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Gemeinderabbinerin

Für die Beter

Risto Tähtinen geht im Flur im Gemeindehaus an der Fasanenstraße hin und her. Immer wieder schaut er in Richtung Tür, hinter der die Repräsentanten in einer geschlossenen Sitzung diskutieren. »Ich hoffe, dass Gesa Ederberg die Stelle bekommt und bei uns Rabbinerin wird«, murmelt das Vorstandsmitglied der Synagoge Oranienburger Straße. Alle Gabbaim des Gotteshauses hätten sich für die 38-Jährige ausgesprochen, meint er. Er muss noch lange warten, bis eine Entscheidung bekannt gegeben wird. Doch dann ist es offiziell: mit zwölf Ja-Stimmen votieren die Gemeindevertreter am Mittwoch vergangener Woche für die Rabbinerin. Die Stelle ist erst einmal auf zwei Jahre befristet.
»Ich bin natürlich sehr glücklich, dass sich viele der Repräsentanten für mich entschieden haben«, sagt Gesa Ederberg. Sie wird den egalitären Gottesdienst der Synagoge weiterführen. Vor allem junge Familien möchte sie an der Oranienburger Straße erreichen. Sie will Kindergottesdienste einführen, aber auch Jugendliche und junge Erwachsene sollen sich angesprochen fühlen und es soll ein sozialer Ort für Beter entstehen. In einem speziellen Unterricht sollen Gottesdienstthemen wie Ethik und Halacha erarbeitet werden.
Seit den Hohen Feiertagen amtiert die Rabbinerin bereits in der Synagoge, allerdings auf Honorarbasis. Zwischen 30 bis 80 Beter kämen regelmäßig, meint Ederberg. Im September hatte die Jüdische Gemeinde zu Berlin die halbe Rabbinerstelle ausgeschrieben und sie sei die einzige Bewerberin gewesen, sagt die 38-Jährige.
Gesa Ederberg wuchs in einem protestantischen Elternhaus auf, sie konvertierte vor 15 Jahren zum Judentum. In Tübingen fing sie nach dem Abitur ein Physikstudium an, es folgten Theologie und schließlich Judaistik. Am konservativen Schechter-Institut in Jerusalem studiert die Mutter von Zwillingen schließlich vier Jahre lang und erhielt 2002 erhält ihre Ordination.
Nach Deutschland zurückgekehrt erhielt sie eine Stelle in der oberpfälzischen Gemeinde Weiden – als zweite Rabbinerin in Deutschland. »Schweren Herzens« hat sie dort inzwischen gekündigt. »Es war wegen der Entfernung doch keine Dauerlösung«, sagt Ederberg.
Als Geschäftsführerin für Masorti Berlin wird sie weiterhin tätig sein. Den Verein zur Förderung der jüdischen Bildung und des jüdischen Lebens hat sie in dieser Stadt mit aufgebaut.
»Sie ist die erste Rabbinerin in der Jüdischen Gemeinde Berlins seit Regina Jonas, also seit über 60 Jahren«, sagt Benno Bleiberg, Mitglied des Gemeindeparlaments und Gabbai am Fraenkelufer. Er begrüßt die Einstellung von Gesa Ederberg. »Aber für die Synagogen Fraenkelufer und Rykestraße wird es nun noch schwieriger, einen Rabbiner zu finden, da es ja nur noch um eine halbe Stelle geht«, glaubt er. »Eine Rabbinerin oder eine Kantorin sind für uns indiskutabel«, sagt Renate Israel, ehemaliges Vorstandsmitglied Synagoge Rykestraße. Sie seien da konservativer als in der Oranienburger Straße. Aber ein Kandidat sei für die Beterschaft Rykestraße nicht in Sicht, bedauert sie. Christine Schmitt

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