Sarit Shenar

Gekommen, um zu bleiben

von Astrid Labbert

Dass die deutschen Fußballerinnen ihren Weltmeistertitel in China verteidigen würden, wusste Sarit Shenar nicht, als sie im Sommer 2007 ihren Vertrag beim Hamburger SV unterschrieb. Dass Frauen hierzulande guten Fußball spielen, war der Israelin aber sonnenklar. »Ich wollte in der besten Frauenliga spielen«, sagt die 24-Jährige bestimmt. Jetzt ist sie hier – und hat sich längst neue Ziele gesteckt.
An sportlichem Ehrgeiz und Zielstrebigkeit mangelt es der israelischen Nationalspielerin nicht. »In Israel gab es immer zwei Maßstäbe im Frauenfußball: die USA und Deutschland«, sagt die junge Frau mit den braunen Locken. Sie sitzt in einem Café mit Blick auf die Binnenalster. Draußen ist norddeutscher Winter. Grau. Feucht. Anders als in ihrer Heimat Kibbuz Gal-On oder im amerikanischen Texas, wo sie vier Jahre studiert und in der College-Liga Fußball gespielt hat.
Aber was zählt das Wetter schon, wenn man in diesem Land täglich Fußball trainieren und sich in der Liga mit Birgit Prinz messen kann? Zwar ist der Frauenfußball auch in Deutschland noch weit vom Profitum entfernt und der Hamburger SV eher im unteren Mittelfeld der Tabelle zu finden. Aber die erste Israelin der Liga sagt auch Monate nach ihrer Ankunft: »Ich lebe gerade meinen Traum. Meine Erwartungen

haben sich zu 100 Prozent erfüllt.« Fußball und Ausbildung miteinander verbinden zu können: Mit 20 war das der Grund für sie, in die USA zu gehen. Nach dem Chemie-Studium dann erneut die Frage: Was jetzt? Es klingt etwas ungewöhnlich, was Sarit Shenar nun mit einem Lächeln auf den Lippen erzählt: »Ich habe dann einfach Kontakt zu Vereinen in Deutschland aufgenommen.« Initiativbewerbungen per E-Mail, weder Scout noch Berater waren im Spiel. Der HSV biss an und lud sie zum Testtraining ein. Sarit Shenar überzeugte, wie man so schön sagt, auf dem Platz. Seither erfreut sie sich an professionellem Management und einem anspruchsvollen spielerischen Niveau in der deutschen Liga – Verhältnisse, die sie sich auch für ihr Heimatland wünscht. Irgendwann, später.
»Den organisierten Frauenfußball gibt es in Israel erst seit zehn Jahren. Er entwickelt sich langsam und hat es schwer, weil der Männerfußball alles dominiert«, beschreibt Shenar die Situation in der Heimat. In ihre Analyse bezieht sie auch die eigene Vita mit ein: Erst mit 15 spielte sie in einer Frauenmannschaft. (»Aber mit den Jungs habe ich gekickt, seit ich laufen kann.«) Monate später wurde sie in die U19-Nationalmannschaft berufen, wieder ein Jahr später in die
A-Nationalmannschaft. Seither ist sie im

Kader. »Man sollte meinen, ich wäre ein Superstar, aber ehrlich: Ich bin’s nicht! Das zeigt nur, dass der Wettbewerb in Israel noch nicht groß genug ist. Es spielen noch nicht genügend Frauen Fußball.« Es sei schon ein Erfolg, dass das Team unter Trainer Alon Schraier in der Qualifikation für die EM 2009 dabei ist. Zwar hagelte es bislang – bis auf ein Unentschieden gegen Polen – nur Niederlagen, und auch am 3. Mai wird es ein ungleiches Kräftemessen sein, wenn die Nummer 66 der Weltrangliste, Israel, gegen die Nummer 5 aus Norwegen antritt. Aber die nur 1,57 Meter große Spielerin mit Offensivqualitäten sieht das gelassen: »Im Moment wollen wir dort nur überleben. Wir lernen. Eines Tages wird es auch darum gehen, zu gewinnen.«
Dass sie dazu mit ihren Erfahrungen, die sie derzeit international sammelt, beitragen kann, ist ihre leise Hoffnung. Doch im Moment geht es darum, sich beim HSV zu etablieren und sich dem spielerischen Niveau der Liga zu stellen. »Hier wird sehr körperbetont und taktisch gespielt. Daran musste ich mich gewöhnen.« Die Vokabel »Zweikampf« war eine der ersten, die sie lernte. »Sarit ist erst nach der Vorbereitung zu uns gestoßen, Job- und Wohnungssuche haben lange gedauert. Das passt jetzt alles«, hatte HSV-Trainer Achim Feifel in der Win
terpause gesagt und prophezeit, dass sie das Angriffsspiel in der Rückrunde verstärken wird. In den ersten Spielen stand sie dann in der Startelf und zeigte gute Leistungen im offensiven Mittelfeld. Eines stand für Feifel aber schon vorher fest: »Menschlich ist sie für uns ein totaler Gewinn, weil sie fröhlich ist und frischen Wind reinbringt.«
Sarit Shenar ist für den Fußball nach Deutschland gezogen. Ihre Eltern hatten den Schritt zuerst mit Sorge verfolgt. Selbst hat sie ihre Reise aber möglichst unbelastet angehen wollen, sagt sie und blickt hinaus auf die Alster: »Ich möchte nicht über historische und politische Dinge nachdenken, gleichzeitig werde ich aber auch nie verheimlichen, dass ich jüdisch bin. Die Zeiten haben sich geändert. Hamburg, das ist Europa.« Dass sie sich wohlfühlt, liegt auch daran, dass der HSV sie anfangs in einer Gastfamilie unterbrachte. Wohnung, Job, Fuß- ball: All das hat sich stabilisiert. Seit Jahresbeginn arbeitet sie in einer Exportfirma, lernt täglich mehr Deutsch. Die Fußballsaison endet im Juni – und damit auch ihr Jahresvertrag beim HSV. Aber für Sarit Shenar ist klar: »Ich bin nicht hergekommen, um nach einem Jahr wieder zu gehen.«

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026