Nachschub

Die Waffen der Hisbollah

Die Waffen der Hisbollah

Kann die UNO-Truppe den Nachschub der Miliz unterbinden?

von Wladimir Struminski

Es ist erst drei Wochen her, daß der Weltsicherheitsrat in seiner Resolution 1701 die Entwaffnung der Hisbollah verlangt hat. Doch schon deutet alles darauf hin, daß dieses zentrale Element der Waffenstillstandsvereinbarung bloß auf dem Papier besteht. Längst hat die Organisation klargestellt, eine Entwaffnung stehe nicht auf der Tagesordnung. Sie ist lediglich bereit, ihre Waffen weiter in den Geheimdepots ruhen zu lassen, in denen sie derzeit lagern. Unter diesen Umständen klingt die Zusage des libanesischen Premiers Fuad Siniora, seine Regierung werde die Hisbollah entwaffnen, für Israel nicht allzu realistisch. Zudem hat der libanesische Verteidigungsminister Elias Murr verkündet, der Einmarsch der Streitkräfte in den Landessüden diene nicht dazu, Hisbollah-Waffen zu beschlagnahmen. Auch die internationale Friedenstruppe plant nicht, das nach wie vor beträchtliche Arsenal der Schiitenmiliz anzutasten.
Darüber hinaus ist die Hisbollah bemüht, die Verluste an Raketen und Kriegsmaterial aufzufüllen. Daß dies vom Weltsicherheitsrat untersagt wurde, stört Nasrallahs Truppe ebensowenig wie ihre Förderer im Iran und in Syrien. Soweit erkennbar, läuft der Waffennachschub über die syrisch-libanesische Grenze ungehindert weiter. Daß die internationale Truppe dies ändert, ist nicht zu er- warten. Nach Angaben des libanesischen Informationsministers Ghazi Aridi will Beirut einen Einsatz der Friedenssoldaten an der Grenze zu Syrien nicht erlauben. Zuvor hatte sich Syriens Präsident Baschar al-Assad gegen solche internationale Kontrollen ausgesprochen – Assads Willen kann sich Libanons Regierung schlecht widersetzen.
Ohnehin ist die 350 Kilometer lange syrisch-libanesische Grenze schwer kontrollierbar. Beide Länder sind durch ein Tunnelnetz verbunden, durch das je nach Bedarf Schmuggelware oder Waffen gebracht werden. Letzteres gab 2005 selbst UN-Generalsekretär Kofi Annan zu. Israel allein kann den Waffenzustrom aus Syrien nicht wirksam eindämmen, sagte der Militärexperte und Hisbollah-Kenner Yiftah Shapir vom Tel Aviver Jaffee-Zentrum für Strategische Studien im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. Das gilt auch für die amerikanischen Versuche, eine internationale Embargo-Front zu schmieden. An Bezugsquellen fehlt es der Hisbollah nicht. Der Iran verfügt über eine leistungsfähige Rüstungsindustrie, die auch die schiitischen Verbündeten beliefert. Gleiches gilt für Syrien. Ein großer Teil der jüngsten israelischen Verluste im Südlibanon war auf hochmoderne panzerbrechende Waffen aus Rußland zurückzuführen. Offenbar wurden sie von Syrien erworben und an die Hisbollah weitergeleitet. Auch westliche Rüstungstechnik ist vorhanden. So fielen den Israelis im Libanon von der Hisbollah verwendete britische Nachtsichtgeräte in die Hände. Sie waren vor drei Jahren mit Genehmigung der Londoner Regierung an den Iran geliefert worden, zum Einsatz gegen Drogenschmuggler.
So ist es kaum verwunderlich, daß drei Wochen nach Verkündung der Waffenruhe in Israel über eine neue Offensive spekuliert wird – möglichst, bevor die Schiitenmiliz wieder volle Kampfstärke erreicht hat.

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