Tel Aviv

»Die Juden hatten Angst vorm Meer«

Herr Kaniuk, Sie sind gebürtiger Tel
Aviver. Finden Sie Ihre Stadt schön?
kaniuk: Es gibt einen Satz des Dichters Nathan Altermann: »Jesh Jafot mimech, awal en Jafah Kamoch – Es gibt Schönere als Dich, doch keine ist so schön wie du.«

Was ist Tel Aviv für Sie?
kaniuk: Für mich ist Tel Aviv das Meer. Als meine Mutter noch ein Mädchen war, ging man auch zum Meer, aber nur nach Jaffa, zum Hafen. Damals hatte Tel Aviv das Meer noch gar nicht für sich entdeckt.

Wieso das?
kaniuk: Tel Aviv wurde längs des Meeres er-baut, doch die Juden fürchteten sich anfangs davor. Die Russen hatten Angst vor dem Meer. Und die Polen sowieso. Also bauten sie die Straßen parallel zum Wasser. Ist Ihnen das mal aufgefallen? Tel Aviv ist die einzige Stadt am Mittelmeer, deren Straßen nicht zum Meer führen, sondern daran entlang verlaufen! Mit einer Ausnahme, der Allenby-Straße. Es gibt diese wunderbare Geschichte darüber, wie sie damals gebaut wurde. An der Ecke, wo einst das Mugrabi-Kino war, stand ein wunderschöner Maulbeerfeigenbaum. Den wollten die Arbeiter nicht herausreißen und deswegen macht die Allenby-Straße dort einen Bogen, zum Meer hinunter. Und so entdeckte Tel Aviv das Meer.

Ihre Eltern waren deutsche Juden. Hatten die Jeckim keine Angst vor dem Wasser?
kaniuk: Die Jeckim verstanden das Meer, sie verstanden, dass man am Wasser bauen muss. Ich glaube, dass die wichtigste Sache die zu meinen Lebzeiten hier in Tel Aviv geschehen ist, die Ankunft der Jeckim war. Im Laufe von zwei oder drei Jahren, kamen zwischen 60.000 und 70.000 Leute, das waren genau so viele Menschen, wie bis dahin hier lebten. Die deutschen Juden waren es, die all diese wunderschönen Häuser errichtet haben, die Museen, die Banken.

Sie sind selbst am Wasser aufgewachsen.
kaniuk: Ja, wir wohnten gegenüber dem Meer. Oft saßen wir auf dem Balkon und ein angenehmer, kühler Wind kam vom Wasser herüber. Ich liebe den Geruch des Meeres. Hier in der Stadt fehlt er mir furchtbar. Und ich liebe das Geräusch, die Stimme des Meeres. Als ich ein Kind war, lag ich im Winter im Bett, und die Schiffe fuhren an unserem Haus vorbei, auf dem Weg zum Hafen von Tel Aviv, mit den deutschen Einwanderern an Bord. Es war wunderschön, diese Schiffe zu sehen, das Meer, den starken Regen im Winter…
Gehen Sie heute immer noch im Meer baden?
kaniuk: Nein, nein. Aber manchmal gehe ich auf der Strandpromenade spazieren und schaue mir das Meer an. Oder ich sitze am Hafen und gucke von dort auf den Sonnenuntergang über dem Meer.

Apropos Gucken: Moritz Bleibtreu, der in der Verfilmung Ihres Romans »Adam Hundesohn« mitspielt, sagte mir, er habe noch nie so viele schöne Frauen gesehen wie in Tel Aviv.
kaniuk: Richtig! Das ist eine Tatsache. Das macht die Mischung! So etwas gibt es nirgendwo sonst auf der Welt, nicht mal in Hollywood, wo ich gerade war. Schade dass ich nicht jünger bin. Früher war das noch nicht so.

Das Gespräch führte Christian Buckard.

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026

Westjordanland

Netanjahu schreibt Siedlergewalt einer »Handvoll Kids« zu

Nach Kritik der Trump-Regierung an Israels Vorgehen in der Westbank wiegelt Israels Premierminister ab - und zieht noch mehr Kritik auf sich

 01.01.2026

Israel

Israel führt Gedenktag für marokkanische Juden ein

Die Knesset hat beschlossen, einen Tag zur Erinnerung an die marokkanisch-jüdische Einwanderung zu schaffen

 31.12.2025

Gaza

37 Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland droht Lizenz-Entzug

Israel will sich vor Terrorverbindungen in Hilfsorganisationen schützen. Die Einrichtungen warnen vor humanitären Konsequenzen

 31.12.2025

Bulletin

Terrorangriff in Sydney: 20 Verletzte weiter im Krankenhaus

Fünf Patienten befinden sich nach Angaben der Gesundheitsbehörden in kritischem Zustand

 17.12.2025

Terror

Polizei: 9 Tote bei Angriff in Sydney

Was bislang bekannt ist - und was nicht

 14.12.2025

Sydney

Jewish organizations decry the »scourge« of antisemitism

This time the focus is on Australia. It is hosting a conference of the international Jewish initiative »J7.« The group is presenting figures on Jew-hatred on the continent – and speaks of historic highs.

von Leticia Witte  03.12.2025

Kino

Blick auf die Denkerin

50 Jahre nach Hannah Arendts Tod beleuchtet eine Doku das Leben der Philosophin

von Jens Balkenborg  02.12.2025