Zwangsarbeiter-Stiftung

»Die bisherige Form hat sich bewährt«

»Die bisherige Form hat sich bewährt«

Jiri Sitler über das Kuratorium
der Zwangsarbeiter-Stiftung

Herr Sitler, offenbar ist geplant, das Kuratorium der Bundesstiftung, die die ehemaligen NS-Zwangsarbeiter entschädigt, zu verändern. Worum geht es (vgl. S. 2)?
sitler: Zunächst einmal: Bislang sind wir nicht offiziell über mögliche Pläne informiert worden. Ich habe davon vor einigen Tagen aus der Frankfurter Rundschau erfahren. Aber natürlich habe ich einiges Inoffizielles gehört. Es geht wohl nicht nur um die Verkleinerung des Kuratoriums, das ja eine Art Aufsichtsrat ist. Für wichtiger halte ich, dass offenbar ein neues, zusätzliches Gremium geschaffen werden soll: ein Stiftungsrat. Alle entscheidenden Kompetenzen des Kuratoriums sollen wohl auf diesen Stiftungsrat übergehen. Und da sollen die Länder, die an den internationalen Verhandlungen zur Entschädigung der Zwangsarbeiter beteiligt waren und deshalb auch im Kuratorium sind, nicht mehr vertreten sein.

Heißt das, die Internationalität der Stiftung steht in Frage?
sitler: Absolut. So würde doch aus der international ausgerichteten Zwangsarbeiter-Stiftung eine rein deutsche Veranstaltung werden. Die Vertreter anderer Länder hätten dann wohl keinen Einfluss mehr.

Aber die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter ist so gut wie abgeschlossen. Warum müssen da noch die verschiedenen Länder an Entscheidungen beteiligt werden?
sitler: Das stimmt zwar. Aber es bleibt zum Beispiel noch der »Zukunftsfonds«, mit dessen Hilfe Projekte der Völkerverständigung gerade mit Mittel- und Osteuropa sowie Israel gefördert werden. Und man sollte grundsätzlich nicht vergessen: Das Kuratorium in seiner bisherigen Form hat sich bewährt. Wir haben gute Arbeit geleistet und waren gemeinsam erfolgreich. Es gibt also keinen Grund, daran et- was zu ändern. Ein neues Gremium erscheint mir nicht sinnvoll. Wir sind aber selbstverständlich bereit, darüber zu reden, wie man die Arbeit der Stiftung und Entscheidungsprozesse vereinfachen kann.

Steckt etwas Politisches hinter dem Vorstoß, die Gremien zu verändern?
sitler: Ich hoffe, dass dies nur ein Vorstoß auf Beamtenebene ist, der keine politische Unterstützung hat.

Mit dem tschechischen Vertreter im Kuratorium der Zwangsarbeiter-Stiftung sprach Christian Böhme.

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