WIZO-Köln

Ein Abend, der Mut macht

von Constantin
Graf von Hohensbroich

Als Rabbiner Netanel Teitelbaum die fünfte Kerze an der Chanukkia entzündet, legt sich eine feierliche Stille über das Fest. Das Licht ist ausgeschaltet und der Rabbiner stimmt das »Maos Zur« an, das traditionelle Chanukkalied. Nach und nach erheben sich die Gäste von ihren Plätzen und stimmen in das Lied ein. Und als der Rabbiner mit seiner warmen und wohltönenden Stimme zum Abschluss der Liederfolge »Jerushalajim shel zahav« intoniert, wird der Rheinsaal nochmals vom beeindruckenden Chorgesang der rund 300 Gäste erfüllt. Derart festlich eingestimmt übernimmt das Orchestre Alexandre aus Brüssel die weitere musikalische Führung dieses Abends von Chanukka 5798 im Kölner Hotel Hyatt Regency. Es sollte ein langer Abend werden, der sich bis in die frühen Morgenstunden erstreckte.
Eingeladen hatte die Kölner Gruppe der Women’s International Zionist Organisation (WIZO) unter dem Motto »Ein Licht für ein Kind«. Seit Jahrzehnten bemüht sich die Organisation, einen Beitrag gegen Armut, Elend und Unwissenheit bei den kleinsten Bürgern Israels zu leisten. Neben den über 200 Kindertagesstätten und weiteren Betreuungsangeboten kümmert sich die zionistische Frauenorganisation zudem vor allem um Frauen, Senioren und Neuein- wanderer. »Die Zukunft der Kinder liegt in Ihren Händen, Israels Zukunft liegt in den Händen der Kinder«, werben die WIZO-Verantwortlichen für die Übernahme von Patenschaften für Kinder in Israel. Mit Erfolg: Bereits im Vorfeld des Chanukkaballs waren 20 Patenschaften übernommen worden. Am Ende des Abends wurden 65 Kerzen – für jede Patenschaft eine – entzündet. 500 Euro beträgt das auf ein Jahr angelegte Sponsoring für die pädagogische und materielle Hilfe für ein Kind.
»Super erfolgreich«, nannte die Kölner WIZO-Vorsitzende Vera Soditt das Ergebnis, »mit dem wir nicht gerechnet hatten«. Von der Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft der Gäste, die überwiegend aus Köln und der Region gekommen waren, zeigte sie sich ebenso beeindruckt wie von der Unterstützung durch das Hotel. »Das war schließlich der erste koschere Ball, und das hat einiges an Vorbereitung und Aufwand erfordert.« Chefkoch Ernst Petry und zwölf Köche hatten die Herausforderung angenommen, für so viele Gäste ein dreigängiges koscheres Menü zuzubereiten. Drei Tage vor dem Ball war die Hotelküche komplett gekaschert worden. »Dass der Ball hier stattfindet, ist für unser Haus eine Ehre und Auszeichnung«, stellte Bankettchef Alexander Kreutzmann fest. Geehrt fühlte sich auch Elfi Scho-Antwerpes. Die Bürgermeisterin der Stadt Köln war dankbar für dieses »Zeichen der Wertschätzung«, dass sie bei dieser Veranstaltung die Domstadt repräsentieren durfte und nannte das Engagement von WIZO-Köln »ein großartiges Symbol der Solidarität«. Die SPD-Politikerin will sich dafür einsetzen, dass die Stadt Köln im Rahmen ihrer Städtepartnerschaft mit Tel Aviv möglicherweise eine Patenschaft über einen Kindergarten oder einen Sportverein übernimmt. Auch eine Einladung an eine Jugendgruppe zu einem Kölnaufenthalt sei denkbar. »Ich erlebe jüdisches Leben stets als enorme Bereicherung unseres Alltags«, so Scho-Antwerpes.
Neben der Bürgermeisterin waren unter den Ehrengästen auch Rachel Singer, die Präsidentin von WIZO Deutschland, sowie Guido Osterer, Präsident von Maccabi Deutschland. Den Zentralrat der Juden in Deutschland vertrat deren Generalsekretär Stephan J. Kramer. Der gesamte Vorstand der Kölner Synagogen-Gemeinde war zugegen. Mit der Kölner CDU-Bundestagsabgeordneten Ursula Heinen, die zudem parlamentarische Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium ist, war auch die Bundespolitik vertreten. Sie alle feierten mit den anderen Gästen. TV-Moderatorin Nazan Eckes sowie Fernsehrichterin Barbara Salesch führten durch einen fröhlichen, optimistischen Abend. »Ein Abend, der Mut macht«, sagt Vera Soditt, »ein Abend, damit Israels Kinder eine Zukunft haben.«

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