Gesetzestreue

Brandenburger Klagen

Brandenburger Klagen

Gesetzestreue ziehen
vor das Bundesverfassungsgericht

von Johannes Himmelreich

Etwas stimmt nicht mit dem Gemeindeleben in Potsdam und Brandenburg: Es gibt das Leben der einen und das Leben der anderen und dazwischen keinen Frieden. Zwischen der liberaleren »jüdischen Gemeinde« und der orthodoxen »gesetzestreuen jüdischen Gemeinde« herrscht seit Langem Funkstille. Schon wer versucht zu sagen: »Das sind die einen und jene sind die anderen«, begibt sich auf dünnes Eis.
Als wäre es mit dem Zwist zwischen diesen beiden noch nicht genug, kommt noch ein dritter Streitfaktor hinzu: Das Land Brandenburg verteile das Geld, um den Wiederaufbau des jüdischen Lebens zu unterstützen, ungerecht, sagt die gesetzestreue Gemeinde und hat Verfassungsbeschwerde eingelegt. Der Streit um Geld, Gleichberechtigung und Mitgliederzahlen liegt jetzt in Karlsruhe beim zweiten Senat.
Dieser hat im Juli bei jüdischen Verbänden, der Bundesregierung und den Bundesländern um Stellungnahmen gebeten. Die Frist dazu endete vor drei Wochen, am 15. Oktober. Doch einer der Befragten hat seine Frist um einen »angemessenen Zeitraum« verlängert, so eine Sprecherin des Verfassungsgerichts. Dass das Gericht überhaupt eine Stellungnahme durchführe, sei immerhin ein deutliches Zeichen, dass es sich mit dem Fall beschäftigen wolle, bestätigen Fachkreise. Bis zu 90 Prozent der Verfassungsbeschwerden lehnt das Gericht in der Regel ab.
Das Problem in Brandenburg ist das Geld. Alexander Shimon Nebrat, Sprecher und Geschäftsführer der gesetzestreuen Gemeinde wollte sich gegenüber der Jüdischen Allgemeinen zu den Problemen nicht äußern. Die Vorwürfe der Gemeinde erhebt er allerdings auch öffentlich: Auf einer Demonstration bezeichnete er die Politik der zuständigen Landesministerin als antisemitisch, in Pressemitteilungen und nach Angaben anderer Beteiligter fordert die Gemeinde vom Land, als gleichberechtigt an- erkannt zu werden, Geld zu bekommen und einen eigenen Staatsvertrag zu erhalten, der alles regelt. Die Verfassungsbeschwerde, die der Jüdischen Allgemeinen vorliegt, richtet sich gegen den bestehendenden Staatsvertrag zwischen der Landesregierung und dem Landesverband der jüdischen Gemeinden in Brandenburg.
In ihm ist seit 2005 geregelt, wie das Land die Gemeinden in Brandenburg fördert: Es wird der staatliche Schutz jüdischer Feiertage gewährt, das Land unterstützt den Bau einer Synagoge in Potsdam und überweist jährlich 200.000 Euro an den Landesverband. Auch Gemeinden, die nicht Mitglied sind – wie die gesetzestreue jüdische Gemeinde – solle der Landesverband angemessen finanziell beteiligen.
Man sei natürlich bereit, die gesetzestreue Gemeinde an dem Geld zu beteiligen, gleichberechtigt mit den sieben Gemeinden des Verbandes, sagt Feliks Byelyenkov vom Landesverband. »Aber wir müssen irgendwelche Kriterien haben«, die Mitgliederzahl sei wichtig. Darüber habe man sich mit der gesetzestreuen jüdischen Gemeinde bisher nicht einigen können. Den von Nebrat angegebenen Mitgliederzahlen traut Byelyenkov nicht und fordert von der gesetzestreuen Gemeinde mehr Transparenz. Beobach- ter in Potsdam schätzten die Zahl ihrer Mitglieder auf 80. Die Gesetzestreuen selbst setzten die Zahl in der Verfassungsbeschwerde hingegen bei rund 250 an. Auch weitaus höhere Zahlen sind im Umlauf.
Eine Einigung in Potsdam scheint schwer, ein Urteil in Karlsruhe wird dauern. »Es macht mich unglücklich, dass ein Jude mit einem anderen streiten muss –auch noch über Geld!«, sagt Byelyenkov. Er wünscht sich »einen Frieden, ein Schalom.« Doch so bald komme der nicht.

Israel

Dafür stehen die arabischen Parteien in Israel

Die arabisch geprägten Parteien in Israel haben bei der Parlamentswahl überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Wofür setzen sie sich ein, was sind ihre Ziele?

 28.10.2026

Regierungsbildung

Berliner Linke berät erneut über Vanessa Emde

Kurz vor dem geplanten Beginn von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD diskutiert die Berliner Linke über Antisemitismus - einmal mehr

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026