Luftfahrt

Gefahr am Himmel

Gefahr am Himmel

Alarmierende Fakten über die (Un-)Sicherheit der zivilen Luftfahrt

Israels internationaler Flughafen ist einer der sichersten weltweit – wenn es um die Kontrollen der Passagiere geht. Einem kürzlich veröffentlichten Bericht des International Airport Council (ACI) zufolge, haben Reisende den Ben-Gurion-Flughafen als sichersten Airport Europas bewertet, vor Schiphol (Amsterdam), Charles de Gaulle (Paris) oder Heathrow (London).
Einmal abgehoben, wird es aber gefährlich. »Die Situation ist ernst«, sagte Verkehrsminister Schaul Mofas jetzt auf einer Pressekonferenz, »sehr ernst. Wir befinden uns sozusagen im Ausnahmezustand«.
»Die zivile Luftfahrt ist in den letzten Jahren bedrohlich unsicher geworden, und werden nicht durchgreifende Maßnahmen eingeleitet, wird es nur noch schlimmer«, warnt Amos Lapidot, der Chef des Komitees für die Flugliniensicherheit. In einer Liste beschreibt er die 102 Mängel des Flughafens. »Der Luftraum ist verstopft, die zivilen und militärischen Maschinen sind nicht richtig aufeinander abgestimmt«, lautete einer der Kritikpunkte. Die Situation, machte Lapidot unmissverständlich klar, sei durch jahrelange Vernachlässigung extrem geworden.
Hauptsächliche Schwierigkeiten seien die anachronistischen Gesetze, unverändert seit 1927, sowie die schlecht funktionierende Behörde der Zivilen Luftfahrt. Diese, so der ehemalige Luftwaffenkommandant, besteht zum Großteil aus Veteranen der Luftstreitkräfte. »Es ist ein Paradox: Israel hat die beste Luftwaffe der Welt, die zivile Behörde indes ist völlig ramponiert.«
Zudem seien technologische Fortschritte in diesem Bereich nur teilweise eingeführt worden. Flugzeuge starten und landen in verschiedenen Richtungen, ge-
trennt lediglich durch Höhenunterschiede. Dieses Vorgehen lasse nur wenig Raum für Fehler. »Die kleinste Fehlkalkulation könnte fatale Folgen haben.« In der vergangenen Zeit seien dramatische Neuerungen in Sachen Luftfahrttechnologie gemacht worden, Israel jedoch befinde sich diesbezüglich in einer Art Koma.
»Wir sind weit davon entfernt«, fasste Mofas zusammen, »in Sachen Gesetzgebung, Technologie und Infrastruktur internationalen Standards zu entsprechen.« Auch die vielen illegalen Radiosender sei-en eine Gefahr. Die Piraten stören Frequenzen und beeinträchtigen dadurch die Kommunikation zwischen Pilot und Tower gravierend.
Nur eine Modernisierung der Luftfahrtbehörde samt entsprechendem Budget könne Abhilfe schaffen. Der Verkehrsminister akzeptierte alle Empfehlungen des Komitees, das von ihm persönlich nach einem Fast-Zusammenstoß einer EL AL- und Iberia-Maschine im Februar ins Leben gerufen wurde. Er versprach, 2008 mit ersten Umsetzungen zu beginnen und will zwölf Millionen Dollar bereitstellen. Einige Änderungen aber würden eine lange Zeit in Anspruch nehmen, erklärte Mofas, da die ersten Untersuchungen des Komitees lediglich notdürftig gewesen seien. Er ermutigte die Mitglieder um Lapidot, mit ihren Recherchen weiterzumachen, damit die Arbeit der Behörde tatsächlich verbessert werden könne. Sabine Brandes

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