Chemnitz

Challot und Kiddusch

Es wird ein Stück frische Hefe, ca. 40 Gramm, mit drei Esslöffeln Zucker, 400 Millilitern Wasser, einem Esslöffel Salz, zwei Eiern, 150 Millilitern Sonnenblumenöl und einem Kilo Mehl vermengt. Dann wird der Teig in gleiche Stücke geteilt, diese werden in eine längliche Form gebracht und zu zwei Zöpfen geflochten. Anschließend muss der Teig 20 Minuten gehen, bis er mit Eigelb bestrichen werden kann und in den Backofen kommt. »Wenn ich so Challot für Schabbat zubereite, rede ich den Zutaten immer gut zu«, erzählt Marina Ostrovskaia schmunzelnd. »Denn beim ersten Backen für die Gemeinde hat alles gut geklappt, beim zweiten und dritten Mal jedoch ist der Hefeteig nicht gut aufgegangen.«
Die zierliche Frau mit der freundlichen Stimme arbeitet seit fünf Jahren in der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz. Im Jahre 1960 geboren, wuchs Marina Ostrovskaia mit zwei Schwestern, eine davon ist ihre Zwillingsschwester, und einem Bruder im ukrainischen Dnepropetrowsk auf. In ihrem Heimatland war sie Technikerin und arbeitete als Ingenieurin in einem Werk, das Kunststoffformen herstellte. Während ihre Familie später in die USA auswanderte, begleitete Marina Ostrovskaia 1998 ihren Mann nach Deutschland. Seine Familie war bereits früher dorthin emigriert.
»Über die genauen Umstände, die zu unserer Entscheidung geführt haben, möchte ich nicht sprechen«, erklärt sie. Unter anderem sei jedoch die Ausübung der jüdischen Religion in der Ukraine kaum möglich gewesen, sagt die 49-Jährige und vergleicht: »Ich würde mich nicht als besonders religiös bezeichnen, aber in Deutschland ist das viel besser.«
Vermisst hat sie die ukrainische Heimat nur während der ersten fünf Jahre in Deutschland. Heute möchte sie nicht zurück. Zwar sieht sie ihre Angehörigen nur selten, – nachdem sie 2005 in die USA geflogen war, besuchten sie ihre Geschwis-
ter vergangenes Frühjahr – doch die Le-
benssituation in Deutschland stimmt sie zufrieden. Mittlerweile hat sie einen neun Jahre alten Sohn. Ihr Mann, von Beruf Künstler, unterstützt sie stets. Er hat von der Stadt Chemnitz eine Kombi-Lohnstelle, einen auf drei Jahre befristeten, von Bund und Kommune bezahlten Arbeitsplatz bekommen und unterhält so in Chemnitz mit einem Partner eine kleine Galerie.

Arbeitsmarkt Punkt für Punkt aufzählen, was ihr in Deutschland gefällt, was schlecht, gut oder besser als in der Ukraine ist, kann Marina Ostrovskaia nicht. »Ich finde es nur manchmal schade, dass wir, jüdische Zuwanderer, kaum richtige Arbeit haben«, erklärt sie. Ihre Stelle als Köchin ist ein Projekt der Gemeinnützigen Regionalen Aufbaugesellschaft Chemnitz, einer Institution, die sich um die Koordination kommunaler Arbeitsförderung kümmert. In diesem Fall fungiert die Jüdische Ge-
meinde Chemnitz als Träger. Sie finanzierte Marina Ostrovskaia vier Seminare über die koschere Küche, die von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWSt) in Bad Sobernheim organisiert werden. »Darüber habe ich mich sehr ge-
freut«, sagt Marina Ostrovskaia und er-
gänzt: »Jetzt habe ich auch vier Zeugnisse.«
Sie arbeitet 40 Stunden pro Woche. Freitags haben sie und ihre Kollegin am meis-
ten zu tun: »Zuerst bereiten wir die Challot vor, dann kochen wir für unsere Gemeindemitglieder für Schabbat, wir backen Ku-
chen, für den Kiddusch machen wir Auflauf oder belegte Brötchen und wir besorgen den Rotwein. Für Samstag kochen wir koscheres Fleisch oder Fisch in verschiedenen Varianten und machen zwei Salate.«
Wenn dann nach dem Gottesdienst und Kiddusch alle Gemeindemitglieder nach Hause gehen, muss sie schließlich noch aufräumen und und für Sauberkeit sorgen. Bei Festen und Veranstaltungen helfen dem Küchenteam oft Gemeindemitglieder. Außerdem verrät Marina Ostrovskaia ab und an im Gemeindeblatt oder bei Vorträgen ein paar der Rezepte.
Ein Lieblingsrezept der koscheren Küche hat Marina Ostrovskaia selbst nicht. Sie bereitet alles gerne zu: »Ich koche immer mit Leib und Seele und denke beim Kochen immer daran, dass es den anderen schmecken möge.«

Kindheitserinnerung Zunächst kannte sie koschere Gerichte nur aus Kindertagen, als ihre Großmutter kochte. Später war es für Marina Ostrovskaia ein Vergnügen, ihrer Familie Speisen zu zubereiten. »Ich hätte nicht gedacht, dass mein Hobby einmal zu meinem Beruf wird«, resümiert sie. Ihr neues Hobby liegt ihrer Arbeit sehr nah: »Ich suche immer wieder nach Anleitungen, wie ich Servietten schön falten kann. Da gibt es viele interessante Figuren.«
Den Job in der Küche der Chemnitzer Gemeinde möchte Marina Ostrovskaia so bald also nicht wechseln. »Ich bin ja außerdem schon zu alt, um noch einen anderen zu erlernen«, scherzt sie. Für ihre Zukunft hat sie nur ein großes Ziel: »Am wichtigs-
ten ist mir, dass ich meinen Sohn großziehe, ihm helfen kann, ihm die Möglichkeiten bieten kann, dass er einen guten Beruf bekommt.«

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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