Yehude Simon Munaro

Der Saubermann

von Hans-Ullrich Dillmann

Eigentlich müsste Yehude Simon Munaro noch vier Jahre im Gefängnis sitzen. Statt-dessen trägt der 61-jährige Tierarzt und Soziologe seit Mitte des Monats die weiß-rot gestreifte Amtsschärpe eines peruanischen Regierungschefs. Munaro soll die politische Krise bewältigen, die den Andenstaat in den vergangenen Wochen erschüttert hat. Fast alle Minister der Vorregierung wurden aus ihrem Amt gejagt, sie sollen Schmiergelder eines norwegischen Erdölunternehmens kassiert haben.
Der sozialdemokratische Staatspräsident Alain Garcia setzt auf einen Ex-Häftling, der 1992 wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt worden war und vor acht Jahren begnadigt wurde. Yehude Simon Munaro hat seitdem in der Kommunalpoltik Karriere gemacht und sich landesweit den Ruf eines Saubermanns er- worben, eine Rarität im von Korruption gebeutelten Peru.
Der Chef des peruanischen Geheimdienstes reichte inzwischen seinen Rücktritt ein. Er könne »auf keinen Fall jemandem untergeben sein, der so viele Jahre wegen Terrorismus im Gefängnis« gesessen habe, verkündete Jorge Cárdenas Sáez. Und während die Rechte zetert, hofft das liberale und linke Peru auf einen Neuanfang mit einem Mann, an dem sich schon immer die Geister schieden.
Yehude Simon Munaro wurde im Juli 1947 in der nordwestlichen Küstenprovinz Lambayeque geboren. Sein jüdischer Vater war aus Palästina ins Land gekommen, seine christliche Mutter aus Italien eingewan-
dert. »Weder sein Vater, noch Munaro selbst haben jemals Kontakt zur jüdischen Gemeinschaft gehabt oder gesucht«, sagt Rabbiner Guillermo Bronstein, der Gemeinderabbiner der konservativen Asoci- ación Judía de Beneficencia y Culto in Lima. Dass der neue Premier jüdische Vorfahren hat, sei in Peru kaum bekannt. Schon während seines Studiums gehörte Munaro sozialistischen Gruppen an. Später gründete er die Vereinigte Linke, für die er 1985 als Abgeordneter in das Provinzparlament von Lambayeque einzog. Gleichzeitig wurde er Mitglied der peruanischen Menschenrechtskommission und der Rechtskommission des Kongresses.
Als er während der Diktatur des früheren Präsidenten Alberto Fujimori 1991 die Bewegung »Freies Vaterland« gründete, beschuldigte man Munaro, mit seiner Organisation der revolutionären Bewegung Túpac Amaru als »legaler Arm« zu dienen. Nach einer Auslandsreise wurde er verhaftet und in einem Schnellverfahren zu einer 20-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Erst nach dem Sturz Fujimoris wurde er vor acht Jahren freigelassen. Nach langer Zeit in strenger Isolationshaft kehrte er zu seiner Familie zurück. Mit seiner Frau Nancy Valcárcel, einer Malerin, hat er vier Kinder.
2002 schlug Yehude Simon Munaro als unabhängiger Kandidat bei den Provinzwahlen die etablierten Parteien und wurde Provinzgouverneur von Lambayeque. Seit seiner Amtsübernahme und der Wiederwahl vor zwei Jahren, gilt Lambayeque in Sachen Demokratie und Transparenz als Musterprovinz. Der Premier habe unter den Gemeindemitgliedern einen guten Ruf – »auch wenn er links eingestellt ist«, sagt Rabbiner Guillermo Bronstein. Wie jedem Politiker stehe ihm eine 100-Tages-Frist zu, in der er beweisen müsse, wie er seine Vorstellungen umsetzt. Bronstein: »Wir werden sehen, welche Politik er macht.«

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026