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Die Rückkehr der Urlauber

von Gil Yaron

Das Urlaubsziel von Boa Nussbaum und ihrem Freund Rüdiger Mahlo erscheint in diesem Jahr ungewöhnlich, wenn nicht sogar waghalsig. Die beiden wollen ihren Sommer in Israel verbringen. »Wir wollten herkommen, besonders jetzt nach dem Krieg. Man muß den Menschen hier zeigen, daß sie nicht allein sind«, sagen die zwei Berliner, während sie sich am Strand von Tel Aviv in der Sonne braten lassen. Die Zahnärztin und der Computerfachmann sind mit ihrer Wahl nicht allein. Am Strand von Tel Aviv trift das Paar unerwartet viele Freunde aus Deutschland.
Trotz der Badehungrigen in Tel Aviv, die aus Deutschland anreisen, ist die Lage für die Tourismusbranche in Israel nicht leicht. »Der Krieg hat uns schwer getroffen«, sagt Rafi Baeri, Vizepräsident für Marketing der Dan-Hotel-Gruppe. Mit 12 eigenen Häusern und 3.300 Betten ist sie die größte Hotelkette in Israel. »Während des Krieges waren unsere Hotels im Norden zwar mit Journalisten ausgebucht. Doch mindestens ein Viertel der Touristen hat seine Reisen storniert.« Für die großen Hotels ist dies ein schwerer Schlag, stützten sie sich doch zu 70 Prozent auf Touristen und Geschäftsleute aus dem Ausland.
»Der Krieg hat zu einem Einbruch bei den Buchungen geführt«, bestätigt Tal Muskal von der Lufthansa, die zweimal täglich von Frankfurt am Main nach Tel Aviv fliegt. Inzwischen werden ihre Großraumjets hauptsächlich von Israelis gefüllt. Etwa 300.000 Israelis, so schätzt das Tourismusministerium, werden in den kommenden Wochen Urlaub machen. Etwa 40 Prozent von ihnen werden sich für einen Kurzurlaub in Israels Norden entscheiden, um jetzt selber wieder die grünen Hänge Galiläas zu füllen. Dieser Trend kommt vor allen den kleinen Pensionen zugute, die die israelischen Kurzurlauber am liebsten buchen.
»Eine Woche, nachdem die Waffenruhe in Kraft getreten war, begannen die Leute, in den Norden zu strömen«, sagt Nathan Maschasch, Leiter von zimmeril.com, einem der größten Internetportale für Kurzurlaube. Für die rund 3,5 Millionen Surfer, die die Seite pro Jahr anklicken, hält sie etwa 1.300 Angebote bereit.
Sie wirbt mit romantischen Fotos von Holzhütten, von denen aus der Gast eine wunderbare Aussicht genießt. Vor der Buchung kann er sich das Wohnambiente, in warmes Licht von Kerzen getaucht, im Internet anschauen. Die Bandbreite reicht von spartanischen Holzhütten für 50 Euro bis zu Luxusherbergen, in denen der Gast pro Nacht um 300 Euro erleichtert wird. An ausgefallenen Ideen mangelt es hier nicht, wie die mit Fiberglas nachempfundenen Höhlen oder japanischen Wellnessdörfer bezeugen. Von Massagen über Jeeptouren bis zum Heimkino und dem üppigen Frühstücksbüfett lassen sich alle Annehmlichkeiten telefonisch vorbestellen.
Andere Israelis treibt die Neugier auf die Überreste des Krieges in den Norden, der das Ziel des einmonatigen Angriffs der Hisbollah war. Obwohl die Kriegsschäden bei den Gasthäusern nahezu behoben sind, wollen die Besucher die Auswirkungen des Beschusses mit eigenen Augen begutachten. Der Jüdische Nationalfonds, der für die Aufforstungsbemühungen in Israel verantwortlich ist, versucht deswegen, aus den bleibenden Narben des Krieges Nutzen zu ziehen. Waldhüter organisieren »Katjuschatouren«, bei denen sie neugierige Israelis durch die geschundenen Wälder führen. »Die Touren erweisen sich als großer Erfolg«, sagt Ofira Hadad, Pressesprecherin des JNF. Dreimal täglich informieren die Forstleute über die ökologischen Schäden infolge der Waldbrände.
Positiv sieht es für die Hotel- und Pensionsmanager auch zu den Hohen Feiertagen aus: »Für diese Tage ist es schwer, überhaupt noch ein Zimmer bei uns zu reservieren«, freut sich Baeri von den Dan Hotels. Auch andere Hotelketten berichten im Vorfeld von einer Auslastung von mehr als 70 Prozent. Das kann auch Nathan Maschasch vom Internetanbieter bestätigen. Treibende Kraft hinter den Buchungen sind jedoch meist die Hausfrauen, die sich das Kochen der aufwendigen Festtagsmenüs ersparen wollen. Bereits jetzt kommen wieder etwa 10 Prozent aller Reservierungen aus Übersee, schätzt Maschasch. »Das Geschäft erholt sich langsam wieder«, sagt auch Muskal von der Lufthansa.
»Klar haben viele gefragt, ob wir nicht Angst haben, nach Israel zu fahren. Aber wenn man erst einmal hier ist, merkt man nichts davon, daß überhaupt Krieg war. Im Gegenteil, es war ein toller Urlaub«, sagt Rüdiger, bevor er sich ins blaue Mittelmeer stürzt, um sich abzukühlen.

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