Düsseldorf

Funkerhelm und Feudel

Wolfgang Dietrich entspricht so gar nicht dem Bild, das man sich von einem israelischen Soldaten macht, der gerade einmal drei Wochen gedient hat. Der Mann ist Protestant, hat keinen israelischen Pass, und ist mit 62 auch nicht mehr ganz jung. Trotzdem schlüpfte der ehemalige Seniorenheimleiter aus Meerbusch bei Düsseldorf für drei Wochen in die olivgrüne Uniform der IDF. Möglich machte das das Freiwilligenprogramm Sar-El, Scherut le Jisra’el, »Dienst für Israel«.
Seine Liebe zu Israel entdeckte Wolfgang Dietrich bereits vor mehr als 30 Jahren. 1977 besuchte er das Land zum ersten Mal, und gleich war es um ihn geschehen. Inzwischen bereiste er den jüdischen Staat sieben Mal. Der Wunsch, nun erstmals ein Volontariat bei der israelischen Armee zu absolvieren, trieb ihn schon lange um. Über das Sar-El-Programm bot sich ihm nun die Möglichkeit.
Er war übrigens nicht einmal der Ältes-
te: Die zehn Mitglieder seiner Gruppe waren zwischen 17 und 70 Jahren alt. »Der Einsatz war für mich ein Türöffner für die Herzen der Israelis und ein Zeichen für meine Solidarität mit Israel, das seit 60 Jahren ums Überleben kämpft«, so Dietrich.
Er erledigte Hilfsarbeiten in einer Funk-Instandhaltungskompanie. Tätigkeiten wie Fiberglashelme samt Funkverbindung zu reparieren gehörten dazu, aber auch Fegen oder Putzen. Für Dietrich kein Problem. »Ich habe so viele interessante Menschen kennengelernt, dass ich überlege, im kommenden Jahr noch einmal mitzumachen«, sagt der Meerbuscher. Eine Waffe trug er nicht. Der Dienst ist generell unbewaffnet. Gesundheitszeugnis, Lebenslauf und ein Referenzschreiben aus dem Heimatort sind die Voraussetzungen für die Teilnahme am Freiwilligen-Programm, das es bereits seit dem Libanonkrieg 1982 gibt.
»Ein Geistlicher musste mich vorher für koscher erklären«, berichtet Dietrich schmunzelnd. Die für ihn zuständige evangelische Pfarrerin stellte ihm das notwendige Dokument aus. Einige seiner Bekannten waren für seine Idee nicht ganz so aufgeschlossen und äußerten ihre Bedenken: Wie könne man nur das israelische Militär unterstützen, sagten sie. »Ich bin kein Pazifist«, entgegnete Dietrich ihnen. Zudem sei das israelische Heer eine Verteidigungsarmee, die nach demokratischen Prinzipien und dem Völkerrecht handele. Anderenfalls hätte er sich niemals für die Teilnahme an dem Camp entschieden.
Sein freiwilliger Dienst ist unbezahlt, lediglich Kost und Logis wurden gestellt. Dietrich war einer von 5.000 ausländischen Freiwilligen, die jährlich an Sar-El-Diens-
ten bei der israelischen Armee teilnehmen.
Der emotionale Höhepunkt sei der letzte Tag gewesen, als der Kommandeur sich für die Arbeit der zehn Helfer aus aller Welt bedankt habe. »Er meinte, ihre Unterstützung sei Balsam für seine Seele gewesen«, erzählt der 62-Jährige. Diese Worte der Dankbarbeit seien wiederum für ihn ein einmaliges Erlebnis gewesen.
In der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf kennt Dietrich mittlerweile einige Mitglieder. Bei Festen oder Diskussionsveranstaltungen ist er gelegentlich zu Gast. Der Vater dreier Kinder versteht sich mittlerweile auch ein bisschen als Botschafter Israels in Deutschland. So verfolgt er das Geschehen rund um den Nahen Osten sehr intensiv. »Die Nachrichten werden überflutet von Negativmeldungen, und es existieren so viele Vorurteile. Dabei ist Israel so ein wunderbares Land«, meint Dietrich. Viele Deutsche hätten zudem Berührungsängste wegen der NS-Vergangenheit. Dietrich ist 1946 geboren, ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. »Ich halte es für unsere Pflicht, ein anderes Deutschland zu präsentieren und Versöhnungsarbeit zu leisten«, sagt er. Bei seinen vielen Besuchen sei ihm das schon oft gelungen.
Gerade die jüngeren Israelis hätten keine Vorbehalte mehr gegenüber Deutschen. »Sie wollen das Ganze hinter sich lassen und ein unbeschwertes Leben genießen.« Er wünsche sich, dass endlich auch Ruhe am Gasa-Streifen einkehren würde. »Ich kenne kein Land auf der Welt, dass sich mehr nach Frieden sehnt als Israel.« Christoph Baumeister und Jan Popp-Sewing

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