Ingmar Bergman

Gott ist ein frustrierter Regisseur

von Katharina Schmidt-Hirschfelder

Ingmar Bergman starb vor einem Jahr, am 30. Juli 2007. Doch der legendäre schwedische Filmregisseur glaubte nicht, dass mit seinem physischen Tod auch seine Existenz zu Ende sein würde. In einer »anderen Dimension« werde er weiterleben, hat er in seinen Memoiren Laterna Magica geschrieben. Die wenigsten wissen, dass der Protestant Bergman den Begriff »andere Dimension« dem Judentum entliehen hatte. Er ging zurück auf ein Gespräch, das der Filmemacher mit dem damaligen Stockholmer Oberrabbiner Morton Narrowe geführt hatte.
In seiner Autobiografie Ein dreifacher Pfad: Amerikaner, Jude, Schwede erinnert sich Narrowe an die Unterhaltung: »Bergman und ich sind uns Ende der 70er-Jahre zum ersten Mal begegnet. Die Schauspielerin Bibi Andersson hatte uns im kleinen Kreis zum Essen eingeladen. Nach dem Dinner setzten Bergman und ich uns an den Kamin und kamen ohne Umschweife zur Sache.« Die halbe Nacht durch diskutierten der Regisseur und der Rabbiner über das Leben nach dem Tod aus jüdischer Sicht. Narrowe erklärte dem Regisseur, dass es im Judentum über diese Frage traditionell unterschiedliche Auffassungen gibt. »Ich glaube, dass eine Form des Lebens sich in eine andere verwandeln kann. So wie Energie in Materie und umgekehrt. Möglicherweise sogar in einer fünften Dimension«, beschrieb er an jenem Abend seine eigene Auslegung. Für den Regisseur, der mit der protestantische Strenge seiner Kindheit sein Leben lang haderte und seine religiöse Sinnsuche in vielen seiner Filme thematisiert hatte, war das ein faszinierend neuer Ansatz.
15 Jahre später, 1993, trafen sich die beiden wieder. Bergman inszenierte damals George Taboris Stück Goldberg-Variationen am Stockholmer Königlichen Dramatischen Theater. Eines Morgens erhielt Narrowe einen Anruf mit einer dringenden Anfrage Bergmans. Ob er bei den Proben helfen könne? Der Rabbiner willigte ein und hielt bereits 15 Minuten später das Skript in der Hand mit einer handgeschriebenen Notiz: »Ingmar fragt sich: Wie stellt man ein Kainszeichen auf der Stirn von jemandem dar?« »Eine schwierige Frage«, weiß Narrowe noch. »Ich habe nicht weniger als sieben verschiedene rabbinische Erklärungen dazu gefunden«.
Am plausibelsten und für die Bühne am besten geeignet schien ihm das Horn, mit dem Gott Kain gezeichnet hatte, um andere Menschen von ihm fernzuhalten. Bergman hat diese Idee später genauso umgesetzt. Mehr als drei Stunden verbrachte Narrowe in dem Theaterhaus, beantwortete Fragen, diskutierte unklare Textpassagen und interpretierte das Tabori-Stück aus seiner Sicht als einen »Bibel-Exkurs mit dem Theaterregisseur als einer Art Gottesfigur«, die frus-triert sei von der Schöpfung. »Genau wie im Tanach. Und wer muss für die menschlichen Fehlschläge geradestehen? Goldberg! Die Inkarnation des jüdischen Volkes.« Der Regisseur sei nach diesem Intensivkurs in Judentum, Bibelkunde und Textauslegung »hochzufrieden« gewesen, erinnert sich Morton Narrowe 15 Jahre später und schaut aus seinem Bü-rofenster hinüber zur anderen Straßenseite des Nybroplan, wo das Theater steht.
Getrübt wurde das Verhältnis zwischen Regisseur und Rabbiner zum Schluss jedoch durch ein Missverständnis. »Beim Abschied wollte er mich unter vier Augen sprechen. Er fragte, ob ich ihn zum ‚Ehrenjuden‘ machen könne.« Bergmans Freund und häufiger Hauptdarsteller Erland Josephson, der in der Tabori-Inszenierung den Goldberg spielte und selbst jüdisch war, hätte ihm davon erzählt. »Da hat er Sie zum Narren gehalten. So etwas gibt es nicht«, antwortete Narrowe verlegen. Bergman war sichtlich enttäuscht, erinnert sich Narrowe.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

von Nicole Dreyfus  29.01.2026

Fernsehen

Wie Skandal-Camper Gil Ofarim erste Sympathie-Punkte sammelt

Kompliment und Kloppe für Gil Ofarim

von Aleksandra Bakmaz  29.01.2026

TV

Dschungelcamp: Gil Ofarim will nicht sprechen - oder doch?

Bei Hitze und Hunger schütten die Campteilnehmer sich gegenseitig ihr Herz aus. Am zweiten Tag in Down Under lassen die Dschungelbewohner tief blicken. Doch nicht jeder bekommt Mitleid

von Inga Jahn  25.01.2026

Leipzig

Gegensätzliche Nahost-Demos linker Gruppen 

Ein Team des MDR wurde aus der antiisraelischen Demo heraus angegriffen

 17.01.2026

TV-Tipp

Als David Bowie weinte: Arte-Doku beleuchtet die Schattenseiten eines musikalischen Genies

Oft feiern Filmporträts ihre Protagonisten mehr oder weniger unkritisch. Eine Arte-Doku über Popstar David Bowie wählt einen anderen Weg - und ist genau deshalb so gelungen

von Manfred Riepe  14.01.2026

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Antisemitismus

Die kruden Thesen eines AfD-Abgeordneten

Ein AfD-Parlamentarier teilte einen Instagram-Post, in dem die Rothschild-Familie mit dem Untergang der »Titanic« 1912 in Verbindung gebracht wird

 08.01.2026

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026