Aycan Demirel

»Das Problem muß man ernster nehmen«

»Das Problem muß man ernster nehmen«

Aycan Demirel über Judenhaß
bei muslimischen Jugendlichen

Herr Demirel, würden Sie sich als Jude an einer Schule mit hohem Anteil an türkisch- oder arabischstämmigen Kindern offen zu Ihrer Religion bekennen?
demirel: Nein, würde ich nicht. Ich würde mich nicht in Gefahr bringen wollen.

Der Fall des 14jährigen jüdischen Mädchens, das nur unter Polizeischutz den Schulunterricht in Berlin-Kreuzberg besuchen konnte, hat Schlagzeilen gemacht (vgl. S. 17). Ist das ein Einzelfall?
demirel: Vielleicht für die Medien. Aber wir hören hier immer wieder von antisemitischen Vorfällen. Jugendliche, mit denen wir arbeiten, berichten uns davon, daß Jüdinnen und Juden ihre Schulen wegen derartiger Ereignisse verlassen haben.

Woher kommt der Antisemitismus bei den Jugendlichen?
demirel: Da muß man zwischen türkischen und arabischen Jugendlichen unterscheiden. Im arabischen Raum ist Judenhaß ein sehr altes Phänomen. Antisemitismus hat sowohl im arabischen Nationalismus und aktuell im Islamismus immer eine wichtige Rolle gespielt. In der Türkei war Judenhaß nur eine Erscheinung am Rand des politischen Spektrums. Das hat sich geändert. Im türkischen Mainstream herrscht jetzt die Auffassung, daß vermeintliche Juden in Schlüsselpositionen sitzen und zum Wohle Israels, des Weltjudentums und gegen türkische beziehungsweise muslimische Interessen handeln.

Wir leben hier aber nicht in der Türkei.
demirel: Aber das alles kommt über die Medien zu uns. Einige türkische Zeitungen und arabische TV-Sender vermitteln diese Bilder. Da geht es um Antisemitismus, Holocaustleugnung, jüdische »Weltverschwörung«, die Dämonisierung Israels. Und das nehmen die Jugendlichen auf, besonders wenn sie bestimmten politischen Organisationen oder bestimmten Moschee-Vereinen nahestehen. Das ist Nährboden für gefährliche Handlungen. Ansonsten haben die meisten keine Ahnung vom Judentum und überhaupt keine Berührung damit.
Was kann getan werden?
demirel: Man muß vor allem das Problem ernster nehmen und es publik machen. Es muß zum Beispiel Möglichkeiten geben, daß man in Deutschland antisemitische Propaganda ausländischer Medien unterbindet.

Mit dem Leiter der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus sprach
Detlef David Kauschke.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

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