Nicolas Sarkozys

Der Wechsel

von Lars Weber

Mit mehr als 53 Prozent hat der Konservative Nicolas Sarkozy die französischen Präsidentschaftswahlen klar für sich entschieden. Trotz seiner schon fast fünfjährigen Ministertätigkeit schaffte es der UMP-Vorsitzende, sich als Erneuerer zu positionieren. In seiner ersten Rede als gewählter Präsident versicherte Sarkozy, der Präsident aller Franzosen zu sein. An der europäischen Integration will er genauso arbeiten wie an der Schaffung einer Mittelmeerunion. Bereits früher sprach er von einer privilegierten Partnerschaft mit den Mittelmeerstaaten, mit Israel an erster Stelle. Dies wä- re ein klarer Politikwechsel, da der bisherige Präsident Jacques Chirac stets eine pro-arabische Politik vertreten hat.
Der Vorsitzende des Repräsentativrates der jüdischen Institutionen Frankreichs (CRIF), Roger Cukierman, gratulierte Sarkozy in einem Schreiben zu dessen Wahlsieg: »Ich habe mit großer Genugtuung zur Kenntnis genommen, dass Sie die französischen Werte, die uns viel bedeuten, in Ihrem Herzen tragen. Dazu gehört, dass die Republik es jedem Bürger ermöglicht, die Werte zu achten, die den Nächsten respektieren und keinen Platz lassen für Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus.«
Zahlen oder Umfragen, für wen die französischen Juden gestimmt haben, liegen nicht vor. Der CRIF ist parteiunabhängig und führt keinerlei Meinungsumfragen durch. Generell sagt man, dass »die Juden auf der Seite Sarkozys« seien, aufgrund seiner jüdischen Wurzeln, aber auch seiner israelfreundlichen Politik. Während des letztjährigen Krieges gegen die Hisbollah hat Sarkozy klar Position zugunsten Israels bezogen und als Innenminister Maßnahmen gegen Antisemitismus veranlasst. Ein weiterer Vorteil für den UMP-Vorsitzenden könnte gewesen sein, dass ein Teil der jüdischen Gemeinschaft mit der französischen Linken im Clinch liegt, da diese stets als zu israelkritisch wahrgenommen wird.
Für den Paris-Korrespondenten der israelischen Tageszeitung Jediot Achronot sind diese Vermutungen aber mit Vorsicht zu genießen. Traditionell hätten die französischen Juden immer links gewählt, da es über Jahrzehnte starke Verbindungen zwischen der französischen Linken und Israel gab. Außerdem galt der sozialistische Präsident François Mitterand als großer Israelfreund. Auch wenn Vertreter jüdischer Institutionen mit einem starken Votum pro Sarkozy rechneten, bestehen weiterhin Vorbehalte, rechts zu wählen. Dies spiegelt sich auch im Wahlergebnis im jüdischen Viertel von Paris, dem Marais, wider. Dort hatte Sarkozy mit 50,2 Prozent nur einen hauchdünnen Vorsprung vor Royal mit 49,8. Im jüdischen Stadtteil von Marseille, dem 10. Arrondissement, fiel das Ergebnis dagegen eindeutig aus: 60,5 Prozent für Sarkozy.
Als prominente jüdische Vertreterin unterstützte Simone Veil Sarkozy im Wahlkampf. Veils Engagement führte zu teils bestürzten Reaktionen im Internet: Eine Auschwitzüberlebende dürfe sich nicht hinter den ehemaligen Innenminister stellen, der illegale Einwanderer knallhart ausweisen ließ, hieß es.

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