Friedo Sachser

Der Kärrner

Der Kärrner

Ein Nachruf auf
Friedo Sachser

von Ralph Giordano

Sein Name wird der jüdischen Jugend von heute nichts mehr sagen, Ältere aber wissen, dass die Chronik der ersten 40 Jahre der »Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung« ohne diesen Kärrner nicht denkbar wäre. Im bergischen Wermelskirchen geboren und beim militärischen Untergang des »Dritten Reiches« 15 Jahre alt, hatte Friedo Sachser soviel davon mitbekommen, dass das »Nie wieder!« ihm zur Lebensmaxime geworden war. Wobei ihm, Zufall oder Fügung, das Jüdische zum Schicksal werden sollte. Anfang der 50er-Jahre stieß er in Düsseldorf auf Karl Marx, den aus der Emigration zurückgekehrten deutschen Juden, Repräsentant ihrer frühen Nachkriegsgeschichte, Personifikation deutsch-jüdischer Symbiose und – Menschenkenner.
Friedo Sachser, der Nichtjude, gehörte von Anfang an dazu. Was nicht einfach war zu einer Zeit, als innerjüdische Kritik an Juden in Deutschland, oft auf höchst aggressive Weise, an der Tagesordnung war, und für viele ein nichtjüdischer Mitarbeiter bei einer jüdischen Zeitung so etwas wie ein Sakrileg bedeutete. Ich kann nicht zählen, wie oft Karl Marx, sonst sparsam mit Lob, in meiner Gegenwart den jungen Sachser gerühmt hat, seine Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit und Professionalität.
Friedo Sachser wird 40 Jahre in der »Allgemeinen« arbeiten, ein Fels der Verlässlichkeit, des Fleißes und einer ungewöhnlichen Fähigkeit, zuhören zu können. Re- präsentanten der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland wie der große Jurist, Publizist und Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Hendrik George van Dam, oder der Chefredakteur Hermann Lewy, wussten, was sie an Friedo Sachser, dem redaktionellen »Untermann«, hatten. Die Beziehungen zwischen ihm und der Zeitung vertieften sich noch, als die »Allgemeine« nach Karl Marx’ Tod im Dezember 1966 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, dann aber gerettet wurde durch eine GmbH, in die beide, Sachser und Lewy, ihr gesamtes Erspartes steckten.
Dann übernahm der Zentralrat der Juden in Deutschland das redaktionelle und geschäftliche Zepter. Damit begannen turbulente Zeiten. Zeiten mit innerjüdischen Querelen, an die ich mich nur ungern erinnere, und mit einem Zentralrat, der keine Ähnlichkeit hatte mit dem von Ignatz Bubis, Paul Spiegel und dem heutigen. Einem Getreuen, Ausgeglichenen und Offenen wie Friedo Sachser tat das nicht gut. Es war nicht seine »Ebene«. Schließlich wurde er buchstäblich hinausgeekelt. Es war eine Übergangsperiode in der Geschichte des Zentralrats, in die er geriet, etwas, das später nicht möglich gewesen wäre. Bei der 50-Jahr-Feier der »Allgemeinen« in Düsseldorf erklärte ich deshalb: »Friedo Sachser ist über Jahrzehnte hinweg das Rückgrat dieser Zeitung gewesen. Die Art und Weise aber, wie man ihn 1991 vor die Tür gesetzt hat, ist und bleibt ein dunkler Punkt in der Geschichte derer, die nach dem Tod von Karl Marx über diese Zeitung verfügt und ihr Schicksal bestimmt haben.«
Mit Friedo musste Boike Jacobs gehen, seit 1970 seine Frau und langjährige Mitarbeiterin der »Allgemeinen«, der gute Geist an seiner Seite, die liebenswerte Kollegin und Freundin, die wir kennen und hochschätzen. Zusammen mit ihr hat der unermüdliche Aktivist in den Gemeinden Düsseldorf und Köln in den vergangenen Jahren 15 Jahren einen neuen Aufgabenbereich gefunden. »Bis zum Tage seiner Einlieferung ins Krankenhaus saß er an seinem Computer und arbeitete an der Fertigstellung des Kölner Gemeindeblattes«, schrieb seine Witwe jüngst in einem Brief an mich, »so wie er immer gelebt hat.« Und in unseren Herzen, liebe Boike, weiterlebt. Friedo Sachser, 9. Februar 1930 bis 20. August 2007 – in memoriam.

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026

Jerusalem

Wadephul: Iranische Waffen gefährden »nicht nur Israel, sondern auch uns in Europa«

Bei seinem Besuch bei seinem Amtskollegen Gideon Sa’ar sei es auch um diese Frage gegangen: Wie kann dieser Konflikt irgendwann beendet werden, wenn man dem Iran die entscheidenden Waffen aus der Hand geschlagen hat?»

 11.03.2026

Reisen

Lufthansa setzt weiterhin viele Nahost-Flüge aus

Flüge nach Tel Aviv, Teheran und in andere Städte bleiben ausgesetzt. Lufthansa reagiert weiter auf die Lage im Nahen Osten – Charterflüge für Rückholaktionen laufen jedoch weiter.

 09.03.2026

Südlibanon

Zwei israelische Soldaten bei Hisbollah-Angriff getötet

Nach einer vorläufigen Untersuchung der israelischen Armee begann der Vorfall, als ein Panzer während eines Einsatzes stecken blieb

 08.03.2026

Washington

USA intervenieren gegen mögliche Russland-Hilfe für den Iran

Sondergesandter Steve Witkoff kritisiert Moskau dafür, dass es Teheran im Krieg zu unterstützen scheint

 08.03.2026

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026

Nahost

Iran greift erstmals europäisches Ziel an: Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern

Nach Ausrufung einer Sicherheitswarnung erschütterten Explosionen die Basis. Kampfjets der Royal Air Force hoben nach Angaben von Flugbeobachtern ab, um den Luftraum zu sichern

 02.03.2026