WIZO

Der Wetterdeal

Regen, dunkle Wolken, kühle Temperaturen – so lautete noch am Sonntagvormittag die Wetterprogrognose für den Nachmittag. Die Frauen hörten sie mit Sorge, schließlich hatten sie das erste große Sommerfest der Berliner WIZO (Womens In-
ternational Zionist Organisation) lange geplant – und extra auf den Tag des kalendarischen Sommeranfangs gelegt.
Und dann scheint plötzlich doch die Sonne. Im Garten des Jüdischen Bildungszentrums von Chabad Lubawitsch, wo ein Karussell, eine Hüpfburg, eine Torwand, ein großer Grill und verschiedene Stände aufgebaut wurden, haben sich gegen Mittag die ersten Besucher bereits in den Schatten geflüchtet. »Wir hatten einen Deal mit Chabad«, lacht die Berliner WIZO-Vorsitzende Michal Gelerman, »sie sorgen für gutes Wetter, und wir erledigen den Rest. Und das hat ja offensichtlich geklappt.«
Die Vorbereitungen für das Sommerfest dauerten zwar ein halbes Jahr, aber »so etwas erledigen wir mit links«, sagt Gelerman. Wohin die Einnahmen fließen werden, haben die Damen noch nicht festgelegt. Sie berichten aber begeistert von ih-
rem neuesten Projekt. Durch eine testamentarische Verfügung von Augusta und Robert Meder können sie nun im israelischen Eilat gefährdeten Mädchen helfen, die in Obdachlosigkeit, Drogenszene und Prostitution abzurutschen drohen. In der dortigen Villa Meder werden sie umfassend betreut. Ziel ist es, den Schulabbrecherinnen zu einem Abschluss zu verhelfen. »Die Arbeit von WIZO ist unerhört wichtig«, betont Rabbiner Yehuda Teichtal, deshalb habe man auch keine Sekunde lang gezögert, als man um um Hilfe bei der Ausrichtung des Sommerfests gebeten wurde. Und wie war das mit dem Wetter-deal? Teichtal schmunzelt: »Dafür haben wir heute ein kleines Gebet in der Synagoge abgehalten.«
Für die Kleinen ist es dagegen ganz selbstverständlich, dass die Sonne scheint. »Ist nämlich Sommerfest«, sagt ein knapp Fünfjähriger, der aber leider nicht viel mehr Zeit für weitere Kommentare hat, denn jetzt muss Eis gegessen und anschließend Karussell gefahren werden. Einzig der kleine Svetoslav hat dagegen schon aufgegegeben. Der Zweijährige sitzt glei-chermaßen glücklich wie erschöpft im Kinderwagen. Auch Papa Yevgen Terentyev ist zufrieden. »Die Sonne scheint, die Spiele sind schön, was kann es Besseres geben?«
Vielleicht noch ein Stück Kuchen? Sechs Stunden haben die WIZO-Frauen ge-
meinsam mit Lea Teichtal gebacken, und nun machen sich die Gäste daran, alles in Rekordzeit aufzuessen. Irith Rozanski freut sich über den Andrang. Nein, stressig sei das alles überhaupt nicht, sagt sie und berät nebenher ein äußerst unschlüssiges Kind, das leider nur noch Platz für genau ein Stück Gebackenes hat.
Das Sommerfest ist ein Erfolg, darüber ist man sich bereits am frühen Nachmittag völlig einig. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt allerdings nicht. Die Vorbereitungen für die große Gala am 9. September im Berliner Hilton-Hotel laufen auf Hochtouren, und nebenher plant man bereits die Highlights des nächsten Jahres. Einen Marathonlauf soll es geben, verraten die WIZO-Frauen, und vielleicht sogar ein Auto- rennen. Elke Wittich

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