Berlin

Bundestag stimmt über Antisemitismus-Antrag ab

Foto: picture alliance/dpa

Der Bundestag will an diesem Donnerstag über einen Antrag mit dem Titel »Nie wieder ist jetzt: Jüdisches Leben in Deutschland schützen, bewahren und stärken« beraten und abstimmen. Er ist nicht rechtsverbindlich, dürfte aber dennoch politische Wirkung entfalten.

Der Antrag von SPD, Grünen, FDP und Union hat das Ziel, Antisemitismus zu bekämpfen. Darin wird dazu aufgerufen, »Gesetzeslücken zu schließen und repressive Möglichkeiten konsequent auszuschöpfen«, insbesondere im Strafrecht sowie im Aufenthalts-, Asyl- und Staatsangehörigkeitsrecht.

Die vier Fraktionen kritisieren einen »relativierenden Umgang und vermehrt israelbezogenen und links-antiimperialistischen Antisemitismus« und fordern die Bundesregierung auf, sich »aktiv für die Existenz und die legitimen Sicherheitsinteressen des Staates Israel« einzusetzen.

Streit um IHRA-Antisemitismusdefinition

Gegenüber Ländern und Kommunen solle sie darauf hinwirken, bei Entscheidungen, etwa über die Förderung bestimmter Projekte, die sogenannte IHRA-Antisemitismusdefinition als maßgeblich heranzuziehen.

Lesen Sie auch

Die Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) hält unter anderem fest, dass sich Erscheinungsformen von Antisemitismus »auch gegen den Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, richten« können. Die FDP-Abgeordnete Anikó Glogowski-Merten findet es gut, dass der Verweis auf die Definition aufgenommen wurde. Sie fordert: »Nun sollen die Beschlüsse in Schulen und Hochschulen zur einheitlichen Anwendung umgesetzt werden«.

Bis Mittwochabend hatten allerdings bereits mehr als 4200 Kritiker des Antrags einen offenen Brief unterzeichnet, darunter zahlreiche Wissenschaftler. Die Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin, Barbara Stollberg-Rilinger, sagte, die IHRA-Definition sei unbestimmt, und »das führt dazu, dass sie unglaublich missbrauchsanfällig ist«.

Kritik bei Grünen

Denn der Antisemitismus-Vorwurf eigne sich »in hervorragender Weise, um politische Gegner zum Schweigen zu bringen und zu diffamieren«. Die Schlussfolgerung aus der deutschen Verantwortung für den Holocaust müsse sein, »dass man nicht immer die israelische Politik verteidigt und unterstützt, sondern die Menschenrechte«.

Grummeln gab es auch in der Grünen-Fraktion, wo nach Angaben aus Teilnehmerkreisen einige Abgeordnete Kritik an dem Antragstext äußerten.

Der Streit über die Antisemitismusdefinition der IHRA besteht auch außerhalb des Parlaments schon länger. Auch sogenannte »Israelkritiker« im linken politischen Spektrum bevorzugen die Jerusalemer Definition, die den wseit verbreiteten israelbezogenen Antisemitismus eher nicht berücksichtigt. dpa/ja

Israel

Dafür stehen die arabischen Parteien in Israel

Die arabisch geprägten Parteien in Israel haben bei der Parlamentswahl überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Wofür setzen sie sich ein, was sind ihre Ziele?

 28.10.2026

Regierungsbildung

Berliner Linke berät erneut über Vanessa Emde

Kurz vor dem geplanten Beginn von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD diskutiert die Berliner Linke über Antisemitismus - einmal mehr

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026