Subotica

Grün oder gelb?

von Josef Bata

Eigentlich sollten alle Beteiligten zufrieden sein. Eigentlich. Die Baugenehmigung zur Renovierung und Restaurierung der 1902 erbauten Synagoge in der nordserbischen Stadt Subotica war bereits vor Jahren erteilt worden. Das Geld für die Arbeiten an der Außenfassade, mehrere hunderttausend Euro, stand größtenteils bereit. Die Baugerüste waren aufgestellt und Hunderte von alten Dachziegeln wurden durch neue ersetzt. Sogar erste Pinselstriche waren auf den Außenwänden bereits zu sehen. Doch dann kam plötzlich alles zum Stillstand. Nein, nicht ganz so überraschend, denn der Abbruch der Renovierungsarbeiten hat eine Vorgeschichte.
Die im sezessionistischen Stil erbaute Synagoge von Subotica ist eine der schönsten und monumentalsten Bauten im Norden Serbiens. Jedoch steht sie seit Jahrzehnten geschlossen. Den Mauern ist anzuse- hen, dass das Gebäude stark renovierungsbedürftig ist. »Es hätte schon längst von Grund auf erneuert werden müssen«, sagt Robert Szabados, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Subotica. »Da wir kein Geld hatten, die Synagoge zu unterhalten und zu renovieren, haben wir sie vor etwa 25 Jahren der Stadtverwaltung übereignet.« Vereinbart wurde damals, dass die Stadt und die örtliche Denkmalsschutzbehörde die Synagoge vollständig renovieren. Kostenfaktor: rund vier Millionen Euro. Dabei sollte das Gebäude seinen sakralen Charakter nicht verlieren und für jüdische Gottesdienste weiterhin offen bleiben. Darüber hinaus war vorgesehen, die Synagoge als multikulturelles Zentrum für Konzerte und Ausstellungen zu nutzen.
Seitdem ist viel Wasser die Donau hinabgeflossen. Wegen der Einsturzgefahr des Gebäudes versammelt sich die rund 260 Mitglieder zählende jüdische Gemeinde von Subotica seit Jahren in einer provisorischen Synagoge in einem Wohnblock. Vor zwei Jahren gründeten sie eine SOS-Stiftung, um Spenden für die Erneuerung der Synagoge einzutreiben. Das Geld ist inzwischen da, es stammt vor allem aus dem Jewish-Heritage-Programm des World Monument Fund sowie von der Stadtverwaltung und der serbischen Regierung. Doch eine Meinungsverschiedenheit lässt den Bau nicht voranschreiten. Die Frage lautet: Grün oder gelb? Streitpunkt ist die Farbe der Außenmauer. Die kommunale Denkmalschutzbehörde ist der Ansicht, einer der damaligen Architekten, Dezsö Jakab, hätte ursprünglich die Farbe grün für sein Bauwerk ausgewählt. Außerdem, so die »grüne Fraktion«, solle man auch in Anspielung an den Garten Eden das Gebäude grün streichen.
Vollkommen dagegen ist die »gelbe Fraktion«, die jüdische Gemeinde. »Wir sind überzeugt, dass die Außenmauer ursprünglich ockergelb war, ähnlich wie die der anderen Synagogen in der Region«, sagt Robert Szabados. Darüber hinaus sei die Syna- goge auch in der kollektiven Erinnerung der Gemeinde so geblieben. Da der Streit auch nach tagelangen Verhandlungen nicht beigelegt werden konnte, wurde die Angelegenheit nun der obersten Denkmalschutzbehörde in Belgrad vorgetragen. Bis zu einer Entscheidung von höchster Stelle sind die Renovierungsarbeiten ausgesetzt.
Vor dem Zweiten Weltkrieg zählte die Gemeinde in Subotica rund 6.000 Mitglieder. Nach der Schoa kehrten nur 500 aus den KZs zurück, und die Hälfte davon wanderte nach Palästina aus. Seit über einem Jahrzehnt ist die soziale Lage der Gemeinde äußerst prekär: Über 60 Prozent der Mitglieder sind alt und wegen der niedrigen Renten sozial kaum abgesichert. Zwar erhielten bedürftige Mitglieder eine kleine finanzielle Unterstützung von der Gemeinde, doch die Summe wurde von Jahr zu Jahr geringer.
Die Synagoge aus eigenen Kräften zu renovieren, ist angesichts dessen ein Unding. »Wir haben bereits Hilfe erhalten, auch aus dem Ausland«, sagt Szabados. »Aber wir brauchen noch viel mehr Spenden, ebenso für andere Projekte, denn davon hängt auch unsere Identität ab.«

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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