Peter Fischer

»Der Bedarf ist drastisch gestiegen«

Herr Fischer, vor 20 Jahren wurde die Organisation Amcha gegründet. Sie hilft Überlebenden, die an den Spätfolgen der Schoa leiden. Wie hat die Arbeit damals angefangen?
fischer: Die massiven posttraumatischen Folgeprobleme Schoa-Überlebender wurden der Öffentlichkeit erst im Laufe der 80er Jahre bewusst. Man erkannte, dass den Betroffenen dringend geholfen werden muss. Die Gründer der Selbsthilfeorganisation Amcha bauten 1987 ehrenamtlich und zum Teil mit eigenem Kapital in Jerusalem, Haifa und Ramat Gan Zentren auf, in denen sie schon bald über 2.000 Menschen betreuten. Zunehmend wurden dann Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter angestellt für die professionellen Therapien. Mit seinen heute über 150 Mitarbeitern hat Amcha ein Modell entwickelt, wie man mit psychosozialen Belastungsstörungen von Holocaust-Überlebenden umgeht und damit deren Lebensqualität erhöht.

Wo steht Amcha heute?
fischer: Der Bedarf ist in den vergangenen 20 Jahren drastisch gestiegen. Heute betreut Amcha über 9.600 Menschen in sechs Zentren und neun Zweigstellen. Zunehmend bieten die Dependancen auch Hausbesuchsdienste an, denn unter den Betroffenen gibt es immer mehr betagte Menschen.

Wie finanziert Amcha seine Arbeit?
fischer: Etwa die Hälfte der Kosten tragen die Klienten selbst, denn Amcha ist nach wie vor eine Selbsthilfeorganisation. Einen sehr substanziellen Beitrag leistet die Claims Conference, und etwa gleich hoch ist der Haushaltsanteil, der durch Spenden zusammenkommt; so durch Förderkreise in Holland, Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Wie viel haben Sie im vergangenen Jahr nach Israel überweisen können?
fischer: Der Verein hat 51.000 Euro gesammelt. Außerdem leistet unsere Stiftung im Monat ungefähr 25.000 Euro, und das seit 1990. Was unser Verein und die deutsche Amcha-Stiftung – übrigens die einzige Entschädigungsleistung aus der späten DDR für Israel – leistet, sind nicht einmal acht Prozent des Gesamtbudgets. Das ist natürlich viel zu wenig, wenn man sich vor Augen hält, was uns in Deutschland an Verantwortlichkeit zukommt.

Mit welchen Aktionen tritt Amcha Deutschland in diesem Jahr am Gedenktag für die NS-Opfer in die Öffentlichkeit?
fischer: Unsere Hauptveranstaltung ist ein Benefizkonzert im Berliner Dom. Es spielt das Hamburger Ärzteorchester, und es singt ein großer Chor mit Sängern aus etlichen Hamburger Kirchengemeinden.

Was sind Ihre nächsten Projekte?
fischer: Wir brauchen Adressen, denn wir möchten unsere Rundbriefe an immer mehr Menschen schicken, um sie als Spender zu gewinnen. Außerdem wollen wir Veranstalter, die sich für humanitäre Belange einsetzen, dafür gewinnen, sich auch für die Hilfe von Holocaust-Überlebenden zu engagieren.

Mit dem Vorsitzenden von
Amcha Deutschland sprach Tobias Kühn.

www.amcha.de
Spendenkonto-Nummer: 79 55 50,
BLZ 100 602 37, EDG-Filiale Berlin

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Nach der Wahl

Grüne und SPD in Berlin stellen Bedingung für Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt wollen an diesem Donnerstag erstmals über eine Regierungsbildung sprechen. Es soll sich aber noch nicht um formelle Sondierungsgespräche handeln

 28.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026