Zuwanderung

Einmal Charkow-München einfach

von Jessica Jacoby

Die Vergangenheit ist ein fremdes Land: Der Titel ist ein wenig kryptisch, aber Janusch Kozminskis und Daniel Targowniks Dokumentarfilm über die Einwanderung russischer Juden nach Deutschland kann man eines nicht vorwerfen – Undeutlichkeit. Die Protagonisten, drei einzelne Männer und zwei Familien, stammen aus der ukrainischen Stadt Charkow. Einige von ihnen leben in München, andere wollen dorthin. Das ist nicht mehr so einfach, wie eine junge Frau zu berichten weiß, die zu ihrer in Bayern lebenden Schwester ziehen möchte. Weil die beiden zwar einen jüdischen Vater, aber eine nichtjüdische Mutter haben, können sie nicht Gemeindemitglieder werden, für das deutsche Auswärtige Amt ein willkommener Grund, die Einwanderungserlaubnis zu verweigern
Solche und andere Hintergründe erläutern die üblichen Experten: Charlotte Knobloch, Michael Wolffsohn, Micha Brumlik, ergänzt durch einen orthodoxen Rabbiner und eine Vertreterin des Auswärtigen Amtes, deren Aufgabe es ist, die Anträge einwanderungswilliger Juden zu prüfen.
Die Filmemacher stehen klar auf der Seite ihrer Protagonisten. Sie machen klar, das Helmuth Kohls Bereitschaft, nach 1989 Juden aus der UdSSR als Kontin-gentflüchtlinge ins Land zu lassen, primär eine PR-Maßnahme war, um internationale Bedenken angesichts der Wiedervereinigung zu zerstreuen. Dieses Ziel ist erreicht, jetzt kann man wieder restriktiver werden.
Der Film versucht auch eine ernsthafte Annäherung an das komplexe Thema jüdischer Identitätsentwürfe im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen, Erwar- tungen und Mentalitäten. Die Enttäuschung in den Gemeinden über mangelndes religiöses Engagement der Mitglieder – wobei allerdings nur orthodoxe Meinungen zu Wort kommen – steht gegen ein kulturell geprägtes, manchmal elitäres Selbstbewusstsein der Zuwanderer.
So inhaltlich interessant die Dokumentation ist: Das Filmmaterial wird nicht gerade visuell überwältigend präsentiert, um es einmal wohlwollend auszudrücken. Als auf die Leinwand projizierte DVD ist der Film, der in ausgewählten Programmkinos zu sehen ist, eher eine Zumutung. Für den Fernsehbildschirm ist er gerade noch akzeptabel. Dort wird er auch später einmal zu sehen sein, leider nur im History Channel, für eine Minderheit der TV-Zuschauer mit Zugang zu kostenpflichtigen Satellitenprogrammen.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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