Integrationskonzept

Auf dem Reißbrett

von Inga Hettstedt

»Man kann die Menschen nirgendwo hinführen, wenn man die Richtung nicht kennt«, sagt Rick Lepa, der in der vergangenen Woche sein Studium im Fachbereich Sozialwesen an der Fachhochschule Erfurt beendete. Der frisch gebackene Sozialpädagoge hat in seiner Diplomarbeit ein Konzept entworfen, wie die Jüdische Landesgemeinde Thüringen die Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion in die Gemeinde integrieren kann.
Esther Weitzel-Polzer, Professorin für Sozialmanagement, war es, die den Studenten Rick Lepa ermunterte, ein Integrationskonzept zu entwickeln. Ludmila Pevsner, Sozialarbeiterin der Jüdischen Lan- desgemeinde Thüringen, unterstützte ihn dabei. Lepa hat die Situation in Thüringen analysiert und vergleicht sie mit »einem Baukasten, in dem Teile fehlen«. In vielen Gemeinden gäbe es keine ausgebildeten, sondern praktische Sozialarbeiter. Ihre Sozialarbeit »nach Erfahrung« sei zwar durchaus gut, ließe sich aber verbessern. Dieses Problem, weiß Lepa, sei sowohl dem Zentralrat der Juden in Deutschland als auch der Zentralwohlfahrtsstelle (ZWSt) durchaus bewusst.
Anhand von vier Stufen der Integration (Instrumentale, Ökonomische, Kulturelle und Soziale Integration) und auf Grundlage des »Prozessorientierten Qualitätsmanagements« (PQM) erarbeitete Lepa ein Konzept, das auf vier gleichberechtigten Ebenen basiert. Es bündelt Managementprozesse, Geschäftsprozesse, unterstützende Prozesse sowie Messung, Analyse und Verbesserungsprozesse auf einem Blatt. »All diese Punkte gilt es zu beachten, wenn man Sozialarbeit qualitativ ausführen will«, sagt Lepa. Nachteilig an seinem Konzept könnte sich allerdings auswirken, dass es sich nicht von selbst erklärt. Deshalb soll es der junge Sozialpädagoge in diesem Monat auf einem Treffen führender Mitarbeiter jüdischer Gemeinden in Frankfurt am Main vor- stellen und erläutern.
»Zur Umsetzung bräuchte man ein Vielfaches an geschultem Personal, das konzeptionellen Ideen gegenüber aufgeschlossen ist«, sagt Lepa. Ein großes Problem sei, dass es in der thüringischen und in vielen anderen Gemeinden keinen Rabbiner gebe – als Vorbild und Autorität.

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

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