Reiseführer

Ein Haus in 34 Paketen

Diese 160 Seiten machen neugierig. Ob Kupferhäuser aus Eberswalde, die in 34 Paketen nach Israel verschickt wurden, ein Bootshaus in Grünau oder die Israelitische Erziehungsanstalt in Beelitz – das Buch informiert so übersichtlich und interessant über jüdische Schauplätze seit dem 13. Jahr-hundert in den Randgebieten Berlins und im Land Brandenburg, dass man am liebsten gleich losfahren möchte, um sich »Jü-
disches im Grünen«, so der Titel des Buches von Judith Kessler und Lara Dämmig, an-
zusehen.
Beispielsweise in Eberswalde, wo es neben mehreren Synagogen, Friedhöfen auch das Messingwerk der jüdischen Familie Hirsch gegeben hat. Die Familie experimentierte mit Kupferhäusern, die innerhalb 24 Stunden aufgebaut werden konnten. Durch die Auswanderung deutscher Juden in der NS-Zeit nach Palästina stieg dort der Bedarf nach Wohnraum an und ebenso das Interesse an Fertighäusern. Die Kupferhäuser wurden daraufhin unter Namen wie »Haifa«, »Jerusalem« oder »Sharon« angeboten. »Haifa« ließ sich in 34 Paketen verpa-cken. 1933 waren die Häuser in Israel fertig und konnten bezogen werden. Die Kupferhäuser in Eberswalde sind heute noch bewohnt.
Das Bootshaus »Undine« hingegen steht bis heute als Ruine ungenutzt am Ufer der Dahme in Grünau. 1914 wurde das Gebäude des jüdischen Rudervereins eingeweiht, 1938 wurde der Club aufgelöst und die SA nahm das Gebäude in Besitz. Ein paar Straßen weiter ist das Grünauer Wassersportmuseum untergebracht, in dem dem jüdischen Rudersport eine Vitrine gewidmet ist. 1920 gab es in Köpenick und Treptow mehr als 70 Ruderklubs, darunter etwa zwölf jüdische mit über 800 Mitgliedern.
Doch nicht nur Bauwerke beschreiben die Autorinnen, auch auf Schicksale gehen sie ein, wie auf das von Sally Bein, dem Leiter der »Israelitischen Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder«. Er hatte einen neuen pädagogischen Ansatz – auf jedes Kind soll individuell eingegangen werden. Sally Bein wurde mit seiner Familie und seinen Zöglingen deportiert. Seit 1997 trägt das Gymnasium seinen Namen.
Detailliert beschreiben die Autorinnen die Schauplätze. Ebenso haben sie die 21 Ortschaften um Geschichten, Adressen und Anfahrtspläne ergänzt. Dabei beschränken sie sich nicht auf jüdische Friedhöfe und Gedenkstätten. Sie zeigen auch das Neben- und Miteinander von Juden und Christen – so der Perleberger Judenhof – oder die Verfolgung der Juden im Mittelalter am Beispiel der Wunderblutkapelle in Beelitz. Christine Schmitt

Judith Kessler/Lara Dämmig: »Jüdisches im Grünen. Ausflugsziele im Berliner Umland.« Hentrich und Hentrich 2007. 19,80 Euro.

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026

Reisen

Lufthansa setzt weiterhin viele Nahost-Flüge aus

Flüge nach Tel Aviv, Teheran und in andere Städte bleiben ausgesetzt. Lufthansa reagiert weiter auf die Lage im Nahen Osten – Charterflüge für Rückholaktionen laufen jedoch weiter.

 09.03.2026

Südlibanon

Zwei israelische Soldaten bei Hisbollah-Angriff getötet

Nach einer vorläufigen Untersuchung der israelischen Armee begann der Vorfall, als ein Panzer während eines Einsatzes stecken blieb

 08.03.2026

Washington

USA intervenieren gegen mögliche Russland-Hilfe für den Iran

Sondergesandter Steve Witkoff kritisiert Moskau dafür, dass es Teheran im Krieg zu unterstützen scheint

 08.03.2026

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026