Arabische Liga

Feind des Feindes

von Wladimir Struminski

Als Israel und Syrien vor sieben Jahren über einen Friedensvertrag verhandelten, machte in Damaskus ein Witz die Runde. Einem syrischen Soldaten erscheint im Traum sein 1973 im Jom-Kippur-Krieg gefallener Vater und fragt: »Mein Sohn, haben wir Israel schon besiegt?« »Nein, Vater«, erwidert der junge Mann. »Wir bereiten Israels Aufnahme in die Arabische Liga vor«.
So weit ist es noch nicht, doch entsendet die Arabische Liga nächste Woche erstmals eine offizielle Delegation in den jüdischen Staat: Als Vertreter der Liga wollen die Außenminister Ägyptens und Jordaniens mit ihren Gastgebern über die saudi-arabische Initiative für eine volle Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und der arabischen Welt beraten. Der saudische Vorstoß – 2002 von der Arabischen Liga übernommen – lag fünf Jahre lang in der Schublade. Jetzt hat ihn die Liga neu aufgelegt.
Dass es gleich beim ersten Kontakt zu einem Durchbruch kommen wird, ist nicht zu erwarten. Dafür liegen die Ausgangspositionen der beiden Seiten zu weit auseinander. Als Gegenleistung für eine offizielle Beendigung des Nahostkonflikts und die Schließung von Friedensverträgen fordert die arabische Seite von Israel nicht nur den Rückzug aus allen 1967 besetzten Gebieten, sondern auch eine »gerechte Lösung des palästinensischen Flüchtlingsproblems im Einklang mit der Resolution der UN-Generalversammlung Nr. 194«. Letzteres ist eine Umschreibung für das geforderte Recht der Palästinaflüchtlinge von 1948/49 und ihrer Nachfahren, sich in Israel niederzulassen. Damit läge die Zahl der Zuwanderungsberechtigten je nach Schätzung zwischen vier und sechs Millionen Menschen. Darüber kann Israel nicht ernsthaft verhandeln.
Allerdings, meint der Arabienexperte Mordechai Kedar von der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan, können Israel und die arabischen Staaten ihre Beziehungen auch ohne einen vollen Friedensschluss auf eine neue Grundlage stellen. Der Grund, glaubt Kedar, ist die seit dem letztjährigen Libanonkrieg gestiegene Angst der arabischen Welt vor dem Iran. »Die iranische Führung«, sagt der Forscher, »will die arabischen Staaten unterminieren und ihren eigenen Einfluss ausbauen. Vor diesem Hintergrund erscheint Israel den Arabern als das kleinere Übel.« Kedar hält eine sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Israel und arabischen Staaten bei der Eindämmung der iranischen Bedrohung sowie der Bekämpfung der Hisbollah und der Hamas für denkbar.
Allerdings braucht die arabische Welt dafür zur Gesichtswahrung eine wenigstens annähernde Verständigung zwischen Israel und der palästinensischen Nationalbehörde (PNA). Eine Möglichkeit zu einer solchen Zwischenlösung wäre laut Kedar die Aufwertung der PNA und die Ausrufung palästinensischer Souveränität in Teilen der Westbank. Jerusalem hofft, so ein Sprecher des Außenministeriums, dass die Arabische Liga bei dem angestrebten israelisch-palästinensischen Ausgleich behilflich sein kann.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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