Otto Schily

Dank an einen Freund

von Miryam Gümbel

Mit Standing Ovations wurde der frühere Bundesinnenminister Otto Schily am Mittwoch vergangener Woche im Bayerischen Hof in München gefeiert. Anlaß: die Verleihung des »Shield of Keren Hayesod« für humanitäre Verdienste. Musikalisch umrahmt vom »Klassischen Duo« Ulrike Schmitz an der Violine und Susanna Klovsky am Klavier. Schily ist der erste Träger, dem diese hohe Auszeichnung außerhalb Israels verliehen wurde.
»Schilys Freundschaft zu unserem Land und seine außerordentlich guten Verbindungen zu den jüdischen Gemeinden in Deutschland«, seien sehr überzeugend, betonte denn auch Ambassador Avi Pazner, Weltpräsident des Keren Hayesod aus Jerusalem in seiner Ansprache. Keren Hayesod ehre somit an diesem Abend einen »Freund, der seine Ideale in Taten umsetzt und so die Freundschaft unter den Völkern fördert«.
Israel befinde sich in einem immerwährenden Kampf gegen den Terror, beschrieb Pazner die politische Situation Israels und erinnerte dabei an einen Mann, der sich für den jungen Staat besonders eingebracht hat, an Ariel Scharon, der unglücklicherweise jetzt im Krankenhaus liege. »Ich kann nicht hier stehen, ohne unseren großen Leader zu erwähnen, den Mann, der uns geformt hat, der gegen Terrorismus gekämpft hat und gegen Terroristen gewonnen hat. Der eine Geste guten Willens gemacht hat und den Versuch unternommen hat, daß wir und die Palästinenser uns näher kommen im Dialog des Friedens.«
Inzwischen sei mit der Hamas eine mörderische Organisation an die Macht gekommen. Deren Wege seien Terrorismus und Gewalt. Israel müsse geduldig sein. Der KH-Weltpräsident zitierte einen jüdischen Philosphen: »Wenn du Frieden willst, mußt du auf einen Krieg vorbereitet sein.« »Gott sei Dank«, sagte Pazner weiter, »ist Israel nicht alleine.« Zu den Freunden zählten die USA und ein freundschaftlich verbundenes Deutschland.
Viel Geld mußte und müsse in die Sicherheit Israels investiert werden. Wenn es dann an anderen Stellen fehle, habe Keren Hayesod stets unterstützend eingegriffen – bei der Bildung, bei der Alija und vielem anderen – und das bereits vor der Gründung des Staates. Um hierfür auch in der Zukunft ausreichend Mittel zu haben, appellierte zum Abschluß der Veranstaltung der Präsident von Keren Hayesod Deutschland, Michel Friedman, an die Festgäste. Unter ihnen konnte die Moderatorin des Abends, die Schauspielerin Sunnyi Melles, auch die Münchner IKG-Präsidentin und Vizepräsidentin des Zentral- rats der Juden in Deutschland und des Jüdischen Weltkongresses, Charlotte Knobloch, den Vorsitzenden des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Josef Schuster, sowie den Münchner Keren Hayesod Vorsitzenden David Leschem begrüßen.
In seiner Laudatio bezeichnete der Botschafter des Staates Israel, Shimon Stein, Otto Schily als einen Menschen und Politiker, der an der Entwicklung der Bundesrepublik über Jahrzehnte mitgewirkt habe und bereit sei, sich für das Gemeinwohl einzubringen. Da gäbe es kontrastreiche Bilder. Er wolle dabei weniger vom RAF-Anwalt und dem politischen Grünen spre- chen, sondern mehr von dem Menschen und Politiker Otto Schily. Geboren sei er an dem Tag, an dem 1933 der damalige sozialdemokratische Innenminister Karl Severing abgesetzt wurde. 66 Jahre später sei Otto Schily als Innenminister eines demokratischen Deutschland vereidigt worden.
»Das Augenmaß macht Sie zu der integren Person, die heute zu Recht für humanitäre Verdienste geehrt wird«, sagte Stein. Der Botschafter hob die Stellungnahme Schilys bei der Debatte um die Wehrmachtsausstellung 1997 hervor, ebenso seinen entschlossenen Einsatz gegen den »verfassungsfeindlichen und braunen Spuk«. Stein erinnerte an Ben Gurion, der den Begriff vom »anderen Deutschland« geprägt habe. Israel und Deutschland seien heute Teil einer Wertegemeinschaft. Sie stünden vor globalen Herausforderungen. Zuverlässige Partner wie Otto Schily seien da besonders wichtig.
Schily selbst nahm in seiner Rede, die mit großem Applaus bedacht wurde, noch einmal zur NPD Stellung: »Diesen verfassungsfeindlichen Aktivitäten müssen wir unbeirrt mit aller gebotenen Entschiedenheit und Härte entgegentreten. Leider ist es mir nicht gelungen, ein Verbot der NDP durchzusetzen. Ich bleibe aber unbeirrbar bei meiner Auffassung, daß eine verfassungsfeindliche antisemitische Partei wie die NDP in einem deutschen Parlament nichts zu suchen hat.« Er sei dankbar, so Schily weiter, daß jüdische Gemeinschaften heute wieder selbstverständlicher Bestandteil des kulturellen Lebens in Deutschland geworden sind: »Die Zuwanderung in die jüdischen Gemeinden ist nicht zuletzt ein beachtlicher Vertrauensbeweis in die Stabilität der deutschen Demokratie und in die Offenheit unserer Gesellschaft. Dieses Vertrauen müssen wir immer wieder neu aufbauen.«

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