Walther Rothschild

»Freiheit hat Nachteile«

Herr Rabbiner, Sie sind Freiberufler. Wenn an den Hohen Feiertagen die Nachfrage nach Synagogenpersonal größer wird, steigt dann Ihr Honorar?
Es ist bei einem Rabbiner nicht anders als bei Klempnern oder Tischlern: Man muss in guten Zeiten genug verdienen, um auch durch schlechte zu kommen.

Sie betreuen zehn Gemeinden in Deutschland und Österreich. Wie werden Sie dieser Aufgabe an den Hohen Feiertagen gerecht?
Man kann es nicht. Ich versuche, jedes Jahr abwechselnd an Rosch Haschana und Jom Kippur entweder in Schleswig-Holstein oder in Wien zu sein. Das sind die Gemeinden, für die ich die größte Verantwortung trage.

Und die anderen?
Die kann ich an den Hohen Feiertagen nicht betreuen. Es sind kleine Gruppen, und sie haben kein Geld. Aber bei Gescher LaMassoret in Köln zum Beispiel gibt es Leute, die den Gottesdienst leiten können. Für die anderen Gemeinden kann ich ab und zu Hilfe finden. Aber es bleibt ein Problem und eine Sorge.

Streiten sich die Gemeinden um Sie?
Nein, aber sie sind neidisch. Sie wissen, dass ich so viel wie möglich tue und hart arbeite. Wenn es nötig ist, bin ich am Schabbat oder an Festen einen Tag in der einen Gemeinde und den nächsten in einer anderen.

Das ist mit der Halacha vereinbar?
Deswegen bin ich liberaler Rabbiner. Es ist nicht ideal, an diesen Tagen zu reisen, aber wenn es nötig ist, um den Menschen und dem Herrn zu dienen, dann tue ich es.

Sie sind vor allem mit der Bahn unterwegs. Wie nutzen Sie die Stunden im Zug?
Ich lese viel und schreibe Artikel, Geschichten, Predigten, Gedichte. Und ich übersetze.

Für Reisebekanntschaften bleibt da keine Zeit.
Nein, nur wenn sie hübsch sind.

Wie wirkt sich das Reisen auf Ihr Familienleben aus?
Das ist ein Problem. Ich habe nur noch eine Tochter zu Hause. An den Hohen Feiertagen versuche ich, sie mitzunehmen. Aber der Zustand ist nicht ideal. Rabbiner predigen immer, wie wichtig Familie und Schabbat sind – und selbst haben sie dafür keine Zeit.

Dem Beruf des Wanderrabbiners wird eine große Zukunft vorausgesagt, denn etliche Gemeinden schrumpfen. Was empfehlen Sie Kollegen, die den Schritt in die Freiberuflichkeit wagen?
Sie sollten sich reiche Ehepartner suchen, denn Freiheit bringt manchmal finanzielle Sorgen. Ein Rabbiner muss – egal, ob er orthodox ist oder liberal – frei denken und predigen können. Ich bin froh, nicht von einem einzelnen Gemeindevorstand abhängig zu sein. Diese Freiheit hat Nachteile, aber ich genieße sie, denn ich habe erlebt, wie es ist, angestellt zu sein.

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026