Glosse

Fred, der Hummer

Jedesmal wenn bei meinem Cousin Schlomzi Nachwuchs eintrifft, schmeißt er einen rauschenden Kiddusch mit gepumptem Geld von seinen Schwiegereltern. Aber diesmal, Baby Nummer 5, ist alles anders. Die Zeiten sind hart, Schlomzi ist total in den Miesen, und seine Schwiegereltern haben Konkurs angemeldet. Auf der Suche nach einer alternativen billigen Location hatte Schlomzi die Idee, die Fete im Kindergarten seiner Jüngsten abzuhalten: dem koscheren makrobiotischen Montessori-Kindergarten »Kürbiskern« in Köln-Sülz. Schlomzi bekam die Räumlichkeiten unter der Bedingung: bitte strikt makrobiotisches Catering. Außerdem müssen die Kinder- gartenkinder zur Simche eingeladen werden und auch Schula, die Kindergärtnerin, die sie betreut.
Vorsorglich habe ich am Tag X ein paar Müsliriegel gegen den kleinen Hunger in der Handtasche, denn makrobiotisch ist nicht so meins. Ich klingele, und Schula öffnet mir die Tür. Aus den Räumen hinter ihr dringt Stimmengewirr und Schafblöken. Ich glaube zu halluzinieren, aber Schula klärt mich auf, dass der Kindergarten zur Erbauung der Kids eine kleine Schafherde hält, außerdem ein paar Kaninchen und einen abgerichteten Truthahn.
Ich schiebe einige Schafe beiseite und kämpfe mich zu Cousin Schlomzi und dem Baby vor. »Masal Tov« schreie ich. Es ist schwierig, sich über dem lauten Blöken verständlich zu machen. »Nimm dir was zu essen, das Buffet ist nebenan«, brüllt Schlomzi. Im Nebenraum wird mir die Sicht durch einen monumentalen Heuhaufen verstellt. »Hier halten die Kinder ihren Nachmittagsschlaf, ganz natürlich und im Einklang mit der Natur«, erklärt mir Schula.
Aus dem Heu kullern ein paar kichernde Kleinkinder und knabbern an Gemüsemuffins, die sie vom Buffet an der Heuhaufenrückseite geklaut haben. Das Buffet bietet auch noch Grünkernbratlinge, Sauerampfer-Semmeln und Wirsingrouladen. Leider nichts für mich dabei. »Vielleicht ein Glas warmen Bio-Sauerkraut- saft?«, flötet Schula. Ein Trupp Kinder rennt brüllend vorbei, vor ihnen her der völlig hysterische Truthahn, der einem Hagel von Gemüsebratlingen zu entkommen versucht.
Erschöpft setze ich mich auf einen Heuballen. Ich schnuppere. Irgendwie riecht es fischig. Ein pickliger kleiner Junge baut sich vor mir auf, in den Armen hält er einen Riesenhummer, der mit einer roten Samtschleife geschmückt ist. »Das ist Fred«, lispelt der Junge. »Er ist mir zugelaufen. Willst du ihn mal streicheln?« Frustriert klappert Fred mit seinen Hummerscheren.
Blitzschnell fasse ich einen Entschluss: Fred und ich, wir müssen diesem makrobiotischen Wahnsinn so schnell wie möglich entkommen. Ich schnappe den Hummer, schiebe das wild aufheulende Gör beiseite und hechte mit ihm unter dem Arm zum Ausgang. Erst ein paar Straßen weiter am nächsten Fischgeschäft mache ich halt, lasse Fred unauffällig in das Hummerbecken gleiten und bestelle einen Fischmäc mit Mayo und Pommes, rot-weiß, fettig triefend – und garantiert nicht makrobiotisch. Tamara Goldstein

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026

Reisen

Lufthansa setzt weiterhin viele Nahost-Flüge aus

Flüge nach Tel Aviv, Teheran und in andere Städte bleiben ausgesetzt. Lufthansa reagiert weiter auf die Lage im Nahen Osten – Charterflüge für Rückholaktionen laufen jedoch weiter.

 09.03.2026

Südlibanon

Zwei israelische Soldaten bei Hisbollah-Angriff getötet

Nach einer vorläufigen Untersuchung der israelischen Armee begann der Vorfall, als ein Panzer während eines Einsatzes stecken blieb

 08.03.2026

Washington

USA intervenieren gegen mögliche Russland-Hilfe für den Iran

Sondergesandter Steve Witkoff kritisiert Moskau dafür, dass es Teheran im Krieg zu unterstützen scheint

 08.03.2026

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026