Gerhard Hentrich

Der Rastlose, der Freund

Gerhard Hentrich ist in der Nacht zum vergangenen Sonnabend gestorben. Es war der erste Tag des neuen jüdischen Jahres 5770, das mit dieser traurigen Nachricht begann. Noch vor Kurzem haben wir seinen 85. Geburtstag gefeiert. Wie immer sprach er vornehmlich von Buchprojekten und vermittelte aber an diesem Tag den Eindruck, als ob er nicht mehr viel Zeit habe.
In Berlin am 6. Mai 1924 geboren, wuchs Gerhard Hentrich hier behütet auf und legte 1942 am Paulsen-Realgymnasium die Reifeprüfung ab. Gleich danach wurde er zum Militär eingezogen; im April 1944 schwer verwundet. Eigentlich wollte er Jura studieren, durfte dies aber nicht, weil er eine »Halbjüdin« zur Mutter hatte.
Gleich nach der Befreiung eröffnet Albert Hentrich zusammen mit seinem Sohn Gerhard in Berlin-Steglitz einen kleinen Druckereibetrieb. Gerhard beginnt eine Druckerlehre, die er 1948 erfolgreich beenden kann. Im gleichen Jahr heiratet er. Seine Frau Erika wird ihm ein Leben lang zur Seite stehen. Um das Jahr 1956 wird die Druckerei erweitert und zieht in die Albrechtstraße (Berlin-Steglitz). Hier entsteht 1981 die Edition Hentrich.
Bücher zu verlegen, die nationalsozialistische Verfolgung thematisieren und helfen, dieses Unrecht nie zu vergessen, ja immer wieder gegen das Vergessen zu kämpfen, werden Gerhard Hentrich zur Passion und Verpflichtung zugleich. Damit ist kein Geld zu verdienen. Die Edition verkauft er, aber in den Ruhestand will er partout nicht gehen und gründet daher den Verlag Hentrich & Hentrich, zunächst im brandenburgischen Teetz und später dann mit einem Berliner Büro – wieder in der Albrechtstraße. Rast- und ruhelos – Geduld ist seine Stärke nicht – arbeitet Gerhard Hentrich mit wenigen Mitarbeitern sein Programm ab. Gemeinsam erfüllen wir die Reihen »Jüdische Miniaturen«, »Jüdische Memoiren« und die »Schriftenreihe des Centrum Judaicum« mit Leben.
Ich lernte Gerhard Hentrich unmittelbar nach der Wende persönlich kennen, weil er Kontakt zu unserem Haus, dem Centrum Judaicum, suchte. Dass aus einem ursprünglich bloßen Arbeitskontakt eine echte Freundschaft wurde, ist ungewöhnlich, und ich bin für diese Fügung dankbar.
Gerne hätte ich gemeinsam mit Hentrich das Erscheinen des 100. Bandes der »Jüdischen Miniaturen« gefeiert. Das war sein großer Traum, und mehrfach legte er fest, welcher Titel dafür infrage kommt.
Es wird die Nummer 100 geben, andere müssen entscheiden. Hentrich hat dafür gesorgt, dass der Verlag eine Zukunft ha-
ben wird. Gerhard Hentrich, der Rastlose, der Freund: Er wird mir, er wird uns fehlen. Hermann Simon

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Nach der Wahl

Grüne und SPD in Berlin stellen Bedingung für Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt wollen an diesem Donnerstag erstmals über eine Regierungsbildung sprechen. Es soll sich aber noch nicht um formelle Sondierungsgespräche handeln

 28.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026