Eurovision

Garstig’ Lied, politisch’ Lied

Helsinki liegt komfortabel weit entfernt vom Nahen Osten. Der Polarkreis ist näher als der Jordan. Doch der Konflikt zwischen Israelis und Arabern hat jetzt auch die finnische Hauptstadt erreicht. Dort findet am 10. und 12. Mai der Eurovision Song Contest statt. Zu den Teilnehmern gehört auch Israel. Zwar liegt der jüdische Staat geografisch in Asien. Da diese Tatsache jedoch bekanntlich vielen seiner Nachbarn ein Dorn im Auge ist, wird Zion musikalisch – wie sportlich auch – zu Europa gezählt.
Push the Button – »Drück’ den Knopf« – heißt der israelische Beitrag zum Schlagerwettbewerb, dargebracht von der Popband Teapacks. Der Knopf, um den es geht, ist der, mit dem Atombomben gezündet werden: »The world is full of terror / If someone makes an error / he’s gonna blow us up« (Die Welt ist voller Terror, wenn jemand einen Fehler macht, jagt er uns in die Luft), heißt es in dem Song. Und weiter: »There are some crazy rulers / They hide and try to fool us« (Es gibt irre Führer, die sich verstecken und uns zum Narren halten wollen.)
Den Eurovisions-Organisatoren gefiel das nicht. Sie glaubten, Anspielungen auf den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad und dessen Nuklearprogramm herauszuhören. »Diese Art von Botschaft ist nicht mit dem Wettbewerb vereinbar«, wurde Kjell Ekholm vom veranstaltenden finnischen Fernsehsender YLE zitiert.
Teapacks-Leadsänger Koby Oz beeilte sich, diese Interpretation zu dementieren. Man habe niemanden Bestimmtes gemeint. Die Song-Contest-Leitung war’s zufrieden. Laut taz erklärte Ekholm, seine Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Israel sei selbstverständlich herzlich in Helsinki willkommen.
Die schlagerinteressierte Öffentlichkeit darf derweil raten, welcher »verrückte Führer« außer Ahmadinedschad noch gemeint sein könnte. Kim Jong Il? George W. Bush? Oder vielleicht gar ein Israeli? Genügend Kandidaten gibt es dort ja. Mehr erfahren wir vielleicht, wenn es am 12. Mai in Helsinki oft genug heißt: »Israel twelve points«. Michael Wuliger

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

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