Israel-Lobby

Drum prüfe, ...

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Zwei US-Politologen kämpfen in Berlin gegen die Israel-Lobby

von Ingo Way

Die amerikanische Nahostpolitik wird von einer »Israel-Lobby« bestimmt. Das meinen die US-Politologen John J. Mearsheimer und Stephen Walt. In ihrem gleichnamigen Zeitschriftenaufsatz, wenig später zu einem Buch ausgewalzt (vgl. Jüdische Allgemeine vom 20. September), liefern sie die passende Immunisierungsstrategie gegen Kritik gleich mit: Wer die Israel-Lobby kritisiere, würde mit dem ungerechtfertigten Vorwurf des Antisemitismus bedacht.
Derzeit touren die beiden mit ihrem Buch durch deutsche Städte. Gastgeberin in Berlin war die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Dort wiederholen Walt und Mearsheimer ihre Kernthesen: Die Israel-Lobby, bestehend aus Aipac (American Israel Public Affairs Committee) und anderen jüdischen Organisationen, den Zeitschriften Weekly Standard und New Republic sowie den Neokonservativen, habe die öffentliche Meinung in den USA fest im Griff; ausschließlich Israel und die Israel-Lobby seien die treibenden Kräfte hinter dem Irakkrieg gewesen; heute dringe die Lobby auf einen Krieg gegen den Iran; dieses nähre den Terrorismus und schade den amerikanischen Interessen, ebenso – wie die Autoren immer wieder betonen – denen Israels. Ihre Forderung: Amerika solle sein »special relationship« mit Israel aufgeben und Israel als ein »normales Land« behandeln.
Eine Rednerin aus dem Publikum fragt, was denn Normalität bedeuten solle, angesichts der ständigen Bedrohung, und wenn Israel nur dank amerikanischer Hilfe überleben könne? Dies kontert Walt, indem er die Bedrohungslage in Abrede stellt. Die Terrorangriffe seien keineswegs eine Gefährdung für Israels Existenz. Und Ahmadinedschad wolle Israel überhaupt nicht vernichten, das sei ein Übersetzungsfehler gewesen. Stalin und Mao hätten die Atombombe auch nicht eingesetzt, also werde Ahmadinedschad das auch nicht tun.
Sonst ist im Publikum vor allem Zufriedenheit zu spüren. Einige alte Diplomaten a.D. äußern zustimmend, sie hätten dem jeweiligen Außenminister ja schon immer gesagt, dass auch die deutschen Beziehungen zu Israel auf den Prüfstand müssten.
Kritik wird nur noch an dem Cover der deutschen Ausgabe geübt. »Das ist eindeutig antisemitisch«, sagt der Politologe Thomas Risse von der Freien Universität Berlin. Das deutsche Cover zeigt eine US- Flagge mit Davidsternen. Das gleiche grafische Element fand bereits für ein anderes Buch Verwendung: die Nazi-Propagandaschrift Kräfte hinter Roosevelt von 1942. Diese Kritik kann Mearsheimer nicht nachvollziehen. Das Cover sei mit den Autoren abgesprochen, sie fänden es auch nach wie vor treffend, von dem Nazi-Buch hätten sie nichts gewusst, und die Ähnlichkeit sei reiner Zufall. Überhaupt sei das ja wieder mal ein Beleg für unangemessene Antisemitismusvorwürfe.

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