Stipendium

Geldsegen

von Christian Höller

Rund 7.000 Mitglieder zählt die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) in Wien. Um Jugendliche und Studenten für das jüdische Leben und die Kultur zu begeistern, hat der orthodoxe Rabbiner Nechemia Rotenberg die Organisation Nefesh Yehudi aus Israel nach Wien gebracht. Die Methode von Rotenberg, um jüdische Studenten anzuwerben, ist unkonventionell. Jeder, der regelmäßig an den Vorträgen teilnimmt, bekommt monatlich ein Stipendium von 100 Euro.
Auf den ersten Blick sieht dies wie eine Bestechung aus. Ist es koscher, Studenten für die Teilnahme an religiösen Kursen zu bezahlen? Rothenberg schmunzelt: »Viele junge Menschen müssen arbeiten, um sich das Studium zu finanzieren. Mit einem kleinem Stipendium helfen wir ihnen, Zeit zu finden, um das jüdische Leben zu entdecken.« Natürlich würden einige zunächst wegen des Geldes kommen. »Aber dann bleiben sie, weil sie das Programm mögen«, sagt der Rabbiner der Jüdischen Allgemeinen. Die Vorträge dauern dreieinhalb Stunden pro Woche.
Der 31-jährige Rabbiner Rotenberg stammt aus Jerusalem. Die Organisation Nefesh Yehudi wurde vor einigen Jahren in Israel vom orthodoxen Rabbiner Eliahu Ilani gegründet. 2004 fragte dieser Rotenberg, ob er mit dem Programm nach Europa gehen will. Rotenberg stimmte zu und begann mit seiner Arbeit zunächst in Paris. Heute ist Nefesh Yehudi in mehreren französischen Städten vertreten. Danach kam er nach Österreich, das Heimatland von Rothenbergs Frau.
Nun bietet der orthodoxer Rabbiner in Wien jüdische Kurse für Studenten an. Geholfen haben ihm dabei orthodoxe Rabbiner, die mit Nefesh Yehudi in Budapest gestartet haben. In diesem Jahr möchte Rotenberg das Programm in Amsterdam anbieten: »Wir stehen erst am Anfang. Unser Ziel ist es, uns in ganz Europa auszubreiten. Wir wollen auch nach Deutschland kommen.«
Jeden Sonntag- und Montagabend versammeln sich in Wien-Leopoldstadt, dem historischen jüdischen Zentrum Wiens, knapp 100 bis 120 Studenten, um von Experten Vorträge über die jüdische Religion, das jüdische Leben und die Geschichte zu hören. Die Vorträge sind auf English, eine Sprache, die alle Studenten verstehen. Rotenberg ist es wichtig, dass das Programm nicht allzu theoretisch abläuft. Zu Chanukka beispielsweise erklärte der Vorsteher der jüdischen Gemeindeschule in Wien auf humorvolle Weise den Sinn von koscherem Essen. Anschließend lud der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg zum Singen von bekannten Chanukka-Liedern ein. Die Studenten sind vom Programm begeistert. »Ich komme aus Moskau und meine Eltern sind nicht praktizierende Juden«, sagt die 17-jährige Evgenia Veslova, eine Studentin der Lauder Business School in Wien. »Hier lerne ich etwas über meine eigene Kultur, was mir zuhause nicht vermittelt wurde.« Ilena Schadler, eine 22jährige Studentin aus Wien, die wegen der guten Ausbildung eine christliche Oberschule besucht hat, sieht den Unterricht als Bereicherung. »Ich hatte keine jüdische Erziehung. Daher finde ich es interessant, mehr über das jüdische Leben zu erfahren.«
Viele Studenten haben über ein Inserat in der jüdischen Gemeindezeitung Kontakt zu Nefesh Yehudi aufgenommen. Laut Rotenberg nehmen 10.000 Studenten weltweit an den Vorträgen der Organisation teil, aber »unsere Sponsoren haben Geld für 100.000«. Rotenberg hat in Wien auch das Programm »Identität« gestartet, das für Erwachsene ausgerichtet ist. Bislang haben 100 Leute an den Seminaren teilgenommen. Die Israelitische Kultusgemeinde in Wien unterstützt die Aktivitäten. »Die Zusammenarbeit funktioniert ausgezeichnet«, sagt Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, der Jüdischen Allgemeine. Denn Nefesh Yehudi sei es grund- sätzlich immer wichtiger, mit den Gemeinden vor Ort gut auszukommen.
Vor allem für Jugendliche, die aus Osteuropa nach Wien eingewandert sind, seien die angebotenen Kurse wichtig. Schätzungen zufolge gibt es in der österreichischen Hauptstadt knapp 15.000 Juden. Davon haben 7000 Kontakt zur Gemeinde. Fastenbauer: »Wenn es Nefesh Yehudi gelingt, Jugendliche für das Gemeindeleben zu begeistern, dann ist das ein großer Erfolg.«

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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