Asmi Bischara

Die Akte des Spions

Die Akte
des Spions

Der Ex-Abgeordnete Asmi Bischara wird zum politischen Störfall

Dass Asmi Bischara für die Hisbollah spioniert haben soll, war bereits bekannt. Dennoch waren viele Israelis überrascht, als das Amtsgericht in Petach Tikwa vor einigen Tagen die Veröffentlichung von Einzelheiten der Affäre zuließ. Tonaufzeichnungen von Bischaras Telefonaten sollen beweisen, dass der damalige Knessetabgeordnete während des Libanonkrieges aktiv auf Seiten der Hisbollah mitgewirkt hat. Nicht nur soll er die Schiitenmiliz mit Informationen über »optimale« Ziele für Raketenbeschuss versorgt, sondern sie auch auf strategischer Ebene beraten haben. Für seine Dienste soll Bischara Hunderttausende Schekel kassiert haben.
Vor Gericht kommt der ins Ausland ge-
flüchtete Informant allerdings kaum. Es gilt nämlich als höchst unwahrscheinlich, dass er in absehbarer Zeit nach Israel zurückkommt, um sich den Richtern zu stellen »Daran hat auch niemand Interesse«, meint der Arabist Mordechai Kedar von der Bar-Ilan-Universität. Bischara selbst, so Kedar, habe keine Lust, hinter Gitter zu wandern. Auf der anderen Seite wünscht auch der Inlandsgeheimdienst Schabak kein Gerichtsverfahren, bei dem er seine Arbeitsmethoden ausführlich darlegen müsste. Zudem würde ein Prozess wegen seiner politischen Brisanz das ohnehin angespannte jüdisch-arabische Verhältnis weiter verschärfen.
In dem einen oder anderen Maße ist dieser Prozess aber auch ohne ein Gerichtsverfahren unvermeidlich. Vertreter der israelischen Rechten nutzen die Gelegenheit, arabische Politiker unter einen Generalverdacht der Illoyalität zu stellen. Ihrerseits neigen viele arabische Aktivisten zu einer Verschwörungstheorie, der zufolge die Akte Bischara vom Schabak von Anfang bis Ende fabriziert wurde. Andere malen Schreckensszenarien aus. So etwa äußerten der Jerusalemer Soziologieprofessor Asis Haidar und Dschafar Farrach, Direktor des Mossawa-Zentrums für die Förderung arabischer Bürger Israels, die Befürchtung, der Fall Bischara könne zu einer Massenausweisung israelischer Araber beitragen. Dass solche Thesen an den Haaren herbeigezogen sind, dürfte auch ihren Verfechtern klar sein. Allerdings, so Kedar, bieten sie ihnen im Streit um Bischara eine als nötig empfundene Gegenstrategie. Auch unter der arabischen Bevölkerung insgesamt glauben viele an eine Konspiration. Allerdings keines-
wegs alle. Wladimir Struminski

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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