Chanukka

Ein bisschen Wehmut

von Miryam Gümbel

Chanukka, ein Name für den Kindergarten und ein Dankeschön für dessen langjährige Leiterin Marianne Rössel, all das wurde mit einem abwechslungsreichen Programm gefeiert. Der Hubert-Burda-Saal im Gemeindezentrum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Familien der Kinder waren ebenso gekommen wie die Mitarbeiter des Hauses und ehemalige Schützlinge der beliebten Kindergartenleiterin.
Das Programm stand ganz in der von ihr geprägten Tradition: Neun Jungen mit Kerzen als Kopfschmuck symbolisierten die Lichter des Chanukkafestes. Nach einem gemeinsamen Lied zündeten sie zusammen mit Rabbiner Israel Diskin die Kerzen am Chanukkaleuchter auf der Bühne. Die einzelnen Kindergartengruppen führten in Spielen und Tänzen die Bedeutung des Lichterfestes vor. Sie zeigten die Verweigerung des jüdischen Volkes gegen die Befehle des hellenistischen Eroberers Antiochos. Dann traten die Kleinen mit Ölkrügchen auf, ein großer Krug unterstrich schließlich das Wunder von Chanukka, bei dem das Öl aus einem einzigen Krug für das Licht für acht Tage ausreichte.
Einen Blick auf die Traditionenen rund um das Fest erlaubte eine andere Gruppe, die mit einem Singspiel das Zubereiten von Chanukkaspezialitäten vorführte: Mit Begeisterung rührten die kleinen Darsteller auf der Bühne den Teig und damit im Saal die Herzen der Anwesenden. Unter diesen war auch der frühere Vorsitzende des Kuratoriums zur Förderung unseres Jüdischen Zentrums, Harald Strötgen, den Gemeindepräsidentin Charlotte Knobloch ebenso wie die Familie Moksel willkommen hieß. Ihr Dank galt auch Moksles Tochter, Silvia Adani, die sich mit großem Engagement für das neue Gemeindezentrum eingesetzt hat. Alexander Moksel gehört zu den Sponsoren des Gemeindezentrums. Dass die Grundsteinkapsel der ehe- maligen, von den Nazis zerstörten Hauptsynagoge jetzt in der neuen Ohel Jokob Synagoge einen würdigen Platz gefunden hat, ist nur ein Beispiel. Diese Grundsteinbüchse, so Charlotte Knobloch, »ist uns und unseren Kindern Mahnung und Auftrag zugleich. Sie erinnert uns an die Geschichte und weist uns den Weg in eine friedliche Zukunft. Sie erinnert uns daran, wer wir sind.« Die Kleinen hatten für den Namensgeber eine Tafel mit einem Lebensbaum vorbereitet, die ihm eine kleine Abordnung gemeinsam mit der Leiterin Romana Alfred überreichte.
Bei aller Freude gab es ein wenig Wehmut an diesem Nachmittag: bei dem endgültigen Abschied von Marianne Rössel, die den Kindergarten 40 Jahre lang geleitet hat. Die Liste derer, die Dank sagen wollten, war lang. Die beiden Vorsitzenden des Elternbeirates, Ronnit Simon-Brandt und Lauren Rid, dankten ihr mit einer kleinen Ansprache und einem Gutschein für einen Computer. Die Schulleiterin der Sinai-Schule, Antonia Ungar, betonte die stets gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die nicht nur den Mitarbeitern von Schule und Kindergarten den Übergang erleichtert habe, sondern vor allem auch den Kindern selbst. Auch die im IKG-Vorstand für die Jugend zuständige Isabella Kaspi dankte der beliebten Kindergartenleiterin für ihr Engagement. Dass diese in allen Nöten zu Marianne Rössel kommen konnten, unterstrichen Beispiele aus 40 Jahren. Daniel und Paula Targownik hatten einen kleinen Film vorbereitet, in dem die Schützlinge von Marianne Rössel von heute und aus den Anfangszeiten in der Möhlstraße vor 40 Jahren zu Wort kamen. Viele Erinnerungen wurden so wieder lebendig, vom Aufkleben des Pflasters bis hin zur Begleitung nach Hause nach einem für die Kinder wie die Jubilarin seinerzeit wohl ebenso aufregenden Erlebnis, als einer ihrer verloren gegangenen Schützlinge mit Polizei- und Blaulichteinsatz im Englischen Garten wiedergefunden wurde.
Wie keine Zweite habe Rössel »unsere Kindergartenkinder für die jüdische Religion zu begeistern vermocht. Ihr ist es gelungen, unser großes Anliegen, nämlich unseren Kindern jüdische Werte und jüdisches Bewusstsein zu vermitteln, zu verwirklichen«, unterstrich Charlotte Knobloch in ihrem Abschiedswort: »Dafür bin ich ihr von Herzen dankbar. Mit ihrer natürlichen Autorität und ihrem Verantwortungsbewusstsein hat sie ihren Mitarbeitern das Gefühl gegeben, bei ihr in guten Händen zu sein.« Marianne Rössel dankte allen für das ihr über die Jahre entgegengebrachte Vertrauen. Wenn es ihr gelungen sei, dass die Kinder im Sinai-Kindergarten Geborgenheit und Glück erfahren durften, dann sei alle Zeit und jede schlaflose Nacht gut investiert gewesen. In einem begeisternden Schlussauftritt verabschiedeten sich alle Kinder mit einem nicht enden wollenden »Tschüss, Frau Rössel.«

Bündnis Sahra Wagenknecht

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