bildanalyse

Die Ordnung der Dinge

Dieses Bild spricht Bände. Drei gepflegte Männer in dunklen Anzügen, das Ambiente gediegen. Hier herrscht eine Ordnung, wie sie nur in Hotels der Spitzenklasse noch gepflegt wird: Die Wassergläser, bis einen Zentimeter unter den Rand gefüllt, haben am rechten oberen Rand der Schreibunterlage zu stehen, die Namensschilder in der Mitte, genau vor dem Stapel Schreibpapier. Sicherlich hat der Maitre d’hotel auch den Abstand zwischen Gläsern und Namensschildern exakt vermessen. Eine Ordnung, die auf gleiche Abstände achtet, jedem seinen Platz und die gleiche Grundausstattung zuweist.
Ein Manager, der solche Ordnung zustande brächte und hütete, wäre wohl ganz im Sinne der beiden Herren links und rechts im Bild. Im Nahen Osten heißt diese Ordnung »Zweistaatenlösung«. Und wie diese aussehen soll, hat Manager Barack Obama von dem Platz aus verkündet, auf dem er immer den besten Eindruck macht: hinter dem Rednerpult, wo der US-Präsident auch jetzt wieder steht, den Blick visionär in die Ferne gerichtet: Israel und die Palästinenser müssten unverzüglich mit Verhandlungen über eine endgültige Regelung für Nahost beginnen, mahnt er; beide müssten sich dafür einsetzen. Gesunder Menschenverstand und Kompromissbereitschaft seien nun angebracht.
Stünde Obama im New Yorker Waldorf Astoria Hotel nicht hinter seinen Gästen, könnte er erkennen, was in Benjamin Netanjahu und Machmud Abbas vor sich geht: Sie wirken nicht wie Männer, die Visionen noch trauen. Dafür haben sie schon zu oft die Grenzen des gesunden Menschenverstandes in den eigenen Reihen, vor allem aber in den Reihen des Verhandlungsgegners erkennen können.
Dem rechts im Bild sitzenden palästinensischen Präsidenten steht das Unbehagen und der Versuch, es sich nicht allzu deutlich anmerken zu lassen, ins Gesicht geschrieben. Mehr als diese »Photo Opportunity« hat er beim Gipfeltreffen am 22. September in New York nicht bekommen. Von amerikanischem Druck auf die Israelis war plötzlich nicht mehr die Rede, von einem Siedlungsstopp schon gleich gar nicht; er wird, wieder einmal, mit leeren Händen nach Ramallah zurückreisen müssen. Man wird ihm die Frage stellen, die er sich im Augenblick selbst zu stellen scheint: Was mache ich eigentlich hier?
Während Obama hoffnungsvoll und Abbas frustriert in die Weite blickt, richtet Israels Premier als einziger seinen Blick auf eine Person in dieser Dreierrunde: auf Abbas. Angespannt, fast so, als wollte er dessen Gedanken lesen, die so schwer an diesem Tag nicht zu erraten gewesen sein dürften. So selbstbewusst beobachtet nur einer, der sich als Gewinner fühlen darf. Von Washingtons Druck auf Israel war an diesem Tag nicht mehr viel zu spüren.
Woran das liegen mag? Der kritische Beobachter würde auf die Fahnen hinter dem Präsidenten verweisen, die ebenfalls in strenger Ordnung aufgestellt sind. Links die Amerikas, rechts die Israels. Beabsichtigt war der Effekt sicher nicht. Aber so wird der US-Präsident in der Mitte des Bildes von der Fahne seines Landes und von der israelischen umrahmt. Die palästinensische steht – ganz am Rand. Sylke Tempel

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Nach der Wahl

Grüne und SPD in Berlin stellen Bedingung für Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt wollen an diesem Donnerstag erstmals über eine Regierungsbildung sprechen. Es soll sich aber noch nicht um formelle Sondierungsgespräche handeln

 28.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026