Hightech im Stall

Bauer sucht schlaue Kuh

von Wladimir Struminski

Eine solche Behandlung würde sich kein Mensch bieten lassen. Das einstöckige Gebäude hat nicht einmal Fenster und Türen, mal davon abgesehen, dass sich die Einwohnerinnen zum Ausruhen auf matschigen Boden legen müssen. Dazu werden sie ständig überwacht. Ein an ihrem Körper angebrachter Chip macht die elektronische Identifizierung ohne jegliches Mittun der Betroffenen möglich; ein Schrittmesser verrät, welchen Fußweg sie zurücklegen. Ein Messgerät ermittelt ihren Puls und ein anderes weiß sogar, wann und wie lange die Ausspionierten wiederkäuen. Bei den schwarz und weiß gescheckten Beobachtungsobjekten handelt es sich nämlich um den Tierbestand des zum israelischen Landwirtschaftsministerium gehörenden Forschungskuhstalls in Beit Dagan, südlich von Tel Aviv.
»Die individuelle Erfassung jedes Tiers und die damit einhergehenden präzisen Messungen erlauben es uns, die Zuchtmethoden zu verbessern«, sagt Professor Gi-
deon Hulata, Direktor des staatlichen Ins-
tituts für Tierwissenschaftliche Forschung. Individuell abgestimmte Futtermengen und -mischungen oder frühzeitige Erkennung von Krankheiten, wie sie in dem High-Tech-Kuhstall entwickelt und erprobt werden, sorgen für Ergebnisse, um die Israels Landwirtschaft – mit einem Beitrag von nur noch 1,7 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt klein, aber fein – international beneidet wird. So gibt die israelische Kuh rund 14.000 Liter Milch pro Jahr und hält damit den Weltrekord.
Allerdings arbeiten die Forscher längst nicht nur an der Quantität, sondern versuchen mit ausgeklügelten Methoden, auch die Qualität des flüssigen Grundnahrungsmittels durch die Optimierung des Fett- und Eiweißgehalts zu verbessern. Die Milch selbst wird aber auch auf potenzielle Schadstoffe und Krankheitserreger un-
tersucht. Eine in Beit Dagan im Pilotprojekt erprobte Melkanlage vermag aber auch kleinste, unsichtbare Blutmengen in der Milch zu entdecken, und diese sofort aus dem Verkehr zu ziehen. Damit kann die betreffende Kuh sofort untersucht werden. Dann wissen die Tierhalter auch, ob das Blut von einer harmlosen, kleinen Euterwunde kommt oder eine ernste Erkrankung indiziert.
Die Erfindung wird übrigens auch von Rabbinern begrüßt, weil sie durch mikroskopische Blutmengen bedingte, ungewollte Verstöße gegen die Kaschrut verhindern hilft. Unterdessen wird die Aus-
wahl der zur Fortpflanzung bestimmten Tiere verbessert. Mitilfe genetischer Marker lässt sich im Voraus bestimmen, welche Tiere die aus der Sicht der Züchter wünschenswerten Eigenschaften an ihre Nachkommen weiterreichen werden. Da-
durch wird bei der Herdenoptimierung wertvolle Zeit gespart.
Solche Erfolge beruhen auf Erkenntnissen führender israelischer Forscher auf dem Gebiet der Elektronik ebenso wie im Bereich der Biowissenschaften. Allein das Landwirtschaftsministerium unterhält mit seiner »Verwaltung für landwirtschaftliche Forschung« einen gewaltigen Forschungs- und Entwicklungsapparat. Auch Hochschulen, andere Forschungseinrichtungen und agrartechnische Unternehmen tragen zur wissenschaftlichen Untermauerung des Landwirtschaftssektors bei. In Bereichen wie Sensortechnik, Automatisierung und Mikrobiologie stehen die Israelis an vorderster Agrarfront.
Das zeigt nicht nur im Kuhstall Wirkung. So etwa suchen kluge israelische Köpfe nach Wegen, den Wasserverbrauch von Fischzuchtbetrieben zu senken. In so- genannten industriellen Fischfarmen wird das Wasser mit Luftdruck bewegt und mit Sauerstoff angereichert. Damit geht die pro Gewichtseinheit Fischprodukt benötigte Wassermenge zurück. In technischer Hinsicht hat sich die Methode bewährt. Allerdings sind industrielle Fischzuchtbetriebe, so Agrarforscher Hulata, wegen der hohen Kosten bisher nicht rentabel. Deshalb verfolgen die Forscher das Ziel, die Technik durch neue Verfahren zu verbilligen. Ein anderer Forschungszweig soll die Aufzucht von Süßwasserfischen in Brack-wasser mit einem Salzgehalt von 0,3 Prozent bis 0,5 Prozent möglich machen. Damit wäre zumindest für einen Teil von Süßwasserfischen die Verwendung minderqualitativen Wassers möglich: Bei der akuten Wasserknappheit, die in Israel herrscht, ein strategischer Vorteil. Und weil Israel bei Weitem nicht das einzige Land der Welt ist, in dem Wasser immer preziöser wird, ließen sich künftige Forschungserfolge israelischer Labors rund um den Globus anwenden.
In der Schafzucht vermag israelischer Erfindungsgeist schon heute, grenzübergreifenden Segen zu bringen. Das ist dem Forscher des Instituts für Tierwissenschaftliche Forschung, Elisha Gootwine, zu verdanken. Mit Hilfe des Erbmaterials australischer Schafe vermochte der Wissenschaftler eine neue Variante der im Nahen Osten verbreiteten Awassi-Schafe zu schaffen. Anders als herkömmliche Mutterschafe, die pro Wurf 1,1 Jungtiere zur Welt bringen, gebären weibliche Afek-Awassis – so der Name der israelischen Züchtung – 2,2 bis 2,3 Lämmer pro Schwangerschaft. Für die Herdenbesitzer bedeutet das einen weitaus höheren Ertrag und ein höheres Betriebseinkommen. Erste Nutznießer der Neuentwicklung waren israelische Beduinen in der Negew-Wüste. Heute weiden im Landessüden rund zwanzig Afek-Awassi-Herden. Eine umfassende Umstellung der Zucht auf die neue Schaf-sorte kann der ökonomisch schwachen Beduinenbevölkerung wichtige wirtschaftliche Impulse geben. Da werden auch die Nachbarn neugierig: Heute, so Institutsdirektor Hulata, arbeitet Israel auch mit der Palästinensischen Nationalbehörde und mit Jordanien bei der Einführung der blökenden Geldmacher zusammen.

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026

Nahost

Iran greift erstmals europäisches Ziel an: Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern

Nach Ausrufung einer Sicherheitswarnung erschütterten Explosionen die Basis. Kampfjets der Royal Air Force hoben nach Angaben von Flugbeobachtern ab, um den Luftraum zu sichern

 02.03.2026

Zusammenfassung

Israels Armee: Wir greifen Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an

Der Iran hat mittlerweile bestätigt, dass etliche hochrangige Militärs wie Generalstabschef getötet wurden

 01.03.2026

Analyse

»Der Iran hat nicht die Schlagkraft«

Das iranische Regime kann den Angriffen von Israel und den USA aus Sicht des Politologen Maximilian Terhalle militärisch wenig entgegensetzen - und durchaus gestürzt werden

 28.02.2026

Deutschland

Höhere Sicherheitsmaßnahmen nach Angriff auf Iran

Hessen verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen. Laut Innenministerium betrifft dies besonders jüdische, israelische und amerikanische Einrichtungen

 28.02.2026

Rabbinerausbildung

»Sehr bedeutsamer Schritt«

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und die Nathan Peter Levinson Stiftung beabsichtigen Kooperation

 19.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026