Alon Liel

»Es gibt keine Extrawurst«

Herr Liel, Fußballvereine gibt es viele, auch in Israel. Was ist in Ihrem Klub anders?
liel: Wir haben vor sechs Jahren die Idee gehabt, einen jüdisch-arabischen Fußballverein zu gründen. Also nicht einen jüdischen Klub, in dem auch Araber mitspielen oder einen arabischen, bei dem Juden kicken. Sondern einen Verein, in dem beide Religionsgruppen, Juden wie Muslime, völlig gleichberechtigt auf dem Platz und in der Vorstands- arbeit zusammenspielen.

Und das funktioniert?
liel: Ja, nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft es wirklich gut. Natürlich gab es zunächst Widerstände. Sowohl in der arabischen Kleinstadt Abu Gosch wie auch bei uns in Mevasseret Zion.

Und was hatten beide gemeinsam?
liel: Wir waren zwei ziemlich schlechte Fußballteams. Die Araber spielten in der sechsten Liga, wir in der vierten. Also taten wir uns zusammen. Es konnte ja nur besser werden. Jetzt kicken wir immerhin schon drittklassig.
Die Koexistenz von Juden und Arabern ist zumindest sportlich ein voller Erfolg.
liel: Ich hoffe, nicht nur da. Wir selbst begreifen uns als ein Modell, das funktioniert. Vielleicht sogar als ein Gegenmodell zur politischen Stimmung, die gerade in unserem Land herrscht und von Außenminister Avigdor Lieberman vertreten wird.
Inwiefern?
liel: Er schürt ja die Idee der Separation. Also die Ideologie, dass Araber und Juden nicht zusammen in einem Staat leben können und dürfen. Wir beweisen mit unserem Verein genau das Gegenteil. Es sollten 100 solcher Vereine in Israel gegründet werden, um diesen aktuellen politischen Unfug zu stoppen.

Sie sind also ein politischer Verein, der Fußball spielt?
liel: Nein, von unserem Selbstverständnis her ist er das nicht. Auch wenn natürlich in Israel irgendwie alles Politik ist, auch der Fußball.

Was ist bisher Ihr größter Erfolg?
liel: Mittlerweile werden wir als ein ganz normaler Fußballverein wahrgenommen. In unserer Mannschaft gilt nur das, was überall im Fußball gilt: Bist du gut, dann stehst due auf dem Platz und spielst. Da zählt keine Religion, nur die Leistung und der Sieg. Auch der israelische Fußballverband behandelt uns nicht anders als andere. Da gibt es keine Extrawurst!
Wie sind die Reaktionen, wenn Ihr Verein auswärts antritt?
liel: Es gibt kaum noch welche. Die Zuschauer akzeptieren uns, wo immer wir spielen. Egal, ob im Süden oder Norden unseres Landes.

Welchen Einfluss hat das Team auf die Beziehung der Nachbarstädte Abu Gosch und Mevasseret Zion?
liel: Die ohnehin traditionell gute Nachbarschaft wurde mit der Gründung eines gemeinsamen Vereins noch deutlich gestärkt. Wir spielen nun in einem Stadion, das Araber wie Juden gleichermaßen als ihr Stadion ansehen und in das sie gerne gehen. Es gibt Freundschaften über den Sport hinaus. Alles ist viel entspannter als anderswo in Israel. Wir planen nun sogar eine gemeinsame Wasserversorgung für unsere beiden Orte. Ich glaube, dass das überhaupt so ohne Probleme funktioniert, hat auch etwas mit Fußball zu tun.

Mit dem Präsidenten des FC Hapoel Abu Gosch – Mevasseret Zion sprach Torsten Haselbauer.

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