Attraktionen

Für Vogelfreunde und Schwindelfreie

von Gil Yaron

Fast mit Wehmut gedenken Jerusalemkenner der zweiten Intifada, als ängstliche Touristen Israel fernblieben und man die Einzigartigkeit dieser Stadt in Ruhe genießen konnte. Die Grabesstille ist vorbei. Jetzt pferchen sich Besuchergruppen wieder in klimatisierte Busse und durchlaufen in Scharen die Wegstationen des heiligen Lands. Sie drängen sich durch die engen Gassen der Jerusalemer Altstadt und schreiten in den Fußstapfen Jesu am See Genezareth entlang. Andere ringen um einen Platz an den Bars von Tel Aviv, stehen Schlange für einen Besuch in Massada oder eine Kur am Toten Meer. 2008 wird voraussichtlich ein Spitzenjahr werden, Israel schreibt Besucherrekordzahlen. »In den ersten drei Monaten dieses Jahres kamen bereits 650.000 Touristen ins Land, 36 Prozent mehr als im Vorjahr«, erzählt Schirah Kaveh, Sprecherin des Tourismusministeriums freudig. Selbst die Anzahl der übervorsichtigen Deutschen hat um mehr als 50 Prozent zugenommen. Wer Israel trotz des Ansturms erleben will, muss nicht unbedingt im Tross der Touristenströme trotten. Das Land ist zwar nur so groß wie Hessen, aber es hat jenseits der bekannten Stätten viele Attraktionen zu bieten, die allein eine Reise wert sind.
Im Süden wartet die Negev-Wüste mit einem Superlativ auf: Rund 200 Kilometer südlich von Tel Aviv befindet sich der größte Krater der Welt, gleichzeitig das größte Naturschutzgebiet Israels: Machtesch Ramon. Er entstand nicht durch Meteoriteneinschlag, sondern durch tektonische Prozesse und Erosion. Die herzförmi- ge, bis zu 500 Metern tiefe Senke stellt für Geologen ein 40 Kilometer langes und neun Kilometer breites Gesteinsparadies dar. Hier finden sich in nächster Nähe einzigartige Formationen, wie ein Berg aus sechseckigen Sandprismen, ein erloschener Vulkan oder eine Felswand, die aus 200 Millionen Jahre alten Ablagerungen verstei- nerter Mollusken besteht. Nicht nur im Frühling, wenn der Boden mit leuchtenden roten Tulpen bedeckt ist, zeigt sich die Wüste hier in voller Farbenpracht: Der Sand ist lila oder bordeauxrot, wo Eisenoxid in hoher Konzentration vorhanden ist, in geringeren Mengen färbt es ihn pink, orange, gelb oder lässt ihn einfach blütenweiß. Die Abgeschiedenheit beschert in den dunklen Nächten einen mit Sternen übersäten Himmel, den man mit bloßem Auge oder von der Sternwarte im Städtchen Mizpe Ramon betrachten kann. Das Gebiet ist gut erschlossen. Bei Tag kann man den Krater und seine Umgebung zu Fuß, auf dem Kamel oder im Geländewagen erkunden, und anschließend die kühlen Nächte beim Lagerfeuer in Beduinenzelten genießen.
Wer nach einer spirituellen Erfahrung der anderen Art sucht, der ist im Norden gut aufgehoben. Dass Israel den drei großen monotheistischen Religionen heilig ist, ist bekannt. Aber auch für eine vierte Religion, den weltweit etwa fünf Millionen Bahai, ist Israel der heiligste Ort auf Erden. Schimmernd erhebt sich der goldene Schrein, in dem einer der Verkünder ihres Glaubens begraben ist, über die blaue Bucht der Hafenstadt Haifa. Rund 1.500 Treppen führen am Carmelberg hinab durch liebevoll gepflegte und makellose Lustgärten, von denen manche meinen, sie seien das 8. Weltwunder.
Israel bietet zwar allerorts erstklassige Hotels, »wer aber das echte Israel erleben will, muss in die ‚Zimmerim‘«, sagt Matan Maschasch, Direktor der größten Webseite für Übernachtungen in israelischen Fremdenzimmern. Zimmerim ist eine Hebräisierung des deutschen Wortes und für Israelis das Schlagwort für Kurzurlaub schlechthin. Einheimische füllen die Mehrheit der mehr als 8.000 Fremdenzimmer aller Preiskategorien, mit denen Dörfer und Kibbuzim das Land übersäen. Der unmittelbare Kontakt zu den Eigentümern der privat geführten Herbergen bietet eine einzigartige Gelegenheit, Israel anders kennenzulernen. Von der spartanischen Berghütte für rund 27 Euro pro Nase bis zum Luxusholzhaus mit eigenem Pool, das pro Nacht mehr als 350 Euro kostet, wird jeder Herzenswunsch erfüllt. »Klimaanlage, ein Jacuzzi und ein ausgiebiges, meist selbst gebackenes Frühstück gehören inzwischen zum Standard«, erläutert Maschasch, der wegen steigender Nachfrage inzwischen auch eine deutsche Webseite (zimmerde.com) eingerichtet hat.
Keine Idee ist zu ausgefallen, um Gäste anzulocken. In der einzigen Kreuzritterfeste in Privathand unweit von Haifa stehen für rund 170 Euro zwei luxuriös eingerichtete Zimmer zur Verfügung. Anderswo suchen Eigentümer Kundschaft mit vierhändigen Massagen, Ayurvedabehandlungen, Bogenschießkursen oder nachgebauten Fiberglashöhlen zu ködern. Auch wenn man hier einfach nur faul ausspannen könnte, ist »Urlaub in den Zimmerim Aktivurlaub«, erklärt Maschasch. Israelis nutzen ihren Aufenthalt für Sport und Spaß. Nördlich vom See Genezareth lassen sich Kajaktouren in rauschenden Bächen buchen. Abseilen, Reitausflüge, Geländewagen- oder Fahrradtouren gehören zu den Lieblingsaktivitäten im grünen Norden. Wer es lieber beschaulich mag, der kann im Hula Nationalpark einen anderen israelischen Superlativ erleben: die kleine Landbrücke zwischen Europa, Asien und Afrika hat im Frühling und Herbst die höchste Vogeldichte der Welt. Ornithologen kommen im Sumpf von Hula voll auf ihre Kosten, wenn mehr als eine halbe Milliarde gefiederte Besucher durch den Himmel ziehen.
Wer trotzdem darauf beharrt, dass Israel ja eigentlich das Land der Bibel ist, und deswegen Altertümer besuchen will, kann in Tzippori bei Nazareth auf einem Mosaikboden einer byzantinischen Villa aus dem dritten Jahrhundert in die sinnlichen Augen der »Mona Lisa aus Galiläa« blicken oder die Überreste der Kreuzfahrerfestung bestaunen. Beim Anblick der jüdischen Stadt aus der Zeit Jesu kann man sich heimlich darüber freuen, dass der römische Eroberer und Zerstörer Tzipporis, der grausame Statthalter Syriens, Publius Quinctilius Varus, samt seiner drei Legionen im Teutoburger Wald von Arminius geschlagen wurde.
Trotz seiner Kompaktheit hat Israel neben den bekannten Attraktionen vieles zu bieten. Israelkenner sind also selbst im Tourismusrekordjahr 2008 vielleicht nur am Flughafen dazu gezwungen, auf Reisegruppen zu treffen.

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026