Barmizwa

Der Dritte im Bunde

von Ludger Heid

Zwei Jahre hat sich Alexander Smolianitski auf diesen 18. März, den 18. Adar 5766, vorbereitet. Die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen nahm Alexander als Barmizwa in den Kreis der Erwachsenen auf. Mit seinen 13 Jahren ist er jetzt religiös volljährig, muß die religiösen Gebote erfüllen und wird beim Minjan mitgezählt. Beim Gottesdienst wird er nun unter seinem religiösen Namen Alexander ben Alexander zur Tora aufgerufen.
Vor vielen Gemeindemitgliedern las er einen Abschnitt aus der Tora und hielt einen Vortrag zum Thema »Napoleon und die Juden in Europa«. Dieses eher weltliche Thema hatte ihm Gemeinderabbiner Daniel S. Katz vorgeschlagen. Der ist der Auffassung, daß jedes Kind etwas studieren sollte, wofür es sich auch interessiert.
Acht Bücher hat Alexander über Napoleon und die Juden gelesen und sich bei Fachleuten erkundigt. Bei der Vorbereitung auf seine Barmizwa halfen ihm Kantor Daniel Tsah, Rabbiner Henry G. Brandt und Daniel S. Katz. Auch Mutter Tanya unterstützte ihn dabei.
Alexander Smolianitski ist ein Zuwandererkind, das in Deutschland geboren wurde, am 5. März 1993 in Dortmund. Seine Eltern Alexander und Tanya waren zwei Jahre zuvor aus Moskau zugewandert. Der Vater, Professor für Physik, arbeitet in Deutschland und Südafrika. Die Mutter Tanya Smolianitski ist promovierte Philologin. In der jüdischen Gemeinde ist sie die Beauftragte für Erwachsenenbildung. Beide Eltern gehören zu den Mitbegründern von »Gescher«, einem Verein für Integration durch Kultur und Bildung.
Der 13jährige Alexander geht in Dortmund aufs Gymnasium. Jüdische Religion, Politik, Englisch und Französisch gehören zu seinen Lieblingsfächern. Mit Fug und Recht könnte man ihn ein junges Sprachgenie nennen: Schon heute beherscht Alex neben Deutsch und Russisch auch Englisch und Französisch. Hebräisch kann er etwas lesen und ein wenig verstehen. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit seinem Computer, spielt Tischtennis und Klavier, oder sitzt mit einem Buch in seiner Leseecke. Später wolle er mal im Bereich Management arbeiten, sagt er selbstbewußt.
Seine Barmizwa sieht der junge Mann als Anfang einer neuen Etappe. Die Gemeinde Duisburg sei sein zweites Zuhause, wo er mehrmals in der Woche an Gottesdiensten und Seminaren teilnimmt und sich mit Freunden im Jugendzentrum trifft. Daher ist es für ihn überhaupt keine Frage, daß er künftig auch zur Tora aufgerufen werden will.
Alexanders Barmizwa ist erst die dritte in Duisburg seit Oktober 2002. Und das, obwohl die Gemeinde die zweitgrößte im Landesverband Nordrhein ist. Trotz aller Bemühungen von Rabbiner Katz, Jugendliche zu ermutigen, sich mehr am Gemeindeleben zu beteiligen, fehlen viele. Dabei sei eine Barmizwa
so etwas wie ein Führerschein, sagt Katz. Vorbereitung und Unterricht vermittelten Fähigkeiten, die man nie wieder verliere. Außerdem: Wer seine Barmizwa feiert, bestätigt sein jüdisches Bewußtsein vor der Gemeinde und zeigt, daß er stolz darauf ist.

Krieg

Israel droht Hisbollah mit Angriffen in Beirut

Für jeden Angriff der Hisbollah will die israelische Armee die Terror-Miliz in ihrer Hochburg attackieren

 08.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 07.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026