Chanukka

Ein Fest an vielen Orten

von Miryam Gümbel

Acht Tage lang gedachten die Mitglieder der Münchner Kultusgemeinde in vielfältiger Weise des Wunders von Chanukka, verbunden mit der Hoffnung auf eine gute Zukunft. Gemeindepräsidentin Charlotte Knobloch hatte bei dem Fest am Jakobsplatz dem seit zehn Jahren regelmäßig anwesenden Münchner Oberbürgermeister Christian Ude noch einmal für sein Engagement beim Entstehen des neuen Gemeindezentrums gedankt. Die Münchner haben es mit inzwischen über 60.000 Teilnehmern bei Führungen durch die Ohel Jakob Synagoge begeistert angenommen. Das gewachsene Interesse am jüdischen Leben zeigte sich auch am Sonntagnachmittag: Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hatte ins Hotel City-Hilton eingeladen. Rabbiner Elias Dray sprach nach dem Zünden der Kerzen über die Geschichte des Festes. Die Besinnung auf die Werte der Religion, die damals zur Rückeroberung des Tempels beigetragen habe, gelte auch heute, in der Verantwortung in Familie und Gesellschaft. Nach der Begrüßung des Vorsitzenden Abi Pitum brachte Dekan Stefan Arras den Besuchern jüdisches Leben mit kurzen Texten und vor allem jiddischen Liedern nahe. Die erste Kerze war an Erew Chanukka in den Räumen der Münchner B‘nai B‘rith Loge entzündet worden.
Die Kleinsten der Gemeinde feierten ihr Fest diesmal in ganz großem Rahmen mit der Benennung ihres Alexander-Moksel-Kindergartens und der Verabschiedung ihrer langjährigen Kindergartenleiterin Marianne Rössel. Die Schulkinder begingen das Fest in diesem Jahr in kleinem Kreis intern in der Aula ihrer neuen Schulräume. Mit viel Engagement hatten die Lehrerinnen, allen voran Bruria Figdor, gemeinsam mit Schulleiterin Antonia Ungar die kleine Feierstunde vorbereitet. »Hanerot Halalu« und »Maos Zur« erklangen aus den Kinderkehlen, nachdem die Kerzen an der Chanukkia gezündet worden waren. »Acht Tage ist Chanukka, weil ein großes Wunder dort geschah«, »Schmona Jamim ba-Chanukka« sangen die Mädchen und Jungen aus der ersten Jahrgangsstufe und stellten damit auch schon ihre ersten Hebräischkenntnisse unter Beweis. Ebenfalls in Hebräisch stellten die Zweitklässler dann in Liedern Geschichte und Brauchtum des Festes vor: Da ging es um den Sieg der Makkabäer und das Wunder des im Tempel gefundenen Ölkrügleins. Das Lied »Al Hanissim« machte das Beten über die Wunder deutlich. Viel Spaß machte allen auch die gesangliche Vorstellung der Bräuche vom Essen der Sufganiot, der Krapfen, sowie von Lewiwot, Kartoffelspeisen. Klar, dass auch das Sewiwon, das Spielen mit dem Trendl, nicht zu kurz kam. Ihre bereits erworbenen Englischkenntnisse schließlich stellten die Größeren unter Beweis, als sie den hellen Schein des Chanukkalichtes besangen. Zum Abschluss ließen es sich alle Kinder die Sufganiot schmecken.
Gute Tradition ist es seit Jahren, dass die Schulkinder zu den Festtagen auch die Senioren im Saul-Eisenberg-Seniorenheim besuchen. Begeistert hörten die alten Menschen den fröhlichen Kinderstimmen zu und applaudierten den jungen Sängern. Zum Zünden des achten Chanukkalichtes fanden sich am letzten Tag des Lichterfestes auch Gäste aus der Gemeinde in der Kaulbachstraße ein. Gemeinsam mit den Bewohnern genossen sie die Musik, das leckere Essen und freuten sich über die Preise der kleinen Tombola.
Ein Fahrrad und eine Israelreise gab es neben vielen anderen Gewinnen bei der Tombola beim großen Chanukkaball der IKG im Gemeindezentrum. Doch das war nur ein kleiner Teil eines attraktiven Abends. Mit Musik und Tanz feierten rund 700 Menschen am Samstag das Lichterfest erstmals im neuen Gemeindezentrum. Wegen des großen Andrangs wurden neben dem Hubert-Burda-Saal noch weitere Veranstaltungsräume inklusive des Foyers genutzt. Nach der gemeinsam gesungenen Hatikwa, dem Entzünden der ersten fünf Kerzen und dem »Maos Zur« begrüßte Gemeindepräsidentin Charlotte Knobloch die Gäste. Diese genossen dann einen stimmungsvollen Abend bei verschiedenen Köstlichkeiten vom Büffet und der Wiener Band »Frejlech«.
Damit auch alle von ihrem Tisch aus mitbekamen, was sich auf der Bühne tat, wurde das Programm über mehrere Bildschirme in alle Bereiche übertragen. Das war allerdings nur in Maßen nötig, denn die unterschiedlichen Musikstücke von Hora bis Tango, von Boogie bis Walzer lockten alle Generationen aufs Tanzparkett.
Am Sonntag schließlich genossen die Gemeindemitglieder nach dem Zünden der sechsten Chanukkakerze durch Kantor Avishai Shmuel Levin die Stimmen des Synagogenchors »Schma Kaulenu« und des Knabenchors in der Synagoge Ohel Jakob. Zwischen Mincha und Ma‘ariv nutzte Rabbiner Steven Langnas die Gelegenheit für einige Worte zum Chanukkafest. Nach dem Abendgebet ging es dann in den Hubert-Burda-Saal, in dem Vorstandsmitglied Anita Kaminski den Auftritt aller Gemeindechöre moderierte.

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