Meinung

Bosnien: Juden als Premierminister unerwünscht

war von 1999 bis 2016 für die EU und die OSZE in Bosnien-Herzegowina: Alexander Rhotert Foto: pr

Meinung

Bosnien: Juden als Premierminister unerwünscht

Alexander Rhotert wünscht sich ein Ende der verfassungsmäßigen Ungleichstellung der nationalen Minderheiten von Bosnien und Herzegowina

von Alexander Rhotert  31.08.2022 23:48 Uhr

Am 2. Oktober ist wieder einmal Wahltag in Bosnien und Herzegowina. Seit den ersten Nachkriegswahlen 1996 sind über 25 Jahre vergangen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte urteilte seit 2009 achtmal im Sinne von Klägern, die gegen den Staat vor Gericht gezogen waren.

Bosnien diskriminiere alle 17 nationalen Minderheiten im Land, da die Verfassung einen ethnischen Proporz zugunsten der drei »konstituierenden Völker« – Bosniaken, Kroaten und Serben – festschreibe. Somit darf ein Jude nicht für die Präsidentschaft kandidieren, ein Roma nicht für das Oberhaus des Parlaments.

Bosnien diskriminiert alle 17 nationalen Minderheiten im Land, da die Verfassung einen ethnischen Proporz der Bosniaken, Kroaten und Serben festschreibt.

Auch dieses Jahr wird sich daran nichts im Sinne der sich als »Bürger« Bosniens definierenden Kläger ändern, wie dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Jakob Finci, oder dem der Roma-Gemeinschaft, Dervo Sejdic. Denn für die in den Institutionen im Verhältnis zu ihrer Anzahl exorbitant überrepräsentierten Vertreter der Neun-Prozent-Partei HDZ (Kroatische Demokratische Union) gibt es offenbar nichts, was deren Machthunger stillen könnte.

Gemengelage In dieser hochbrisanten politischen Gemengelage hat sich der deutsche Hohe Repräsentant der Staatengemeinschaft in Bosnien, Christian Schmidt, die HDZ-Sache zu eigen gemacht. Anstatt auf die Umsetzung der europäischen Gerichtsurteile hinzuarbeiten, ignoriert er diese.

Nach einer Rüge tauschte der israelische Ministerpräsident Yair Lapid am 24. August den Botschafter Israels in Albanien aus, der auch für Bosnien zuständig war. Hintergrund ist ein Unterstützungsschreiben des Botschafters für HDZ-Chef Dragan Covic. Vorausgegangen war Covics Besuch in Jerusalem. Dass er nach seiner Rückkehr in Mostar auf dem dortigen Soldatenfriedhof Mitglieder der faschistischen kroatischen Ustascha-Armee von Hitlers Gnaden ehrte, ging Lapid wohl zu weit. Zudem kritisierte Jakob Finci die Unterstützung des Botschafters für die HDZ und Covic scharf.

Der Fokus sollte nach den Wahlen auf der Umsetzung der Straßburger Urteile liegen, damit eines Tages eine »Bürgerin« oder ein »Bürger« Bosniens Präsident werden kann, gleich welcher Konfession oder Ethnie er oder sie angehört.

Der Autor war von 1999 bis 2016 für die EU und die OSZE in Bosnien-Herzegowina.

Ankara

Türkei bricht Handelsbeziehungen zu Israel ab

Der Handel der Türkei mit Israel belief sich im Jahr 2023 noch auf mehrere Milliarden US-Dollar. Nun bricht die Türkei alle Handelsbeziehungen zu Israel ab. Doch es ist nicht die einzige Maßnahme

 29.08.2025

Geburtstag

Popstar der Klassik: Geiger Itzhak Perlman wird 80

»Sesamstraße«, »Schindlers Liste« und alle großen Konzertsäle der Welt natürlich sowieso: Der Geiger gehört zu den ganz großen Stars der Klassik. Jetzt wird er 80 - und macht weiter

von Christina Horsten  29.08.2025

Bonn

Experte: Opfer mit Bewältigung von Rechtsterror nicht alleinlassen

Der erste NSU-Mord liegt beinahe 25 Jahre zurück. Angehörige der Opfer fordern mehr Aufmerksamkeit - und angemessenes Gedenken, wenn es um rechtsextreme Gewalt geht. Fachleute sehen unterschiedliche Entwicklungen

 29.08.2025

Frankfurt am Main

Michel Friedman will nicht für TikTok tanzen

Es handle sich um eine Plattform, die primär Propaganda und Lügen verbreite, sagt der Publizist

 28.08.2025

Geburtstag

Holocaust-Überlebende Renate Aris wird 90

Aris war lange stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz und Präsidiumsmitglied des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden. 1999 gründete sie den ersten jüdischen Frauenverein in den ostdeutschen Bundesländern

 25.08.2025

Nahost

Alabali Radovan besucht Palästinensergebiete: Hilfe im Fokus

Die Entwicklungsministerin will in Tel Aviv diese Woche Angehörige von Geiseln treffen und das Westjordanland besuchen

 25.08.2025

Würzburg

AfD-Mann Halemba wegen Volksverhetzung vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft wirft dem bayerischen AfD-Landtagsabgeordneten Halemba auch Geldwäsche und Nötigung vor

von Angelika Resenhoeft, Michael Donhauser  21.08.2025

Ehrung

Ravensburger-Stiftung ehrt Bildungsstätte Anne Frank mit Preis

Es werde eine herausragende Bildungsinitiative gewürdigt, teilte die Stiftung mit

 20.08.2025

Athen

Israelische Firma übernimmt griechischen Rüstungsbauer

Griechenlands größter Hersteller von Militärfahrzeugen ist nun komplett in israelischer Hand. Die strategische Zusammenarbeit im Verteidigungssektor wird damit weiter vertieft

 20.08.2025