Sportpolitik

Geisterspiele

von René Martens

Wenn das israelische Tennisteam der Männer am ersten Märzwochenende im Davis-Cup in Malmö auf Schweden trifft, dürfte es den Spielern kaum leichtfallen, sich auf den Wettkampf zu konzentrieren. Der Sportausschuss der Stadt hat nämlich entschieden, dass das Spiel ohne Publikum stattfinden muss. Nur Offizielle, Journalisten und Sponsoren dürfen in die Halle. Schweden ist traditionell eine Tennis- nation – und ein Davis-Cup-Spiel ohne Zuschauer dort fast eine kleine Staatsaffäre.
Die Lokalpolitiker geben vor, sie könnten für die Sicherheit der israelischen Spieler und Anhänger nicht garantieren, weil rund um die Veranstaltung antiisraelische Demonstrationen angekündigt sind. Das sei »eine Kapitulation vor dem Mob«, passe aber zur »bösartigen« antiisraelischen Atmosphäre in Malmö, sagt Barbro Posner, ein führendes Mitglied der dortigen Jüdischen Gemeinde.
Dass die Politiker mit der Sicherheit argumentieren, ist nicht ohne Perfidie, denn den Ausschlag für das Geisterspiel gaben in Malmös Sportausschuss die Stimmen der Sozialdemokraten und der Vänstrepartiet (Linkspartei) – ausgerechnet jene Parteien, die vorher zu Protesten aufgerufen hatten. Mittlerweile wird in Schweden überlegt, die Begegnung von Malmö nach Stockholm zu verlegen.
Die israelische Gasaoffensive hat offensichtlich eine Verschärfung der Ressentiments in der Sportpolitik mit sich gebracht; die Entscheidung der Malmöer Politiker ist bereits das dritte antiisraelische Vorkommnis innerhalb kurzer Zeit: Anfang Januar kam es in Ankara vor dem Basketball-Europacupspiel zwischen Turk Telekom und Bnei Hasharon zu Ausschreitungen, Zuschauer warfen mit Schuhen und Flaschen, skandierten israelfeindliche Parolen und versuchten das Spielfeld zu stürmen. Die Bnei-Spieler flüchteten in die Kabinen und kehrten nicht wieder zurück. Solche Krawalle sind beim Basketball ungewöhnlich – die im Internet kursierenden Filmaufnahmen erwecken aber auch nicht den Eindruck, die Randalierer seien Basketballfans gewesen.
In der vergangenen Woche schließlich verweigerten die Vereinigten Arabischen Emirate der israelischen Tennisspielerin Shahar Peer ein Visum, sodass sie an einem Turnier in Dubai nicht teilnehmen konnte. Die Turnierleitung verwies auf Sicherheitsbedenken. Der israelische Spieler Andy Ram indes erhielt kurz darauf eine Einreisegenehmigung für das am Montag gestartete Männerturnier – eine Reaktion auf den internationalen Druck, den die Causa Peer ausgelöst hatte. Kritik an Ram gab es von Israels noch amtierendem Ministerpräsidenten Ehud Olmert: »Es wäre gut, wenn jemand ihm raten würde, Patriotismus und Solidarität zu demonstrieren und das Turnier zu boykottieren.«
Hätten die Emirate auch Ram ausgebootet, wäre für das Land ein »riesiger finanzieller Schaden« entstanden, meint Larry Scott, Chef der Damentennis-Tour WTA. Hintergrund: Dubai hat Milliarden in die Infrastruktur investiert, um eine der Welthauptstädte des Sports zu werden. Da kann man es sich kaum erlauben, zukünftige Events zu gefährden.
Der israelische Sport ist Schikanen gewohnt. Es hat aber eine neue Qualität, wenn in der Türkei, einem Land, das den EU-Beitritt anstrebt, Sportler fürchten, »gelyncht« zu werden, wie es Bnei Hasharons Manager Icy Tchinio empfand. Oder wenn in »einem aufgeklärten Land wie Schweden« (Israels Tennisverbandsboss Michael Klein) Wettkämpfe nicht unter regulären Rahmenbedingungen ablaufen können.
Die Gemengelage ist bizarr: Wenn Sportveranstaltungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen, wird damit normalerweise der gastgebende Verein für Ausschreitungen seiner Zuschauer bestraft. Die Entscheidung von Malmö trifft aber Spieler und Tennisfans – beide erkennbar unschuldig.
Besonders groß scheint die Ignoranz bei der Union der europäischen Basketball-Ligen (ULEB) zu sein: Der Ligaverband wertete das Spiel von Ankara mit 20:0 für Turk Telekom, weil sich Bnei nach der Räumung der Halle geweigert hatte, aufs Spielfeld zurückzukehren.

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