George J. Mitchell

Der Spezialist

von Eva C. Schweitzer

Vor gut einem Jahrzehnt hatte George J. Mitchell eine unlösbare Aufgabe: Er sollte für Frieden sorgen, in einem Landstrich, in dem sich Anhänger zweier religiöser Richtungen mit ähnlichem ethnischen Hintergrund seit Jahrzehnten blutig be-
kriegten, ein Streit, der in Wirklichkeit um Einfluss und Land ging. Die einen hatten die militärische Macht des britischen Staates im Rücken, die anderen, als Underdogs, die Sympathien der halben Welt. Für die Briten waren sie, natürlich, Terroristen, und tatsächlich begingen sie blutige Anschläge, nicht nur in ihrer Heimat, Nordirland, sondern auch in London.
Mitchell fing an, indem er Vertreter beider Parteien zu einem Dinner einlud, und ihnen verbot, über Politik zu sprechen. »Sie sollten einander als Menschen erkennen, die Enkel haben, und Hobbys«, sagte einer seiner Berater. Und tatsächlich, Mitchell verhandelte das Karfreitagsabkommen, das Frieden brachte. Heute ist Nordirland ein Musterbeispiel dafür, wie uralte Konflikte gelöst werden können. Nun hoffen viele, dass Mitchell der »Zauberer« ist – so nennt ihn die jüdische Zeitung Forward –, der dem Nahen Osten Frieden bringt. Denn US-Präsident Barack Obama hat den altgedienten Demokraten zum Sondergesandten gemacht. Und der 75-Jährige verlor keine Zeit: Schon wenige Tage nach seiner Ernennung flog er in die Region, um sich mit den Staatschefs von Palästina, Ägypten, Jordanien, Israel und Saudi-Arabien zu treffen.
Mitchell, ein ruhiger, fast sanfter Mann, dem endlose Geduld beim stundenlangen Verhandeln nachgesagt wird, trat mit den Vorschusslorbeeren aller Seiten an. »Er ist weder pro-israelisch noch pro-palästinensisch, er ist neutral«, sagt Martin Indyk, der frühere amerikanische Botschafter in Israel. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßt seine Ernennung, das gilt auch für Amr Moussa, den Chef der Arabischen Liga, für den israel-kritischen Buchautor Stephen Walt sowie für David Rosen vom American Jewish Committee in Jerusalem – Rosen war früher der Oberste Rabbiner in Irland. Und es mag auch ein gutes Omen sein, dass Mitchells Familie aus der Region stammt. Seine Mutter war Libanesin, und sein Vater, ein katholischer Ire, wuchs in einer libanesischen Familie auf.
Der Jurist Mitchell, der in Washington studierte und seine Militärzeit in Berlin verbrachte, begann seine Karriere in seinem Heimatstaat Maine. Dort brachte er es zum Generalstaatsanwalt, zum Bundesrichter und zuletzt zum Senator. Bei entsprechenden Abstimmungen votierte er immer pro-israelisch.
1994 wollte Bill Clinton ihn zum Verfassungsrichter machen, aber er lehnte ab. Als Mehrheitsführer im Senat werde er gebraucht, um die Gesundheitsreform von Hillary Clinton durchzusetzen, sagte er. Die allerdings scheiterte. Mitchell wurde danach Aufsichtsratsvorsitzender von Disney und Lobbyist für die Tabak- und Süßwarenindustrie. Zuletzt leitete er eine Kommission über Dopingskandale im Profibaseball.
Aber auch mit dem Mittleren Osten hat Mitchell schon Erfahrung. In den 80er-Jahren leitete er die Iran-Contra-Hearings. Und am Ende von Clintons Amtszeit schrieb er einen Bericht über die Lage in Israel. Zwei Voraussetzungen für den Frieden müsse es geben, meinte er damals: Stopp des israelischen Siedlungsbaus, keine Anschläge durch Palästinenser. Aber sein Bericht wurde erst vorgestellt, als George W. Bush Präsident war. Und der glaubte, der Weg zum Frieden in Israel führe über den Irak.
Seitdem ist es nicht einfacher geworden. Die Zahl der Siedler auf der Westbank und in Jerusalem hat auf mehr als eine halbe Million zugenommen, die Palästinenser sind radikalisiert. Womöglich ist Mitchell die letzte Chance. »Die Zeit wird knapp«, warnte der Forward. »Mitchells Kritiker wollen den Konflikt gar nicht lösen – sie wollen ihn gewinnen. Aber die Freunde Israels müssen Mitchell unterstützen.«

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026