Matthias Platzeck

»Ein Stück Verpflichtung«

Matthias Platzeck ist am Freitagabend von einem Besuch in Israel zurückgekehrt. Bei dem dreitägigen Aufenthalt hat er eine Baumspende – den Erlös eines in Potsdam gemeinsam mit dem Jüdischen Nationalfonds, KKL, veranstalteten Benefizkonzertes – übergeben und den Brandenburg-Wald in der Negev-Wüste eingeweiht. In Tel Aviv eröffnete er eine Fotoausstellung des Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrums. Bereits im April 2007 war er als erster brandenburgischer Ministerpräsi-
dent nach Israel gereist.

Herr Ministerpräsident, bei der Übergabe der Baumspende haben Sie gesagt, dass es nichts Friedlicheres gibt, als Bäume zu pflanzen. Der Brandenburg-Wald liegt in der Nähe von Sderot und damit weit vom Frieden entfernt. Haben Sie das gespürt?
platzeck: Selbstverständlich. Gleichwohl hat zum Beispiel der Bürgermeister der Gemeinde, in der wir die Baumspende übergeben haben, in seiner Rede darauf verwiesen, dass er freundschaftliche Beziehungen zu Kollegen in Hebron und im Gasastreifen hat. Wir haben ihn darin bestärkt, diese Beziehungen auf kommunaler Ebene zu leben und auszubauen. Ich habe ihm deshalb auch erzählt, dass ich in Potsdam direkt an der Mauer groß geworden bin. 35 Jahre habe ich hinter der Glienicker Brücke gewohnt. Auch bei mir galt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. 1988 noch hätte niemand daran gedacht, dass sich diese scheinbar ewige Situation ändern ließe. Also wenn Menschen etwas wirklich wollen, gibt es irgendwie einen Weg.

Mit Ihrer Reise, wollten Sie »den Willen zur Unterstützung für den Frieden in der gesamten Region zum Ausdruck bringen«. Wie kann die Unterstützung konkret aussehen?
platzeck: Alles, was dazu führt, Israel und Palästina enger in die Weltgemeinschaft einzubinden, wird für mehr Stabilität sorgen. Auch Wissenschaft, Bildung oder Tourismus können dabei Katalysatoren sein. Weil damit auch Austausch verbunden ist, die Diskussion und der Austausch unterschiedlicher Sichtweisen und das Kennenlernen. Auch deshalb werbe ich für Schulpartnerschaften . Und wir versuchen, das habe ich auch im Gespräch mit Außenministerin Livni getan, immer und immer wieder dafür zu werben, im Vorantreiben des Friedensprozesses nicht nachzulassen, so schwierig und kompliziert es auch ist. Auch wenn es Rückschläge gibt, muss immer wieder der Versuch gemacht werden. Für meine Begriffe ist das alternativlos.

Sie sagen, dass sich gerade auch junge Menschen in Brandenburg für jüdisches Leben interessieren. Die Tatsache, dass die Fotoausstellung in Tel Aviv von zwei Potsdamer Studenten zusammengestellt wurde, sei Beleg dafür. Wie kann man das Interesse noch stärken?
platzeck: Zum einen versuche ich – auch als Vizevorsitzender der deutschen Sektion der Jerusalem-Foundation –, insbesondere die Menschen in Ostdeutschland für Israel unddie Probleme, die es hier gibt, zu sensibilisieren. In den vergangenen Jahren habe ich wahrgenommen, dass das Interesse in dieser Hinsicht, sagen wir einmal ‚noch ausbaufähig‘ ist. Das hat auch historische Gründe in der Geschichte der letzten vierzig, fünfzig Jahre. Mich leitet ein Stück Verpflichtung, weil ich denke, die damit zusammenhängende Gesamtverantwortung gilt für Ost- und für Westdeutschland. Ich freue mich deshalb, dass insbesondere von der Universität Potsdam ausgehend immer mehr junge Leute In-
teresse haben, sich in den Austausch einzubringen und Kontakte zu suchen. Die Fotoausstellung ist ein guter Beleg.

Sie haben in Tel Aviv auch gesagt, dass man in Brandenburg auf dem besten We-
ge sei, dass jüdisches Leben wieder zum Alltag gehört. Können Sie das guten Ge-
wissens für ein Bundesland behaupten, das noch nicht einmal über eine Synagoge verfügt?
platzeck: Ja, denn wir sind fest entschlossen, bis 2011 eine Synagoge in Potsdam fertigzustellen. Sie soll Mittelpunkt jüdischen Lebens werden, auch als Begegnungszentrum für Ju-
den und Nichtjuden. Der Besuch in Israel hat mich noch einmal darin bestärkt, dass dieses Projekt wichtig und richtig ist. Und ich denke, dass wir in den vergangenen Monaten der Realisierung schon ein ganzes Stück nähergekommen sind. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden.

Das Gespräch führte Detlef David Kauschke.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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