Tu Bischwat

Bäumepflanzen als Mizwa

In der Jüdischen Traditionsschule stand der diesjährige Tag der offenen Tür ganz im Zeichen von Tu Bischwat, dem Neujahrsfest der Bäume. Rund einhundert Kinder und Erwachsene feierten am vergangenen Sonntag in der Villa am Ruhwaldpark den Frühlingsanfang und die wiedererwachende Natur. In einer Theateraufführung und in Workshops vergegenwärtigten sie sich die enge Verbindung zwischen Gott, den Menschen und der natürlichen Umwelt. »Der Mensch ist wie ein Baum, auch er braucht Wasser, damit er seine Kraft entfalten kann – das ist universell«, sagte Joel Lion, Vertreter der israelischen Botschaft in Berlin, in seinem Grußwort. »Und für uns Juden ist das Wasser die Tora.«
Der Keren Kayemeth Le-Israel, der Jüdische Nationalfonds (KKL), war mit Ulmensetzlingen, Kiefernsamen und der blauen Büchse präsent. »In Israel ziehen die Kinder an Tu Bischwat hinaus, um Bäume zu pflanzen und damit die Aufforstung des Landes zu unterstützen«, erklärt Mario Marschall, Mitarbeiter des Berliner KKL-Büros. »An diesen Brauch knüpfen Juden außerhalb Israels an, indem sie in unseren blauen Büchsen Geld für Baumpflanzungen in Israel spenden und dadurch ihre Verbindung zum Land ausdrücken. Mit unseren Setzlingen wollen wir auch hier schon den ganz Kleinen vermitteln, welche Freude es bereitet, mit den eigenen Händchen einen Setzling in die Erde zu pflanzen.«
Die Chabad-Rabbiner Yehuda Teichtal und Shmuel Segal gingen mit gutem Beispiel voran. In Erinnerung an den Jahres-zyklus der Natur und dessen Bedeutung für die Menschen pflanzten sie gemeinsam ihren Ulmensetzling in eine Schale und gossen ihn an. Bei nächster Gelegenheit wird er dann in den Friedenswald nahe Jerusalem umgesetzt. Mehrere Kinder und Erwachsene folgten diesem Vorbild. Insgesamt rund 30 Setzlinge konnte Mario Marschall gegen kleine Spenden übergeben – verbunden mit der Hoffnung, sie mögen den neuen Baumpflegern viel Freude bereiten und ihre Liebe für die Geschichte und Geografie Israels stärken. Auch zahlreiche andere Gemeindeveranstaltungen besitzen im Terminkalender des Berliner KKL-Büros ihren festen Platz, so etwa Baumfeiern in der Heinz-Galinski-Grundschule, im jüdischen Kindergarten in der Delbrückstraße oder die Präsentationen auf Festen der Jüdischen Oberschule.
Der Jüdische Nationalfonds wurde 1901 in Basel gegründet. Den deutschen Ableger der gemeinnützigen Organisation gibt es seit 1952 in Düsseldorf, weitere Büros befinden sich in Berlin, München, Frankfurt am Main. In Deutschland unterstützen rund 16.000 Spender den KKL regelmäßig bei seinen Projekten zur Begrünung Israels. »An diesen Aktivitäten beteiligen sich auch zahlreiche Berliner, Juden wie Nichtjuden«, freut sich Mario Marschall. »Ich empfehle jedem Menschen, in seinem Leben mindestens einen Baum zu pflanzen, um dieses ganz besondere Gefühl zu erleben«, sagt er aus tiefer Überzeugung. »Diese Mizwa schafft etwas Dauerhaftes, das über das eiene Leben hinausreicht.« Anke Ziemer

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