblieben und harren dort in Schlafsäcken mit Proviant und Thermoskanne auch ohne Strom seit acht Wochen aus.

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Einmal Gastro, immer Gastro

von Margalit Edelstein  14.10.2026

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026