Koren-Siddur

Für Israel und Diaspora

Als Schimon Peres 2007 in sein Amt eingeführt wurde, legte er seine Hand auf eine Bibelausgabe des Koren‐Verlages. 1964 war dieser Tanach in Jerusalem erschienen und stellte einen Meilenstein dar. Elijahu Ko‐
ren, der 1907 in Nürnberg als Elijahu Korngold geboren wurde, schuf für sein Werk unverwechselbare Schrifttypen mit hoher Lesbarkeit. Auch mit einem Gebetbuch (Siddur) beschritt Koren 1981 neue Wege. Nicht nur durch eine klare, neue Schrift, sondern vor allem durch die Vermeidung langer Textblöcke. Er fügte Zeilenumbrüche ein, visualisierte Zusammenhänge und gab so den Gebeten Zeile für Zeile eine zusätzliche Bedeutung.
Obwohl in Israel ungeschlagen populär, schaffte es der Siddur nur vereinzelt in die Diaspora. Das dürfte nun anders werden. Denn jetzt gibt es den Siddur auch mit englischer Übersetzung. Die ersten Exemplare wurden Ende Mai ausgeliefert.
Die »Orthodox Union«, die große orthodoxe Dachorganisation in den USA, hat die Übersetzung des populären Gebetbuches ins Englische unterstützt und empfiehlt sie nun ihren Mitgliedsgemeinden. Die klare und verständliche Übersetzung fertigte der britische Oberrabbiner, Sir Jonathan Sacks, und lieferte gleich noch zu vielen Gebeten einen Kommentar mit. Eine ausführliche Einleitung in die Welt des jüdischen Ge‐
bets aus seiner Feder wurde ebenfalls hinzugefügt. Darin beschäftigt er sich unter anderem mit der Frage, ob Gebete auch beantwortet werden, oder wie das tägliche Gebet strukturiert ist. Ein anderer Beitrag widmet sich der Bedeutung der verschiedenen Namen Gottes.
Die aschkenasische Ordnung des Siddurs wurde zusätzlich ergänzt durch Gebete für den Staat Israel und dem Staat, in dem der Beter lebt. Auch sind Segenssprüche für die israelische Armee, für Gefangene oder auch für eine Hauseinweihung enthalten. Gebetsordnungen für den Unab‐
hängigkeitstag oder den Jom Hasikaron (Gedenktag) sind ebenfalls darin zu finden. So schließt nun dieses Gebetbuch eine Lü‐cke zwischen Diaspora und dem Land Is‐
rael. Für Reisende nach Israel gibt es einen speziellen Teil mit Halachot. Was muss dort beachtet werden? Wie soll man sich verhalten, angesichts der Tatsache, dass einige Feste außerhalb Israels zwei Tage dauern, aber in Israel nur einen?
Im Anhang findet der Beter einen Blick auf das jüdische Jahr mit Erläuterungen zu den einzelnen Monaten. Abgerundet wird dieser äußerst vollständige Siddur durch eine Tabelle von Textvarianten verschiedener halachischer Autoritäten.
Da die 1280 Seiten auf cremefarbenem Dünndruckpapier ausgeliefert werden, bedeutet der Umfang nicht zugleich ein riesiges Gewicht oder großes Format. Mit Sicherheit wird das neue Gebetbuch zum Standard‐Siddur des englischsprachigen Teils der jüdischen Welt. Und wird min‐
destens genau so bekannt wie Elijahu Ko‐
rens bekannteste Schöpfung von 1949, das Stadtwappen von Jerusalem. Chajm Guski

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