Irritationen

Fünf Minuten mit Michael Fürst über die Irritationen eines Gedenkens in Burgwedel

Herr Fürst, um das Denkmal zur Erinnerung an die Kriegs- und Verfolgungsopfer in Burgwedel gab es im Vorfeld viele Irritationen. Was war das Problem?
Da wurde einiges von den Medien falsch dargestellt. Die Burgwedeler wollten ihrer gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs gedenken. Eine Gruppe im Rat der Gemeinde, insbesondere des Ratsherr Rudi Gutte, hielt es für notwendig, auch der Opfer der Verfolgung zu gedenken: Juden, Sinti, Roma sowie Euthanasieopfer und bat den Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen um Unterstützung. Die Diskussion innerhalb des Rates gestaltete sich etwas zäh, aber schließlich entschied man sich für ein gemeinsames Mahnmal. Zwei Stelen, wie ein Tor angeordnet, rechts eine Tafel mit den Namen der gefallenen Soldaten, links namentlich die Personen der anderen Gruppen.

Was hat denn die Sache eskalieren lassen?
Scheinbar gefiel das nicht allen. Wir wollten daher die Debatte positiv begleiten und luden eine Gruppe von Schülern aus Burgwedel, Bürger, Lehrer und Mitglieder des Rates zu uns ein. In dem Zusammenhang kam die aus meiner Sicht theoretische Frage auf, was ist, wenn unter den Soldaten SS-Leute sind. Da habe ich gesagt: »Dann wird es kritisch, aber das muss zunächst einmal genauer aufgeklärt werden.«

Es zeigte sich, dass tatsächlich Namen von SS-Leuten auf der Gedenkliste stehen. Wie reagierten Sie da?
Bürgermeister Hendrik Hoppenstedt bat um ein Gespräch und machte deutlich, dass vermutlich SS-Leute unter den Gefallenen seien. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, man habe diverse Stellen angeschrieben, um das näher aufzuklären. Wir haben diskutiert und es war klar, dass dies ein ernsthaftes Problem für uns ist. Der Bürgermeister war aber davon überzeugt, dass es bezüglich dieser Personen keine konkrete Schuldzuweisung geben würde. Aber auch dem gehe man weiter nach. Lassen Sie mich in dem Zusammenhang darauf hinweisen, dass eine Vielzahl von jungen Männern in den letzten Kriegsmonaten in die Waffen-SS gepresst wurden und sich dagegen nicht wehren konnten.

Wann haben Sie gesagt: »Da machen wir nicht mit«?
Als mir Bürgermeister Hoppenstedt später berichtete, dass eine weitere Aufklärung der Personen nicht möglich sei. Wir ha-
ben dann im Vorstand entschieden: Wenn sich keine weiteren Erkenntnisse ergeben, dann können die Burgwedeler Juden nicht mit auf das Denkmal mit den Burgwedeler Soldaten. Das habe ich dem Bürgermeister geschrieben, aber auch, dass der Landesverband es hoch anerkennt, dass sich die Stadt sehr nachhaltig bemüht habe, auch eine unbequeme Wahrheit zu recherchieren.
Waren denn die fünf SS-Leute wirklich so unschuldig?
Offensichtlich hat sich jetzt bei zwei der betroffenen SS-Männer herausgestellt, dass sie wohl doch zu Einheiten zählen, denen man konkrete Verbrechen nachweisen kann. Das ist aber noch nicht geklärt. .

Was geschieht jetzt weiter?
Ich bin mir sicher, dass die Stadt Burgwedel und namentlich Bürgermeister Hendrik Hoppenstedt über eine seriöse Lösung nachdenken werden, insbesondere auch, wie sie zukünftig der jüdischen Opfer gedenken wollen. Darüber hinaus gibt es in Burgwedel schon seit vielen Jahren das Gedenken an einen einzelnen jüdischen Bürger in Form eines Straßennamens, die Straße, die nach Dr. David benannt ist. Sie liegt ganz zentral im Ort.

Mit dem Landesverbandsvorsitzenden von Niedersachsen sprach Heide Sobotka.

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert