Alfred Bodenheimer

»Gut fürs Prestige«

Herr Bodenheimer, seit November 2007 ist die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg Mitglied der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Was ändert sich dadurch für die Hochschule?
bodenheimer: Wir erhalten innerhalb der deutschen Universitätslandschaft die Chance der Mitgestaltung. Da entstehen neue Möglichkeiten der Vernetzung und der politischen Durchsetzung von Anliegen. Man kommt mit Ideen in Kontakt, von denen man nichts weiß, wenn man in diesem Klub nicht drin ist. Man muss dann nicht das Rad neu erfinden, das schon lange rollt. Vernetzung, Organisation, politische Mitsprache – das sind die Vorteile.

Welche inhaltlichen Positionen wollen Sie konkret in die Diskussion einbringen?
bodenheimer: Für uns ist es wichtig, als Hochschule, die von einer minoritären Gruppe getragen wird, dem Zentralrat der Juden, eine Perspektive interkultureller Kommunikation einzubringen. Ich möchte, dass wahrgenommen wird, dass Jüdische Studien nicht nur dem jüdischen Leben in Deutschland Impulse geben, sondern dass wir auch einen gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen haben.

Gibt es Änderungen im Lehrangebot?
bodenheimer: Unsere neuen Bachelor- und Master-Studiengänge sind auf zwei Ziele angelegt: Einmal die Ausbildung von Leuten für die Gemeinden. Es ist unser primäres Anliegen, die Gemeinden zu versorgen und unseren Studenten eine berufliche Perspektive zu geben. Zum anderen wollen wir die Brückenfunktion stärker betonen – wir wollen stärker in die Gesellschaft hineingehen.

Bringt der neue Status, den die Mitgliedschaft in der HRK mit sich bringt, geldwerte Vorteile, etwa was Drittmittelbeschaffung anbelangt?
bodenheimer: Wir haben bisher schon Drittmittel eingeworben, etwa von der DFG, aber die HRK öffnet weitere Türen. Wir sind jetzt in einem Evaluationsverfahren des Wissenschaftsrats, das wäre ohne die Aufnahme in die HRK nicht passiert. Wir streben auch Mitgliedschaften in anderen Forschungsverbünden in Deutschland an. Was sich für uns ändert, ist der Status, das Prestige. Es wirkt sicher auf private Sponsoren, wenn sie sehen, dass wir von den anderen Universitäten als gleichwertiger Partner betrachtet werden.

Heißt das, dass Sie neue renommierte Lehrkräfte anwerben können?
bodenheimer: Nun, wir haben im Moment alle Professuren besetzt. Im vergangenen Jahr ist Ephraim Meir aus Bar Ilan hinzugestoßen, einer der international renommierten Experten für jüdische Philosophie. Wenn jemand von seinem Format sagt, ich gehe nach Heidelberg, weil ich da wissenschaftlich gut aufgehoben bin, sind wir natürlich stolz darauf.

Gibt es große Vorhaben für 2008?
bodenheimer: Die Heidelberger Hochschulreden werden weitergeführt. Daneben gibt es etliche wissenschaftliche Gastvorträge und im März einen großen Kafka-Kongress, den wir in Zürich mit der dortigen Universität durchführen. Wichtig ist auch das Jugenddialogprojekt Likrat. Dafür haben wir am 27. Januar den Hermann-Maas-Preis der Evangelischen Landeskirche Baden bekommen. Ich habe das Projekt aus der Schweiz mitgebracht. Darin tut sich etwas auf, was ich auch als Zukunftsvision der Hochschule betrachte: das Schaffen von Diskursräumen, in denen sich Minderheiten mit der Gesamtgesellschaft treffen.

Wie schreiten die Bauarbeiten für den Universitätsanbau voran?
bodenheimer: Am 4. April feiern wir die Grundsteinlegung. Wir streben an, dass das Gebäude im Herbst 2009 bezugsfertig ist, so dass wir das 30-jährige Jubiläum der Hochschule im neuen Haus begehen können. Ich denke, das dürften wir auch schaffen.

Mit dem Rektor der Hochschule für Jüdische Studien sprach Ingo Way.

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Einmal Gastro, immer Gastro

von Margalit Edelstein  14.10.2026

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026